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Fussballer in der Warteschlaufe: Arbeitslose Spieler trainieren in einem Camp

Der ehemalige FCL-Stürmer João Paiva hält arbeitslose Fussballer fit. Die Profis hoffen auf das erlösende Vertragsangebot.
Nicola Berger
Unter der Anleitung von João Paiva (dunkles Dress) trainieren die Fussballer in Dietikon. (Bild: Safp)

Unter der Anleitung von João Paiva (dunkles Dress) trainieren die Fussballer in Dietikon. (Bild: Safp)

Der moderne Fussball ist ja aus den Fugen geraten, Profis sind zu Spekulationsobjekten geworden, die irrwitzige Preise erzielen. Atlético Madrid hat für den Offensivspieler João Felix gerade 126 Millionen Euro bezahlt. Die Summen, die im Fussball bewegt werden, haben etwas Surreales, sie sorgen für Neid und schüren das Klischee, dass es Fussballspielern generell zu gut geht.

Auf dem Sportplatz Dornau in Dietikon läuft dieser Tage eine Art Kontrastprogramm zum monetären Exzess und ­Gigantismus der Grossklubs. Wer das Trainingsgelände finden will, muss sich den Weg durch den Wald bahnen, und eigentlich ist das eine gute Metapher. Denn die Fussballer, die hier gerade trainieren, sind in Vergessenheit geraten, sie fristen ein Dasein im Verborgenen.

Es ist Dienstagmorgen, und der Trainer João Paiva, auch Coach des lokalen 1.-Liga-Vereins, scheucht mit lauten Anweisungen ein paar versprengte Profis über den Rasen. Paiva, 36, zu Aktivzeiten einst auch Stürmer beim FC Luzern, leitet das Camp für arbeitslose Fussballer, das jährlich von der Spieler­gewerkschaft Safp ausgerichtet wird und zum Ziel hat, die Wiedereingliederung in den Fussball zu erleichtern. Paiva sagt:

«Viele Leute sehen nur Messi, Neymar, die Champions League und die WM. Aber das hier ist auch eine Facette des Fussballs, auch eine Realität.»

Auch prominente Namen trainieren in Dietikon

Paiva ist in Dietikon die einzige Konstante, die Fluktuation unter den Teilnehmern ist sehr hoch. Praktisch jeden Tag melden sich Spieler im gemeinsamen Whats­app-Chat ab – und erhalten Beifall, wenn sie berichten, dass sie irgendwo zur Probe vorspielen können, so wie der frühere FCL- und SC-Kriens-Stürmer Goran Karanovic, der seit Montag als Testspieler mit dem deutschen Drittligisten FC Ingolstadt trainiert. Der Vertrag von Karanovic (31) war beim FC Aarau zum Saisonende ausgelaufen.

Karanovic ist nicht der einzige prominente Trainingsgast in Dietikon. Da ist Oliver Buff, 2009 U17-Weltmeister und zuletzt in Spanien und Zypern aktiv. Da ist der Aussenverteidiger Philippe Koch, der sich gerade einen öffentlichen Disput mit Alain Sutter, dem Sportchef des FC St. Gallen geliefert hat.

Und da ist auch der Luzerner Mario Bühler. Bühler (27) ist beim FCL ausgebildet worden, die letzten vier Jahre verbrachte er als Stammkraft im FC Vaduz. Der Vertrag wurde nicht verlängert, Bühler sagt, er habe sich mit der neuen Strategie des Klubs nicht identifizieren können. Nun hält er sich seit fast einem Monat in Dietikon fit und wartet auf eine neue Herausforderung. Bühler sagt: «Ich bin im besten Alter, wenn ich gesund bleibe, kann ich noch fünf, sechs, sieben Jahre spielen.» Sein Ziel ist eine Anstellung in der Super League – am liebsten eine Rückkehr nach Luzern, «das wäre der Traum», zumal er mit der Familie gerade zurück in die Heimat gezogen ist.

Der Wunsch dürfte in diesem Sommer nicht in Erfüllung gehen, darum wartet Bühler auf ein anderes erlösendes Angebot, er ist auch für einen Wechsel ins Ausland offen. Ein Transfer zum SC Kriens ist zumindest vorläufig kein Thema, Bühler sagt, er sei noch nicht bereit für das Halbprofitum – er will sich und der Welt beweisen, dass er ein Team weiterbringen kann. Während sein Berater den Markt sondiert, trainiert Bühler jeden Tag mit Paiva und den übrigen Fussballern, die das Karussell zumindest temporär abgeworfen hat. Bühler sagt: «Die Bedingungen im Camp sind sehr gut, ich schätze das Angebot. Aber man wünscht jedem, dass er hier so schnell wie möglich wegkommt.» In der Schicksals­gemeinschaft von Dietikon existiert so etwas wie Zusammenhalt; die Spieler verbindet die Hoffnung auf bessere Zeiten – und auch die Gewissheit, dass die Lösung aller beruflicher Sorgen potenziell nur einen einzigen Anruf entfernt ist.

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