Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kommentar

Mit biederem Durchschnitt holt der FC Luzern keinen «Chöbu»

Die unmissverständliche Botschaft nach dem bitteren Luzerner Cup-Aus im Halbfinal gegen den FC Thun ist klar. Für das Scheitern ist Trainer Thomas Häberli kein Vorwurf zu machen. Jetzt gilt es den Klassenerhalt zu sichern.
Daniel Wyrsch

Die grosse Chance auf die erste Teilnahme am Cupfinal seit sieben Jahren hat der FC Luzern vergeben. Im eigenen Stadion vor über 12'000 erwartungsfrohen und lautstarken Fussballfans hat er keine Mittel gefunden, um das Thuner Abwehrbollwerk zu knacken. Die bescheidenen, aber umso wirkungsvolleren Berner Oberländer lauerten auf ihre Gelegenheit – und nutzten diese dann eiskalt zum Siegtor.

Die Defizite beim FCL hat Thun in diesem wichtigsten Saisonspiel schonungslos aufgedeckt. Torhüter David Zibung wird mit seinen 35 Jahren weder jünger noch besser. Nicht erst seit Dienstag und dem kapitalen Fehler vor dem entscheidenden 0:1 durch Thuns Roy Gelmi weiss man, dass Zibung bei Flanken keine Bank ist. Fast in jedem Spiel muss dem Keeper der Fussball-Gott helfen, wenn er einen Flankenball nicht abfangen oder wegfausten kann. Gegen Thun war das Glück aufgebraucht, auch die Abseitsposition von Thuns Assistgeber Dejan Sorgic blieb ungeahndet – und so zählte das Tor nach dem Fauxpas des Luzerner Urgesteins.

Doch nicht nur David Zibung ist bloss ein durchschnittlicher Keeper, auch der Luzerner Angriff stellt höchstens Standard in der Super League dar. Wer aus der Vorschlussrunde in den Cupfinal einziehen will, der braucht mehr Kreativität, Cleverness und Durchschlagskraft, um mindestens zwei Tore gegen dieses kompakte und solidarische Thun zu erzielen.

Luzern fehlt also vor allem ein echter Rückhalt im Tor und ein Kreativspieler im Mittelfeld, der den entscheidenden letzten Pass spielen kann und ebenso selber mal für einen wichtigen Treffer gut ist.

Ein überragender Goalie auf dem Niveau von Heinz Lindner (28) würde im Unterhalt hohe Lohnkosten verursachen, andererseits würde der Schlussmann von GC mit auslaufendem Vertrag für einen deutlichen Mehrwert beim FCL sorgen. Der andere, etwas riskantere Plan könnte sein, statt auf einen Keeper der Klasse des österreichischen Nationaltorwarts auf junge Kräfte zu setzen. Simon Enzler (21), derzeit an den Challenge-League-Klub SC Kriens ausgeliehen, und Loïc Jacot (19) könnten in der neuen Saison um die Nummer 1 kämpfen. Zibung wäre im letzten Vertragsjahr dritter Goalie.

Einen Kreativspieler hat der FCL mit Valeriane «Vako» Gvilia immer noch unter Vertrag. Der georgische Internationale ist während der Rückrunde an den polnischen Erstligisten Górnik Zabrze ausgeliehen, in elf Spielen hat er ein Tor geschossen und zwei Assists gegeben. Bei René Weiler unerwünscht, sollte Gvilia beim FCL eine neue Chance bekommen. Erreicht er seine Form aus den Luzerner Anfangstagen, ist er eine Verstärkung.

Ausser der Verein entscheidet sich für eine neue Strategie und investiert in frische Kräfte. Eine solche 180-Grad-Wendung des FCL-Verwaltungsrats würde allerdings überraschen. Denn in den letzten Jahren war ein eindeutiger Wille zum Sparen zu erkennen – oder, wie es Präsident Philipp Studhalter regelmässig wiederholt: «Wir müssen das Budget einhalten!»

Dabei proklamiert der FC Luzern in seiner Vision für das 120-Jahr-Jubiläum anno 2021: «Wir wollen Titel gewinnen.» Unter den aktuellen Bedingungen wird das kaum möglich sein. Seit der letzten Teilnahme an einem Cupfinal vor sieben Jahren haben die Innerschweizer viermal den Halbfinal verloren (2014, 2016, 2017 und 2019). Das ist kein Zufall. Luzern kann zwar mal für einen grossen Sieg wie im Cup-Viertelfinal gegen YB (4:0) sorgen, stolpert dann aber regelmässig bei der zweitletzten Hürde auf dem Weg zum ersten Titel seit 1992 – wie jetzt gegen Thun.

Die unmissverständliche Botschaft nach dem bitteren Cup-Aus lautet: Mit einer biederen Durchschnittsmannschaft gewinnt man keinen «Chöbu». Macht der Klub so weiter, bleibt es beim Meisterpokal 1989 und den Cupsiegen 1960 und 1992. Dabei würde gerade der Cupwettbewerb die Möglichkeit bieten, sich trotz finanziell übermächtiger Konkurrenz von YB und Basel wie Sion und der FCZ hin und wieder einen Titel zu krallen.

Thomas Häberli ist für das Scheitern gegen Thun kein Vorwurf zu machen. Der Trainer hat das Team gut und realistisch auf den unbequemen Gegner eingestellt – und mit dem Einsatz von Francisco Rodriguez nach langer Pause mutig für eine Überraschung gesorgt. Dass Luzern zu oft die nötige Effizienz fehlt, ist ihm nicht anzulasten. Häberli soll den FCL nun im letzten Sechstel der Saison zum sicheren Klassenerhalt führen, dann hat er sich einen Vertrag für die nächste Saison verdient.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.