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Jürgen Mohr: «Zusammen mit Knup, Eriksen und Tuce beim FCL zu spielen, wäre ein Traum gewesen!»

Der FC Luzern feiert vor 30 Jahren den grössten Erfolg der Vereinsgeschichte. Spielmacher Jürgen Mohr erzielt gegen Servette das 1:0-Siegtor zur Meisterschaft. Der Deutsche erinnert sich noch sehr gut an die rauschende Meisternacht.
Daniel Wyrsch
Jürgen Mohr stemmt am 10. Juni 1989 nach dem 1:0-Heimsieg gegen Servette auf der Luzerner Allmend den Meisterpokal in die Höhe. (Bild: Keystone)

Jürgen Mohr stemmt am 10. Juni 1989 nach dem 1:0-Heimsieg gegen Servette auf der Luzerner Allmend den Meisterpokal in die Höhe. (Bild: Keystone)

Jürgen Mohr ist mittlerweile 60 Jahre alt. Seit drei Jahren kickt er nicht mehr in den Legenden-Teams von Wolfgang Overath und Stefan Kuntz oder Charly Körbel. «Wegen des Alters und des Gewichts» mache es keinen Sinn mehr gegen teils 35-Jährige um den Ball zu kämpfen. Doch Jürgen Mohr weiss noch ganz genau, was am 10. Juni 1989 in Luzern los war – und welchen Einfluss er auf das Spiel des FCL hatte. «Mir geht es genauso wie allen, die dabei waren. Das ist und bleibt eine einmalige Meisternacht. Unvergesslich. Fast ganz Luzern war im überfüllten Stadion, 28'000 Fans sorgten für eine grossartige Stimmung.» Als offizielle Zuschauerzahl wurden übrigens 24'000 angegeben.

Mohr war es vergönnt, gegen Servette das 1:0-Siegtor zu erzielen. In der 60. Minute überwand er Servette-Torhüter Peter Kobel mit einem Drehschuss mit dem linken Fuss nach einem Querpass des eingewechselten Urs Birrer. «In meinem letzten Heimspiel für Luzern gelang ausgerechnet mir dieser wichtiger Treffer, das war das Pünktchen aufs i.»

Magistraler Regisseur verteidigt Serie der 1:0-Siege

In seinem dritten Jahr in Luzern blühte der blonde Deutsche als herausragender Techniker so richtig auf. Der Spielmacher führte den FCL mit seiner magistralen Übersicht von Sieg zu Sieg. Zum ersten und bisher einzigen Schweizer Meistertitel der Klubgeschichte machten sich die Innerschweizer mit vier aufeinanderfolgenden 1:0-Vollerfolgen gegen Sion, GC, Xamax und wie erwähnt Servette. Doch Jürgen Mohr will nichts von Minimalsiegen wissen. Er ärgert sich, wenn gesagt wird, dass der FCL nur auf «hinten dichtmachen und vorne einmal treffen» gespielt hätte. «Nicht, dass wir gebunkert hätten. Jeder ist für den anderen gelaufen, wir sind in der Defensive sehr gut gestanden, hätten aber einige Spiele viel höher gewinnen müssen.»

Der 1,87 Meter grosse Mohr fiel vor allem mit seinen zentimetergenauen Steilpässen in die Schnittstellen und seinem Hüftwackler auf, mit dem er seine Gegner täuschte und anschliessend überwand. «Mit diesem Trick bin ich quasi geboren, schon in der D- und C-Jugend habe ich mich selber gefragt, warum die Gegenspieler immer wieder darauf reinfallen», erzählt er schmunzelnd.

Gegen Rummenigge und Favre gewonnen

In diesem entscheidenden vorletzten Finalrundenmatch gegen Servette ist nicht nur Mohr - neben Hakan Yakin der wohl beste Zehner der Luzerner Vereinshistorie - ein Matchwinner gewesen. Jürgen Mohr erinnert sich: «Stefan Marini hatte ein super Spiel gemacht, er hatte Karl-Heinz Rummenigge - wie zur damaligen Zeit oft praktiziert - in Manndeckung genommen.» Der heutige Vorstandvorsitzende des FC Bayern München sorgte in der 81. Minute mit einem Fallrückzieher an den Pfosten trotzdem für eine Schrecksekunde. Neben Rummenigge spielte bei Servette der aktuelle Dortmund-Coach Lucien Favre.

