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René Weiler: «Ich mache aus einem VW keinen Ferrari»

René Weiler sagt, warum er beim dritten Angebot des FC Luzern zusagte. Was ihm wichtiger ist als ein grosses Salär bei einem internationalen Spitzenklub – und warum er weiterhin daran festhält, ehrlich und direkt mit allen Beteiligten umzugehen.
Daniel Wyrsch

Zu Beginn der Vorstellung des neuen Trainers René Weiler stellte FCL-Sportkoordinator Remo Meyer klar: «Das Warten und die Geduld haben sich gelohnt: Wir dürfen unsere absolute Wunschlösung präsentieren.»

Bereits in der Winterpause, als Luzern einen Nachfolger für Markus Babbel suchte, hatte Meyer Kontakt mit Weiler. Diese Gespräche seien matchentscheidend gewesen, denn vom Austausch damals «ist bei mir sehr viel hängen geblieben. Und ich denke, bei ihm auch», so Meyer. «Es herrschte grosse Harmonie, wir hatten sehr viele gleiche Sichtweisen.» Doch sei zu diesem Zeitpunkt alles zu kurzfristig gewesen, um bereits eine Zusammenarbeit einzugehen. Nun hätten sie nach dem Wechsel von Gerardo Seoane zu YB vor wenigen Wochen die Gespräche wieder aufgenommen. Weiler hat Meyer erneut überzeugt. «Bei René Weiler steht nicht im Vordergrund, in welcher Liga und bei welchem Verein mit welchen finanziellen Möglichkeiten er tätig ist. Auch nicht seine Entschädigung», betont Meyer. Viel wichtiger seien ihm Dinge wie die Leute, mit denen er zusammenarbeitet, und der ehrliche Umgang miteinander im Team.

Der neue Trainer des FC Luzern René Weiler in der Swissporarena (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus (Luzern, Freitag, 22. Juni 2018))

Der neue Trainer des FC Luzern René Weiler in der Swissporarena (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus (Luzern, Freitag, 22. Juni 2018))

Dreijahresvertrag, weil sie voneinander überzeugt sind

Für den FCL-Sportchef ist Weiler ein Teamplayer. «Ich bin stolz, wir haben einen absoluten Fussballfachmann da, einen gradlinigen Typ, eine starke Persönlichkeit. René Weiler ordnet dem Erfolg alles unter.» Einen Dreijahresvertrag hat der Winterthurer bekommen, «weil wir absolut voneinander überzeugt sind. Wir wollten eine mittelfristige Zusammenarbeit, gemeinsam den Weg gehen und eine gewisse Zeit prägen.» Über eine mögliche Ausstiegsklausel für die Schweizer Spitzenklubs Basel oder YB sowie einen ausländischen Verein wollte sich Meyer nicht äussern. «Über Vertragsinhalte äussere ich mich nie.»

Thomas Binggeli wird Weilers Assistenztrainer, Michael Silberbauer wird wieder Videoanalyst und zweiter Co-Trainer. Michel Renggli übergibt die U21 an Ivan Dal Santo und geht zurück in die Position des Talentmanagers.

Genervt reagierte Meyer bei der Frage, ob er die gewichtigen Abgänge von Goalie Jonas Omlin (zu Basel) und Mittelfeldchef Hekuran Kryeziu (zum FCZ) trotz der obersten Maxime «Budget einhalten» ersetzen könne. «Ich bin froh, dass ich mich in den nächsten ein, zwei Wochen intensiv mit dem Coach unterhalten kann über die Kaderplanung der neuen Saison», meinte er nur. Saisonziel sei ein «Mittelfeldplatz vom Budget her, da stehen wir zwischen Rang 4 und 8». Ausreisser nach oben wie letzte Rückrunde seien – wenn alles passe – möglich.

Als gefragt wird, wie sich der FCL einen Trainer leisten könne, der zuletzt den belgischen Rekordmeister und Champions-League-Teilnehmer RSC Anderlecht trainiert hat und der bei Al-Shabab in Saudi-Arabien 1,5 Millionen Franken im Jahr hätte verdienen können, schaltete sich René Weiler in die Diskussion ein: «Jetzt muss ich selber reden.»

