So findet der FCL zum Siegen zurück

Luzern bestreitet am Samstag (19.45) ein Schicksalsspiel: Zu Gast ist Servette. Wir baten frühere FCL-Exponenten um ihre Einschätzung.

Daniel Wyrsch
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Das wollen die FCL-Fans sehen: jubelnde Luzerner wie hier beim 1:0-Heimsieg am 21. Oktober 2012 gegen Basel. Oben Thiesson, unten Winter, Lezcano und Andrist (von links). (Bild: Philipp Schmidli)

Das wollen die FCL-Fans sehen: jubelnde Luzerner wie hier beim 1:0-Heimsieg am 21. Oktober 2012 gegen Basel. Oben Thiesson, unten Winter, Lezcano und Andrist (von links). (Bild: Philipp Schmidli)

Die Genfer sind Letzter mit fünf Punkten Rückstand auf den FCL. Mit einem Sieg würden sich die Luzerner von den grössten Abstiegssorgen befreien. Und das sagen frühere FCL-Exponenten:

«Es fehlt an Cleverness»

Paul Wolfisberg (Bild: Neue LZ)

Paul Wolfisberg (Bild: Neue LZ)

Paul Wolfisberg (79), Ex-Spieler und Ex-Coach
«Gedanken zum FCL mache ich mir natürlich, gerade wenn er sich in einer ungemütlichen Situation wie jetzt befindet. Es gibt nichts anderes als die Ruhe zu bewahren. Der Trainer soll mit den Spielern reden. Die Frage ist, wie gut er die Spieler erreicht. Am Ende liegt es an den Spielern, sie müssen den Einsatz bringen.
Früher jammerten welsche Gegner wie Servette schon drei Monate vor dem Match in Luzern, weil sie sich vor dem Gang auf die Allmend fürchteten. Das ist heute leider nicht mehr der Fall. Heute habe ich manchmal das Gefühl, dass einige das Programm einfach runterspulen, sie spielen Fussball ohne Köpfchen und Cleverness.
Ich hoffe, dass unsere Mannschaft nicht verliert, sondern das Glück erkämpft und Servette schlägt.»

«Druck liegt bei Servette»

Fabian Lustenberger (Bild: Maja Hitij)

Fabian Lustenberger (Bild: Maja Hitij)

Fabian Lustenberger (24), Ex-Spieler, Hertha Berlin
«Ich verfolge den FCL in Berlin aus den Medien, für eine fundierte Einschätzung bin ich zu weit weg, aber man kann die Ausgangslage vor dem Match gegen Servette mit unserer bei Hertha in der 2. Bundesliga an der Spitze vergleichen. Wir spielten vor zwei Wochen gegen Kaiserslautern, bei einer Niederlage wäre unser Vorsprung auf sieben Punkte geschrumpft, mit dem 1:0-Sieg konnten wir den Abstand auf 13 Zähler erhöhen. Ein solches Spiel darf man sicher nicht verlieren. Mit einem Remis würde für Luzern der Vorsprung auf Servette bei fünf Punkten bestehen bleiben. Der grosse Druck lastet also auf Servette, der FCL kann abwarten. Es ist kein Abstiegs-Entscheidungsmatch, denn es sind noch viele Runden zu spielen. Wichtig ist ein positives Resultat. Das Team ist gut genug für den Ligaerhalt.»

«FCL braucht die Fans»

Kudi Müller (Bild: Neue LZ)

Kudi Müller (Bild: Neue LZ)

Kudi Müller (64), Ex-Spieler und Ex-Trainer
«Es ist sicher keine einfache Situation, in der wir uns befinden. Aber man muss sehen, dass wir den Ligaerhalt aus eigener Kraft schaffen können. Wir sind nicht auf fremde Hilfe angewiesen. Der Trainer soll in Ruhe arbeiten können. Die ganze Mannschaft steht in der Verantwortung.
Ich hatte Luzern in einer ähnlichen Lage vor 16 Jahren übernommen, wir spielten in der Auf-/Abstiegsrunde. Ich teilte die Mannschaft für kurze Zeit in ein A- und ein B-Team auf. Mit den A-Spielern ging ich für ein paar Tage nach Magglingen ins Trainingslager. Nach einem Remis in Solothurn und einem Sieg bei Servette schafften wir die Wende. Drei, vier Spieler müssen jetzt ein Zeichen setzen und die Richtung vorgeben. Ich bin positiv gestimmt. Das Team braucht den Support der Fans.»

«FCL schafft Ligaerhalt»

Ruedi Willimann (Bild: Neue LZ)

Ruedi Willimann (Bild: Neue LZ)

Ruedi Willimann(67), Ex-Spieler, naher Beobachter
«Es tut mir weh, wenn ich sehe, wie die FCL-Spieler auf den Trainingsplatz hinken. Freudlos gehen sie der schönsten Beschäftigung im Leben nach. Die Schuld dafür wird dem Trainer gegeben, dabei müsste sich ein Profi selber motivieren können. Ryszard Komornicki muss mit einer Mannschaft arbeiten, die aus vielen Gruppen besteht. Es müsste so bald als möglich ein Sportdirektor her, der durchgreift und hinter dem Coach steht. Ich hoffe, dass man endlich den Mut aufbringt, einem Mann aus der Region die Chance zu geben. Ilja Kaenzig ist einer, der die hiesigen Verhältnisse kennt, integer ist, über Erfahrung und beste Kontakte verfügt. Ich glaube, der FCL schafft den Ligaerhalt. Künftig sollte man in Luzern kühler und realistischer sein und nicht mehr auf manipulierende Einflüsterer hören.»text

«Mentale Stärke gefragt»

Roland Widmer (Bild: Neue LZ)

Roland Widmer (Bild: Neue LZ)

Roli Widmer (47), Ex-Spieler, jetzt Privatcoach
«Sorgen um den FCL mache ich mir nicht. Der Verein steht vor grossen Herausforderungen, es müssen möglichst schnell wichtige Personalentscheide getroffen werden. Die Planung für nächste Saison müsste eigentlich schon stehen. Das Spiel gegen Servette ist sicher sehr wichtig. Man muss sich darauf fokussieren und – mit welchen Mitteln auch immer – drei Punkte einfahren. Die Spieler stehen in der Verantwortung. Ausreden sind tabu. Zuletzt war das Team fast immer nahe dran, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um den Schuss abzugeben. Dass in Luzern Unruhe herrscht, ist in dieser Situation normal. Aber im Vergleich zum Ausland ist das nichts. Als Profi muss man dem Druck gewachsen sein, mentale Stärke ist gefragt. Dafür könnte man bei uns sicher mehr tun.»

Ist Ralf Loose der neue Favorit?

Investor Marco Sieber (53) könnte bei der Wahl des FCL-Sportdirektors eine bedeutende Rolle spielen. Der erfolgreiche Unternehmer favorisiert einen Deutschen. Es soll sich um Ralf Loose (50) handeln. Für Loose würde sprechen, dass er als Trainer der Liechtensteiner Nationalmannschaft (1998–2003) vor allem Akzente bei der Talentförderung setzte. Das ist auch in Luzern eine wichtige Anforderung. Selbst Günter Netzer meinte einst: «Loose leistete in der Jugend sehr gute Arbeit und ist charakterlich einwandfrei.» Zuletzt wurde Loose als Trainer bei Dynamo Dresden entlassen. Bekannte FCL-Sportdirektor-Kandidaten sind auch Ilja Kaenzig und Mathias Walther.