Auf Seiten des FCL ragte aus der Meistermannschaft Captain und Libero Roger Wehrli heraus. Mohr lobt «Jimbo», wie Wehrli gerufen wurde, in den höchsten Tönen: «Er war einer der besten Fussballer, mit denen ich überhaupt zusammengespielt habe, und weit mehr als nur ein Kämpfer, wie er oft dargestellt wird.» Im Sturm steuerte der Basler Peter Nadig neun Tore zum Championat bei. Neben den einheimischen Hanspeter Kaufmann, Hansi Burri, Herbert Baumann, Stefan Marini, Urs «Josy» Birrer und Goalie Roger Tschudin machten zudem Urs «Longo» Schönenberger, der Isländer Sigi Gretarsson und Martin Müller (1:0-Siegtorschütze gegen Ottmar Hitzfelds GC) das Kollektiv der Innerschweizer stark.

Streit und Versöhnung mit Meistertrainer Rausch

Noch in der Meisternacht gerieten in einem der Festzelte Jürgen Mohr und Trainer Friedel Rausch aneinander. Es ging um den Weggang von Mohr zu Sion, der FCL konnte seinen Regisseur nicht behalten. Gerüchteweise wurde die Lohnsumme von 2 Millionen Franken während dreier Jahre genannt. Gegen das Angebot von Sion-Boss André Luisier konnte Präsident Romano Simioni nicht mithalten. Jürgen Mohr sagt im Rückblick: «Ich wäre gerne beim FC Luzern geblieben. Mein Berater hatte hinter meinen Rücken mehr Geld von Simioni gefordert. Das stimmte gar nicht mit den Millionengehältern. Schade, das wäre zu lösen gewesen, wenn man mit mir direkt gesprochen hätte.»

Bei Sion und später Servette war Mohr in jeweils einer Saison kein Glück beschieden, Mohr plagten Verletzungen. «In der Luzerner Meistersaison hatte Peter Nadig, der ein ganz guter Techniker ist, aus der Not im Sturm gespielt. Nach meinem Weggang wurden Knup, Eriksen und Tuce verpflichtet. Wenn ich mir vorstelle, welch hervorragende Offensive wir zusammen gehabt hätten, das wäre ein Traum gewesen», denkt Jürgen Mohr mit Wehmut an die verpasste Gelegenheit zurück.

FCL-Meisterspieler von 1989 bei einem Treffen am 17. Mai 2014 in der Luzerner Altstadt. Von links: Jürgen Mohr, Hansi Burri und Roger Wehrli. (Bild: Corinne Glanzmann)

FCL-Meisterspieler von 1989 bei einem Treffen am 17. Mai 2014 in der Luzerner Altstadt. Von links: Jürgen Mohr, Hansi Burri und Roger Wehrli. (Bild: Corinne Glanzmann)

Jahre später hat er sich mit seinem Landsmann Friedel Rausch versöhnt. Über den am 18. November 2017 mit 77 Jahren in Kriens verstorbenen Meistertrainer sagt Jürgen Mohr: «Zweieinhalb Jahre hatten wir in Luzern ein super Verhältnis, die letzten Monate waren schwierig. Friedel habe ich trotzdem gern gehabt.» Rausch sei wie ein Vater für ihn gewesen, sagte Mohr vor 19 Monaten unter Tränen zu unserer Zeitung, nachdem er via Fernsehen von dessen Tod erfahren hatte.

Mohr führt heute ein ruhiges Leben auf dem Land

Nun freut sich Jürgen Mohr, zum 30-Jahr-Jubiläum des Meistertitels seine früheren Mitspieler wieder zu treffen. Er kommt mit seiner langjährigen Lebenspartnerin Martina, mit der er auf dem Land im Dorf Longkamp in der Nähe von Trier und Kaiserslautern im eigenen Haus lebt. Engeren Kontakt pflegt der ehemalige Weinhändler aus Luzerner Zeiten noch zu Roger Wehrli und Urs Birrer, aber auch zu seinem einstigen defensiven Gewissen im Mittelfeld, Hansi Burri. «Sagenhaft, was Hansi immer für tolle Anlässe organisiert!», stellt Mohr fest.

Offizielles Programm 30-Jahr-Meisterjubiläum des FCL

Freitag, 7. Juni, am Abend: Meistermannschaft und damalige Vorstandsmitglieder mit Anhang treffen sich zum Nachtessen.

Samstag, 8. Juni, ab 13.00 Uhr, Restaurant Seeland in Sempach bei Hansi Burri: Fest für alle damaligen und heutigen FCL-Fans mit der Meistermannschaft. Moderation Stefan «Büsché» Bucher, DJ Tschuppi.

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