Luzerner U21 setzt mit 3:0 gegen GC ein Ausrufezeichen

Seit dem Trainerwechsel läuft es der FCL U21 plötzlich wieder. Gegen den GC-Nachwuchs siegt er hochverdient mit 3:0. Interimstrainer und Nachwuchschef Genesio Colatrella ist selber überrascht.

Raphael Gutzwiller
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Sorgt fürs Luzerner Führungstor bereits in der 8. Minute: Eric Tia Chef (rechts). (Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 4. Mai 2019))

Sorgt fürs Luzerner Führungstor bereits in der 8. Minute: Eric Tia Chef (rechts). (Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 4. Mai 2019)) 

Dass die Luzerner U21 eigentlich in einer schwierigen Situation steckt, merkte man als Zuschauer in dieser Partie erst so richtig in der 86. Minute. Mit der x-ten hochkarätigen Chance konnte Lorik Emini das längst fällige 2:0 erzielen, der Jubel auf dem Platz und auf der Tribüne war überschwänglich. Im Duell gegen den GC-Nachwuchs machte jenes Tor nämlich alles klar, Lino Lang ergänzte wenig später noch auf 3:0.

Über die ganzen 90 Minuten hatte das älteste Luzerner Nachwuchsteam nie jenes Gesicht gezeigt, das es in dieser Saison überraschend in den Abstiegskampf in der 1. Liga schlittern liess. «Es war ein sehr reifer Auftritt», bilanzierte Genesio Colatrella nach seinem zweiten Sieg im zweiten Spiel als In­terimstrainer. «Ich bin selber überrascht, wie gut wir hier aufgetreten sind», fand er gar. Denn:

«In dieser Saison gab es immer wieder Hochs und Tiefs. Und irgendwie war die Nervosität und Konzentration in der Kabine vor dem Spiel weniger spürbar als zuletzt. Das war aber offenbar die Ruhe vor dem Sturm.»

Wenig Gedanken im Abstiegskampf

Eigentlich hat sich der FC Luzern zum Ziel gesetzt, in mittelfristiger Zukunft ein Team in der Promotion League stellen zu können. Plötzlich aber spielte sich die U21 statt ins Aufstiegsrennen in den Abstiegskampf. Spätestens als Luzern am Gründonnerstag beim Abstiegskonkurrenten Langenthal gleich mit 0:3 unterging, war man mittendrin. «Und ich hatte Angst, dass wir absteigen könnten», sagt Nachwuchschef Colatrella. Deshalb reagierte er und entliess Trainer Ivan Dal Santo. Bis Ende Saison übernahm er kurzerhand selber. «Ich wollte gegen Ende der Saison nicht alles durcheinanderwirbeln.» Üblicherweise wird ein anderer Nachwuchstrainer zum U21-Trainer befördert. An der Linie mache es Colatrella zudem grossen Spass. Dennoch werde er diese Aufgabe Ende Saison wieder abgeben. «Ich habe als Nachwuchschef schon genügend zu tun.» Es gäbe sowohl interne und externe Kandidaten, bald möchte man eine Entscheidung treffen. Ziel des FCL ist es, jemanden zu wählen, der die Ambition und das Potenzial mitbringt, dereinst Cheftrainer in der Super League zu werden.


Wäre Colatrella nicht schon Nachwuchschef, er wäre durchaus selber ein valabler Kandidat. Sein kurzer Leistungsausweis als Trainer der U21 spricht für sich. Zunächst siegte er auswärts in Zofingen mit 4:1, nun folgte der 3:0-Sieg gegen GC U21. Offenbar hat er es verstanden, den FCL-Talenten wieder Selbstvertrauen einzuimpfen. Colatrella sagt:

«Ich glaube, dass durch den Trainerwechsel eine Blockade im Kopf gelöst wurde.»

Er habe mehrere Gespräche geführt, wollte herausspüren, wie die Spieler mit dem steigenden Druck umgehen können. «Beim Umgang mit Drucksituationen sind bei U21-Spielern verglichen mit erfahrenen 1.-Liga-Spielern grosse Unterschiede auszumachen. Jedoch kann dies auch ein Vorteil sein. Junge Spieler machen sich oft weniger Gedanken und spielen befreiter.»


Und wie befreit die Luzerner aufspielen können, zeigten sie gegen die Hoppers eindrücklich. Bereits früh gingen sie dank einem Kopfballtor von Eric Tia Chef mit 1:0 in Führung. Hinten stand der FCL in der Folge ungemein sicher und kam selber immer wieder zu guten Abschlussmöglichkeiten. Diese liess man lange aber ungenutzt – teilweise kläglich. Gleich zweimal traf der FCL die Torumrandung, bis eben Emini mit dem 2:0 endlich für die Entscheidung sorgte. Und so stellte Colatrella fest: «Die Effizienz bleibt das Problem.»

Nach jenem Auftritt ist die Angst über die Ligazugehörigkeit der Luzerner U21 jedoch bereits wieder verflogen – auch wenn der Ligaerhalt noch nicht gesichert ist. Darum sagt Colatrella:

«Wir wissen, dass der Abstiegskampf bis am Schluss dauern wird.»

Dank den sechs Punkten aus den letzten zwei Spielen sieht die Welt des Luzerner Nachwuchses aber wieder deutlich besser aus.

Luzern U21 – Grasshoppers U21 3:0 (1:0)
Leichtathletik-Stadion. – 150 Zuschauer. – SR Dedukic. – Tore: 8. Tia Chef 1:0. 86. Emini 2:0. 92. Lang 3:0. – Luzern U21: Staubli; Karrer, Njau, Burch, Trinkler; Heric (89. Ajeti), Emini, Wolf; Riedmann (90. Fabian Rüedi), Males (83. Simic), Tia Chef (79. Lang). – Grasshoppers U21: Saipi; Dickenmann, Benbiri (52. Njie), Souare, Mijatovic; Müller, Tschopp; Mergim Bajrami; Fehr, Casciato, Aliu (68. Ostrowski). – Bemerkung: 37. Lattenschuss Heric. 49. Pfostenschuss Riedmann.

«Wir konzentrieren uns auf die Barrage» – FCL blendet Europa aus

Dem FC Luzern bietet sich die Möglichkeit, mit einem Sieg in Lugano die Weichen Richtung Europa League zu stellen. Ziel bleibe es aber, nichts mit der Barrage zu tun zu haben, sagt Trainer Thomas Häberli. Derweil stellt sich die Frage, ob Marvin Schulz den FCL-Vertrag verlängert.
Raphael Gutzwiller