NEUSEELAND: Trotz Chaos ein Quäntchen Glück

Das schwere Erdbeben vom Sonntag auf Neuseelands Südinsel stellt die Einwohner einmal mehr hart auf die Probe. Im Badeort Hanmer Springs wappnen sich die Menschen für weitere Erdstösse.

Christiane Oelrich, dpa
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Kronfavorit Thorsten Fink (links) und René Weiler, die Alternative. (Bild: AP / Keystone)

Kronfavorit Thorsten Fink (links) und René Weiler, die Alternative. (Bild: AP / Keystone)

Felsen donnern an Touristen vorbei ins Tal, Container krachen in die Hafenmole: Das Erdbeben in Neuseeland war heftig. Und dennoch können die Menschen von Glück reden. Als der Neuseeländer John Dawber nach dem gewaltigen Erdbeben kurz nach Mitternacht in seinem Supermarkt in Hanmer Springs ankommt, ist das Chaos gross. Ketch­up-Flaschen, Senfgläser, Öl, Nudeln und vieles mehr sind aus den Regalen geschleudert worden. Er steigt über die Scherbenhaufen und räumt auf.

Ziemlich genau unter der Erdkruste von Hanmer Springs hat das massive Beben in der Nacht zum Montag begonnen, 7,5 bis 7,8 war die Stärke. Gestern gab es mehrere Nachbeben mit einer Stärke von bis zu 6,0. John Dawber wusste, was auf ihn zukommt: ein Ansturm der erdbebenerprobten Einwohner.

Innerhalb von Stunden sind seine Regale leer. Hamsterkäufe, die Menschen wappnen sich für den nächsten Erdstoss. Dutzende, teils heftige Nachbeben erschüttern die kleine Welt um Hanmer Springs. «Der Supermarkt ist wie das Herz der Gemeinde, wir mussten einfach öffnen», sagt er der «Daily Mail».

Über Hunderte Kilometer sind die Schäden gross. Zum Beispiel: Im Hafen von Christchurch stürzt ein Turm von aufgestapelten Containern um. In asphaltierten Strassen klaffen tiefe Risse. Trottoirs sind mit Splittern von zerbrochenen Schaufensterscheiben übersät. An einem Hang klafft eine Hunderte Meter hohe hässliche Wunde – das Erdreich ist abgerutscht. Aus einem Weinregal im Laden stürzen Flaschen auf den Boden, und der Rotwein breitet sich wie Blutlachen aus, wie das Video einer Überwachungskamera später zeigt.

Meterdicker Schlamm

Auf einer Küstenstrasse, über die am Sonntag noch Touristen mit Campingbussen gefahren sind, liegt jetzt meterdicker Schlamm, und Felsbrocken von der Grösse eines Einfamilienhauses versperren den Weg. Dort fuhr vor kurzem noch der Deutsche Steffen Schmitt mit seinem Campervan entlang. «Man erkannte die Strasse kaum wieder, die Erde war total angehoben», sagte er der Redaktion von «Fairfax Media». Schmitt strandet wie rund 1000 andere Touristen nahe des Touristenstädtchens Kaikoura. In der malerischen Landschaft zweieinhalb Autostunden nördlich von Christchurch wird gewandert, an der Küste getaucht und gefischt. Wale und Delfine kann man hier beobachten.

Am Montag geht es nur noch per Helikopter rein und raus. Die Zufahrtsstrasse ist völlig unter Geröll vergraben. Die Eisenbahnschienen entlang der Strasse sind grotesk verbogen. Die Luftwaffe holt die Touristen mit Kleinflugzeugen raus.

Margaret Edgar ist 100 Jahre alt. Sie wohnt seit mehr als 60 Jahren in ihrem grossen Anwesen Elms Homestead in der Nähe des Flughafens von Kaikoura. Die alten Mauern halten nicht stand. Sie wird gerettet, aber ein Mitbewohner kommt ums Leben. Ein zweites Todesopfer stirbt an einem Herzanfall, wie die Polizei berichtet.

Und trotzdem: Bei allem Schrecken sprechen die Menschen von Glück. Glück, dass die Tsunamiwellen keine merklichen Schäden verursachen. Glück, dass die Region nördlich von Christchurch, die besonders betroffen ist, so dünn besiedelt ist.Glück, dass das Beben in der Nacht passierte. 2011 traf es die Innenstadt von Christchurch, mitten am Tag, als Tausende Menschen im Geschäftsviertel bei der Arbeit waren. 185 Menschen kamen damals bei der Naturkatastrophe ums Leben.

Christiane Oelrich, DPA