René Weiler wurde am Freitagmorgen vorgstellt (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 22. Juni 2018))

René Weiler wurde am Freitagmorgen vorgstellt (Bild: Urs Flüeler / Keystone (Luzern, 22. Juni 2018))

René Weiler, sagen Sie selber, wie kann sich Luzern einen teuren Trainer wie Sie leisten?

Sie und ich wissen, dass viel geschrieben wird. Leider entspricht nicht alles den Tatsachen. Wer ausser mir sollte schon die Zahlen kennen? Ich bin immer wieder überrascht, wie viele hellsehen können in diesem Business. Fakt ist, ich bin bei anderen Vereinen gewesen, und nun bin ich froh, dass ich hier bin. Ich freue mich auf den FC Luzern. Ist es finanziell kein grosser Rückschritt, nach Anderlecht einen mittleren Schweizer Klub zu coachen? Als Fussballtrainer muss man viele andere Dinge mitberücksichtigen. Wenn man nicht unabhängig ist, eine Familie hat, dann kommen ganz andere Faktoren dazu. Man muss das Gesamte anschauen. Ich habe viel Freude, dass man hier Spieler entwickelt und diese weiterbringt. Und Rangierungen, ob man nun Erster oder Fünfter ist, sind für einen Trainer nicht immer das alles Entscheidende. Für mich geht es auch darum, dass wir gut zusammenarbeiten, dass man gerne zur Arbeit kommt, damit wir etwas entwickeln können.

Bereits 2014 hatten Sie ein Angebot des damaligen FCL-Sportchefs Alex Frei, im letzten Winter wollte Sie Remo Meyer holen. Warum hat es jetzt beim dritten Mal mit Luzern geklappt?

Im Fussball passieren so viele Sachen, ich weiss gar nicht mehr, was gestern gewesen ist. In diesem Geschäft muss man nach vorne schauen – wesentlich ist es, sich darauf zu konzentrieren, was kommt. Die Gegenwart muss man analysieren und dann die Schlüsse daraus ziehen. Nach den Gesprächen mit Remo Meyer bin ich überzeugt, dass Luzern ein guter Ort ist, um zu arbeiten. Die Infrastruktur ist sehr gut, die Stadt ist schön, wir haben gute Fans. Zusammen können wir etwas bewegen.

Nach Belgiens Topklub und dem deutschen Traditionsverein Nürnberg kehren Sie in die Schweiz zurück. Sind Sie nicht überqualifiziert für Luzern?

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Bedeutung einem Trainer beigemessen wird. Ein Trainer ist sicher nicht ganz unwichtig. Aber entscheidend ist, dass ein ganzes Team gut miteinander arbeitet. Dann geht es auch noch um die Finanzen und die Power und Substanz einer Mannschaft. Wichtig ist auch das Umfeld mit Journalisten, Sponsoren und Fans. Ein Trainer allein macht einen mittelmässigen Spieler nicht zu einem Topmann. Ein Trainer kann einem Spieler helfen, sein ganzes Potenzial abzurufen. Doch ich mache aus einem VW keinen Ferrari.

Luzern ist ein Ausbildungsklub. Sind Sie ein Ausbildner?

Ich würde sagen, an meinen bisherigen Stationen habe ich sehr viele Junge massiv weiterbringen können. Man kann aber nicht jeden weiterbringen, das muss auch zwischenmenschlich passen. Mir macht es Spass, junge Leute zu begleiten.

Sie sind bekannt dafür, dass Sie «brutale Wahrheiten» aussprechen. Werden Sie auch in Luzern allen unverblümt Ihre Meinung sagen?

Ich hoffe, dass die Leute auch mir gegenüber so offen und ehrlich sind. Mir ist es wichtig, dass wir ehrlich miteinander umgehen. Stimmt etwas mit dem Bauchgefühl nicht, soll man das ansprechen. Selbst wenn die brutale Wahrheit weh tun kann, ist es die Basis, um erfolgreich miteinander zu arbeiten. Hinweis Testspiel in Buttisholz heute, 16.00: FC Luzern – FC Winterthur.

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