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LUZERN: FCL-Präsident in 160-Millionen-Geheimdeal involviert

Die Spuren eines Geheimdeals von Putins Entourage führen bis nach Luzern. Und zwar direkt zum Präsidenten des FCL Philipp Studhalter. Dieser spricht von einer bei Unternehmensverkäufen üblichen Praxis.
Philipp Studhalter, Präsident des FCL, soll in einen Geheimdeal von Putins Entourage involviert sein. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Philipp Studhalter, Präsident des FCL, soll in einen Geheimdeal von Putins Entourage involviert sein. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Die Vorgeschichte: 2006 ereignete sich in Nizza ein Horrorcrash, bei welchem der russische Milliardär Suleiman Kerimow einen Ferrari Enzo zu Schrott fuhr. Die Polizei stellte nach dem Unfall das Nummernschild des Ferraris sicher: LU 93 621. Der Besitzer, so schrieben die Zeitungen damals, sei die Firma eines Luzerner Treuhänders.

Kerimow, der den Unfall verursachte, kommt prominent in den Panama-Papers vor. Daten zeigen, wie Kerimows Firmen im Jahr 2010 einen Geheimdeal durchführten. Dieser sorgte für eine Vermögensverschiebung von umgerechnet 160 Millionen Dollar direkt ins private Umfeld Putins. Dies berichtet die «SonntagsZeitung».

Spuren führen in die Schweiz

Den Grossteil dieses Betrages zahlte demnach eine Firma, die zu grossen Teilen dem russischen Volk gehört. Das Geld floss auf die Gazprombank Schweiz. Experten gehen nach Einsicht der Verträge davon aus, dass mit dem Geschäft ein massiver Geldfluss verschleiert wurde.

Die entscheidende Unterschrift zum Transfer gab ein Luzerner Anwalt, verwandt mit dem angeblichen Besitzer von Kerimows Unfallwagen. Namentlich ist dies Philipp Studhalter, Präsident des FC Luzern, wie die «SonntagsZeitung» weiter schreibt.

Kerimow und Studhalter kennen sich. Letzterer sitzt im Stiftungsrat der in Luzern ansässigen Suleiman Kerimow Foundation.

So gelangte das Geld in Putins Umfeld

Vor knapp neun Jahren, im Jahr 2007, verlieh Kerimow 160 Millionen Dollar an die wichtigsten Betreiber von Internet- und Kabel-Netzwerken in Russland, kurz NTK. Als drei Jahre später NTK das Geld zurück zahlen wollte, nahm diese Forderung einen wirren Weg.

Im September 2010 wurde das Recht, diesen Betrag einzutreiben, an eine Firma namens Sandalwood auf den Britischen Jungferninseln abgetreten. Den Preis, den die Briefkastenfirma dafür zahlte belief sich auf exakt einen Dollar. Die Unterschrift für den Transfer der Rechte stammt von Philipp Studhalter.

Der FCL-Präsident gesteht zwar: «Den besagten Vertrag hatte ich mittels Vollmacht unterzeichnet, damit die Transaktion vollzogen werden konnte.» Allerdings sei er in diese Transaktion weder anwaltlich noch sonst irgendwie involviert gewesen, so Studhalter.

Im fraglichen Vertrag sei es um einen Schuldenerlass im Zuge eines Firmenverkaufs gegangen, erklärt Philipp Studhalter in einer Stellungnahme. Das sei bei Private Equity Transaktionen üblich, wenn der Käufer die Schulden des Verkäufers nicht übernehmen wolle. In solchen Fällen werde der Schuldbetrag mit dem Kaufpreis gegengerechnet. «Dies ist weltweit übliche Praxis bei Unternehmensverkäufen und deshalb nichts Besonderes», schreibt Studhalter. Vor Leistung der Unterschrift habe er die Situation geprüft und sei nicht auf irgendwelche Ungereimtheiten gestossen. Es liege nichts vor, was darauf hindeute, dass rechtliche Probleme in dieser Sache bestehen würden: «Ich habe alle Sorgfaltspflichten wahrgenommen und würde unter den gleichen Bedingungen einen solchen Vertrag wieder unterzeichnen.»

Dank 1 Dollar das Recht, 160 Millionen einzuziehen

Das Problem ist gemäss «SonntagsZeitung» allerdings, dass die Firma Sandalwood, welche das Darlehen für einen Dollar erhielt, einem Privatmann gehört, der offensichtlich nichts mit einem Kauf oder Verkauf von NTK zu tun hat.

Der Name des Privatmanns: Oleg G. Er ist der Konto-Bevollmächtigte von Sergei Roldugin, dem engsten Familienfreund von Vladimir Putin. Bis heute gibt es laut der «SonntagsZeitung» keinerlei Hinweise, weshalb Oleg G. Milliarden-Kredite erhält – und mit welchem Geschäftsmodell er solche Beträge je zurückzahlen könnte. Der Basler Strafrechtsprofessor Mark Pieth beispielsweise sieht den Transaktionen Ähnlichkeiten zu bekannten russischen Geldwäscherei-Optionen.

Dieser Oleg G. hat nun also dank der Unterschrift von Philipp Studhalter für bloss einen Dollar das Recht erhalten, 160 Millionen bei der Firma NTK einzuziehen. Das nutzte er auch: Zunächst bezog er umgerechnet knapp 40 Millionen Dollar der Kreditsumme driekt von NTK ein, der Rest kam über Umwege vom neuen Besitzer des Netzwerk-Unternehmens. Die 160 Millionen Franken flossen gemäss Verträgen also, die so beim Bevollmächtigten von Putins Freund landeten, auf ein Konto bei der Gazprombank Zürich.

Studhalter betont ferner, er habe alle Sorgfaltspflichten als Unterzeichner des Transfers wahrgenommen. Er sagt zudem: «Ich verfüge über keine weitere Kenntnis über die Transaktion.» Experten sehen darin jedoch ein Problem. Mark Pieth erklärt: «Der Anwalt war in dieser Sache als Verwaltungsrat tätig und sollte den Sinn des Geschäftes vor der Unterschrift verstehen.» Selbst wenn Studhalter also nur eine temporäre Vollmacht besass, müsste er demnach vorher abklären, woher das Vermögen kam und zu welchem Zweck es an Oleg G. floss.

Die Verbindungen zwischen seiner Person und dem russischen Milliardär Suleyman Kerimov beschränken sich gemäss Studhalter darauf, dass er Mitglied des Stiftungsrates der Suleyman Kerimov Stiftung mit Sitz in Luzern sei. Zweck dieser Stiftung «ist die weltweite Wohltätigkeit und Gemeinnützigkeit und zwar namentlich durch Hilfeleistung zugunsten von in Not oder in Bedrängnis geratenen Menschen; Hilfeleistung an bedürftige sowie kranke Menschen, auch durch Ausbildung und Förderung von Jugendlichen; Förderung der Kunst und Kultur, der Forschung jeder Art und der Unterstützung von mittelständischen Unternehmungen jeder Art.»

chg/cv

Lesen Sie mehr in derZeitung vom Montag, 11. Juli 2016

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