«Ohne Zuschauereinnahmen geht es nicht»: Warum der FC Luzern finanzielle Unterstützung benötigt

Der FC Luzern verschiebt den Trainingsstart auf den 25. Mai. Geblieben sind die Finanzierungsprobleme des Vereins.

Daniel Wyrsch
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FCL Präsident Philipp Studhalter sorgt sich um den FC Luzern.

FCL Präsident Philipp Studhalter sorgt sich um den FC Luzern.

Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 17. April 2020 

Die FCL-Profis müssen sich noch einmal zwei Wochen gedulden, bevor sie erstmals seit Mitte März mit der Mannschaft trainieren können. Am Montag, 25. Mai, sollte der Betrieb in der Swissporarena wieder beginnen. «Dann haben Trainer Fabio Celestini und das Team vier Wochen Zeit für die Vorbereitung auf den möglichen Neustart der Meisterschaft», sagt Luzern-Präsident Philipp Studhalter.

Allerdings ist nach wie vor offen, ob die restlichen 13 Spieltage und drei Cup-Runden dieser Saison ausgetragen werden. Am 27. Mai muss zuerst der Bundesrat definitiv befinden, ob in der Schweiz wieder Fussball gespielt wird. Zwei Tage später, am 29. Mai, brauchen die Befürworter der Meisterschaft-Fortsetzung bei der Abstimmung der 20 Clubs aus der Swiss Football League (SFL) eine einfache Mehrheit. Erst nach dem Überwinden dieser beiden Hürden würde der Weg frei zum Saisonabschluss ab dem Wochenende 19./20./21. Juni.

Ungleichbehandlung des Sports?

Für FCL-Präsident Studhalter «ist die Kurzarbeit in den nächsten zwei Wochen ein zentrales Thema, ob wir spielen oder nicht». Weil das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Donnerstag entschied, die Kurzarbeit für Trainer und Spieler per Trainingsbeginn einzustellen, haben Vereine wie Luzern und Kriens (Challenge League) den auf Montag. 11. Mai, geplanten Auftakt der Übungseinheiten auf Ende Mai verschoben. «Dieser Entscheid des Seco hat uns im ungünstigsten Moment ereilt, solche Dinge vertragen wir gerade nicht», sagt Studhalter.

Der Dachverband Swiss Olympic bereitet gemäss Studhalter einen politischen Vorstoss gegen die Ungleichbehandlung des Sports vor. Dieser bekommt im Vergleich zu Künstlern (Proben) und dem Gastronomiebereich (Wiedereröffnungen) ab Trainingsbeginn keine Unterstützung mehr. Dennoch betont FCL-Präsident Studhalter einmal mehr: «Wir wollen keine Sonderbehandlung.» Er sagt, dass es für ihn bei einer Fortsetzung der Saison nicht nur um die Finanzen geht. «Gesellschafts- und gesundheitspolitisch muss es ebenfalls stimmen.»

Zur grundsätzlichen Rettung des Schweizer Profifussballs steht nun ein Stabilisierungsfonds von 250 Millionen Franken im Fokus der SFL. Dieser kann frühestens im Juni im Parlament behandelt werden. Zum Erhalt des Nachwuchs-Sports soll es à-fonds-perdu-Zahlungen geben.

Bei einem Verein wie dem FCL, der finanzstarken Besitzern gehört, wird natürlich immer der Ruf aus der Öffentlichkeit laut, dass Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg oder Milliardär Samih Sawiris ihr Portemonnaie öffnen müssten. Studhalter: «Selbstverständlich sind unsere Aktionäre über die Lage des Clubs informiert. Sie haben Signale gegeben, dass sie dem FCL gegenüber weiterhin solidarisch sind. Auch betreffend Stadionmiete stehen wir in Verhandlung.» Bekanntlich gehört die Swissporarena mehrheitlich Alpstaeg. Doch Studhalter stellt fest: «Wir brauchen zur Unterstützung die ganze Region. Die Aktionäre sind nur ein Teil davon.» Besonders schwierig sei die finanzielle Rettung, weil unter der Coronakrise auch viele Partnerfirmen leiden.

Auch nächste Saison droht ein Zuschauerverbot

Betreffend Saisonkarten kann Studhalter noch nicht viel sagen. «Wir möchten zumindest für die nächste Saison eine grössere Planungssicherheit haben. Aber natürlich haben wir Ideen im Kopf, wie wir vorgehen wollen, um für alle eine gute Lösung zu finden.» Momentan sieht die Situation gar nicht gut aus. Über den SFL-Clubs schwebt das Damokles-Schwert, dass Spiele mit Zuschauern während der gesamten Saison 2020/21 verboten sein könnten.

Den Profis, die auslaufende Verträge haben, kann der FCL gegenwärtig nur das Gespräch anbieten. Simon Grether, Shkelqim Demhasaj, Eric Tia Chef, Christian Schwegler und David Zibung sowie Udinese-Leihspieler Ryder Matos wissen immer noch nicht, wie ihre berufliche Zukunft über den 30. Juni hinaus aussieht. Transfers sind aktuell auf Eis gelegt.

Der Clubchef fordert: «Trotz allen Ungewissheiten müssen wir wieder zum Punkt kommen, wo wir agieren können – nicht nur reagieren.» Schliesslich geht es ums Überleben des FCL. Für Philipp Studhalter steht fest:

«Ohne Zuschauereinnahmen geht es nicht.»