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Nach Platzsturm: FCL-Präsident Philipp Studhalter hat schon neue Sorgen

FCL-Präsident Philipp Studhalter versteht den Unmut der Fans über die Anspielzeit des Cup-Viertelfinals, verurteilt den Platzsturm vom Aschermittwoch gleichzeitig scharf. Mehr Kummer bereitet dem Präsidenten aber das Spiel vom Sonntag gegen St. Gallen.
Kilian Küttel

Um Punkt 13 Uhr streicht sich Philipp Studhalter die Anzughosen glatt und nimmt auf einem Sessel Platz. Vier Journalisten sind zum Medientermin an diesem Donnerstag erschienen, der auf die Minute genau beginnt.

Anders als der Cup-Viertelfinal vom Aschermittwoch: Kurz vor Anpfiff der Partie zwischen dem FC Luzern und den Berner Young Boys rennen gut 30 Luzerner Anhänger auf das Spielfeld der Swissporarena:

(Bild: Claudio de Capitani / Freshfocus, Luzern, 6. März 2019)

(Bild: Claudio de Capitani / Freshfocus, Luzern, 6. März 2019)

Sie spannen eine Kette um ein Tor und verschliessen sie mit einem Schloss.

(Bild: Urs Flüeler / Keystone, Luzern, 6. März 2019)

(Bild: Urs Flüeler / Keystone, Luzern, 6. März 2019)

Späterer Anstoss wegen der Champions-League

Mit dieser Aktion wollen die Ultras gegen die Anspielzeit demonstrieren. Weil am gleichen Abend die Champions-League-Achtelfinals ausgetragen wurden, erschallte der Anpfiff für das Spiel in Luzern schon um 18 Uhr. So will es die Uefa. Wegen der Aktion startete die Begegnung fünf Minuten verspätet.

«Wir verstehen das Unverständnis der Fans, auch wir befürworten diese Anspielzeit nicht. Aber eine Aktion wie diese können wir nicht tolerieren», sagte Philipp Studhalter, der sich aktuell öffentliche Kritik gefallen lassen muss. Denn die Art und Weise, wie die Stadion-Verantwortlichen auf den Platzsturm reagierten, löste bei manchen Unverständnis aus.

Der Vorwurf der Kapitulation wurde laut, man sei zu zögerlich gegen die Chaoten vorgegangen. Studhalter sah das anders:

«Wir haben genau richtig reagiert.»

Die Fanarbeit sei eingeschritten und habe das Gespräch mit den Ultras gesucht, danach den Sicherheitsdienst wie vorgesehen informiert. Die Ordner seien nicht härter gegen die Ultras vorgegangen, um nicht zu provozieren und die Situation eskalieren zu lassen: «Für die 30 Personen auf dem Spielfeld hätten 60 Sicherheitsleute anrücken müssen. So hätten wir riskiert, dass noch mehr Personen auf das Spielfeld stürmen», so Studhalter.

Weiter dementierte der Präsident die Gerüchte, wonach der FCL bereits im Vorfeld von der Aktion gewusst habe:

«Die Unzufriedenheit war uns bekannt. Wir wussten aber nicht, ob und was für eine Aktion die Fans planen.»

Und auf die Frage, wie die Kette für die Absperrung überhaupt in die Arena kommen konnte, entgegnete Studhalter: «Sicher nicht durch den normalen Eingang. Solche Gegenstände finden auf anderen Wegen ins Stadion, möglicherweise wurde sie bereits unter der Woche deponiert.»

St. Galler Fans wollen Gästesektor boykottieren

Während des Treffens zeigte sich Studhalter offen, gesprächsbereit und liess sich seine gute Laune nach dem 4:0-Sieg ansehen. Doch Cup ist Cup, am Sonntag geht der Ligabetrieb mit dem Heimspiel gegen den FC St. Gallen weiter.

Eine Affiche, die seit jeher Zündstoff birgt. Auch dieses Mal: Die St. Galler Fanorganisation «Dachverband 1879» hat angekündigt, die Fans würden das Spiel nicht im Fansektor verfolgen, stattdessen Posten im Sektor D1 daneben beziehen. Diese Ansage stösst dem FCL-Präsidenten sauer auf.

Dieses Infoblatt wurde beim letzten Heimspiel im Kybunpark in St. Gallen angebracht.

Dieses Infoblatt wurde beim letzten Heimspiel im Kybunpark in St. Gallen angebracht.

Studhalter befürchtet einen Imageschaden und rechnet mit verärgerten Luzerner Fans – nicht nur aus der Ultraszene. Zwar hätten die St. Galler Fans über Präsident Matthias Hüppi verlauten lassen, sie würden friedlich bleiben und keine anderen Zuschauer stören. «Aber wird nur ein Luzerner Fan von seinem Platz vertrieben, haben wir einen Totalschaden», so Studhalter.

Aktionen wie diese – oder der Platzsturm vom Aschermittwoch – würden den Fans, dem Verein und dem ganzen Schweizer Fussball schaden. Den Verantwortlichen bleibe aber nichts anderes übrig, als die Ansage aus St. Gallen zu verurteilen. Anders dagegen vorgehen könne man nicht:

«Jeder darf bei uns ein Ticket kaufen und ins Stadion kommen, so lange er nicht mit einem Stadionverbot belegt wurde.»

Vertrauen zwischen Fan-Gruppierungen und Vereinen sei das Fundament des sogenannten «Good Hosting»-Konzepts, einer Strategie der Swiss Football League mit dem Ziel, in den Stadien eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.

Polizei wertet Videoaufnahmen aus

Die Strategie appelliert einerseits an die Eigenverantwortung der Zuschauer, sieht andererseits möglichst wenig Repression vor. Eine Maxime, die der FCL-Präsident befürwortet, die es aber auch zu hinterfragen gelte:

«Dies ist in der Rückrunde der aktuellen Saison nun bereits der dritte Vorfall, an dem sich Gästefans in einem nicht für sie vorgesehenen Sektor aufhalten.»

In Thun und bei den Grasshoppers sei ähnliches vorgefallen. Studhalter fordert die Verantwortlichen der Ligen und Vereine auf, sich «klar und deutlich von solchen Aktionen zu distanzieren.» Bleiben drei offene Fragen.

  • Erstens: Welche Konsequenzen hat der Platzsturm für den FCL? Auf Anfrage unserer Zeitung sagt Marco von Ah, Mediensprecher des schweizerischen Fussballverbandes: «Stand jetzt gehen wir davon aus, dass es eine Geldbusse geben wird.» Diese dürfte im fünfstelligen Bereich liegen. «Ich gehe davon aus, dass die Disziplinarkommission erst nächste Woche entscheidet», erklärt von Ah.
  • Zweitens: Welche Konsequenzen hat der Platzsturm für die Chaoten? Laut Studhalter wertet die Luzerner Polizei die Videoaufnahmen aus dem Stadion aus und wird den Fall an die Luzerner Staatsanwaltschaft weiterleiten.
  • Drittens: Welche Konsequenzen hat der Boykott des Gästesektors für Luzerner Zuschauer, die Plätze im Sektor D1 haben? Gemäss Studhalter kann man diese am Spieltag gegen Billette für den Sektor C eintauschen. «Dafür werden wir ein Helpdesk vor dem Stadion aufstellen», so der FCL-Präsident.

Übrigens: Das Spiel startet um 16 Uhr – zur gewohnten Anspielzeit.

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