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RASSISMUS-SKANDAL: Luzerner Fanmarsch: Warten auf die Videobilder

Die St. Galler Staatsanwaltschaft will zuerst die Videobilder des Luzerner Fanmarsches auswerten, bevor sie aktiv wird. Auf einem in verschiedenen Medien publizierten Foto war ein als Jude verkleideter Fan vor einer Gruppe vermummter Anhänger des FC Luzern zu sehen.
Geschmacklose Aktion der FCL-Fans wurde beispielsweise auf storyfilter.com publik gemacht. (Bild: Screenshot storyfilter.com)

Geschmacklose Aktion der FCL-Fans wurde beispielsweise auf storyfilter.com publik gemacht. (Bild: Screenshot storyfilter.com)

Thomas Hansjakob, Erster Staatsanwalt des Kantons St.Gallen, kennt bisher nur das am 15. Februar vor dem Match zwischen St. Gallen und Luzern aufgenommene Foto, das einen als Juden kostümierten Fan vor einer Gruppe von Anhängern des FC Luzern zeigt.

Auf dem Bild sei nicht zu sehen, ob die verkleidete Person von den Fans vor sich hergetrieben werde, erklärte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Auf den ersten Blick wirke sie eher wie ein Anführer.

Offenbar bezeichneten die Luzerner Fans die St. Galler Anhänger als Juden, hat Thomas Hansjakob in den letzten Tagen herausgefunden. «Aber was ist die Botschaft?», frage er sich. Wenn jemand als Jude bezeichnet werde, sei dies nicht ehrverletzend, stellte der Staatsanwalt fest.

Botschaft ist entscheidend

Entscheidend sei, ob die als Jude verkleidete Person vor den Fans hergetrieben worden sei, ob sie dabei erniedrigt wurde. Dann habe der Vorfall eine andere Qualität, betonte Thomas Hansjakob.

Aber auch dann gehe es um die Aussage: «Sollten damit die St. Galler oder die Juden lächerlich gemacht werden? Wurde ein Jude wie von den Nazis durch die Strasse getrieben und ist die Judenverfolgung verharmlost worden?» Bisher gebe es dazu keine Antworten.

Die Polizei werde nun die Videobilder auswerten. Diesen Schritt warte die Staatsanwaltschaft ab. Wegen der vier bis fünf eingesetzten Kameras handle es sich dabei um Aufnahmen von mehreren Stunden. Die Auswertung dauere rund drei Wochen. Man müsste die Beteiligten auch identifizieren können, so Thomas Hansjakob. Wie man aber auf dem Bild sehe, seien die FCL-Anhänger vermummt.

Fotograf verliert vorübergehend Akkreditierung

Der Fotograf, der das Bild geschossen hatte, hat beim letzten Heimspiel des FCL nicht als einer der zwei akkreditierten Luzerner Fanfotografen arbeiten dürfen. FCL-Sprecher Max Fischer bestätigte am Montag einen Bericht der «Neuen Luzerner Zeitung».

Fischer sagte, der Fotograf habe zwar am Sonntag ins Stadion des FCL gehen und dort auch fotografieren dürfen. Er habe aber keinen Zugang zum Platz und zum Medienbereich erhalten. Dem Fotografen sei zudem nur für ein Spiel die Akkreditierung entzogen worden.

Gemäss Fischer entschied sich der FCL zu dieser Massnahmen, weil er vor dem nächsten Einsatz des Fanfotografen mit diesem sprechen will. Der Club kritisiert, das Foto sei prominent platziert, aber in keinen Kontext gestellt worden. Bei einem nächsten Mal solle vor einer Veröffentlichung das Gespräch gesucht werden, forderte der FCL-Sprecher.

sda

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