FCL-Trainer Celestini stellt klar: «St. Gallen ist nicht das beste Team der Liga»

Hochspannung vor dem Sonntagnachmittag: Der FC Luzern empfängt morgen Sonntag (16.00) den Super-League-Leader FC St. Gallen.

Turi Bucher
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FCL-Trainer Celestini: «Ich bin nur der Fabio ...»

FCL-Trainer Celestini: «Ich bin nur der Fabio ...»

Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. Februar 2020)

Es ist das absolute Topspiel der 22. Super-League-Runde: Luzern gegen St. Gallen. Wie bitte? Topspiel? Die beiden sind in der Tabelle durch 17 (!) Punkte getrennt. Und dennoch: Diese zwei Clubs stellen die Teams der Rückrunde, die Mannschaften der Stunde. Denn beide, der FCL und die Ostschweizer, haben als einzige in der Super League alle drei Spiele der Rückrunde gewinnen können. St. Gallen katapultierte sich so auf die Leaderposition, Luzern aus der Abstiegszone.

YB ist für Celestini die Nummer 1 der Schweiz

Die ganze Fussballschweiz redet in diesen Tagen einerseits von der beeindruckenden Wende, die der neue Trainer Fabio Celestini in Luzern herbeigezaubert hat und andererseits vom begeisternden Vorwärtsfussball der St. Galler. Und dann sagt Celestini ausgerechnet vor dem Zweikampf der beiden: «St. Gallen ist für mich nicht die beste Mannschaft der Super League. Gut, St. Gallen steht auf dem ersten Rang. Aber für mich haben die Young Boys das beste Team.»

Celestini beginnt in der Folge aber doch vom morgigen FCL-Gegner zu schwärmen: «Die St. Galler Mentalität ist fantastisch. Sie glauben an das, was sie machen, und zwar zu 150 Prozent.» Celestini zieht als Beispiel den knappen 1:0-Sieg der St. Galler zuletzt gegen Servette heran. «Die Genfer hatten viele Torchancen. Aber das war den St. Gallern egal», die Equipe seines Trainerkollegen Peter Zeidler habe weiter an seine eigenen Stärken geglaubt. Es gelte also, so Celestini weiter, «am Sonntag Aufmerksamkeit, Konzentration und Ehrgeiz auf den Platz zu bringen. Wir müssen Vollgas geben, um das Tempo des Gegners mitgehen zu können.» Denn: «Fussball ist Duell!», so der LLL-Trainer (Lausanne, Lugano, Luzern), «es braucht die richtige Mentalität, egal, in welchem Stadion man spielt, egal, wie der Gegner heisst.»

Celestini glaubt nicht an Glück und Pech

Die Mentalität, die erwähnt man beim FC Luzern nach den Siegen gegen den FC Zürich, gegen die Young Boys und gegen Neuchâtel Xamax natürlich gern, und Celestini betont einmal mehr, dass er kein Zauberer sei, dass diese neun Punkte nicht allein seinetwegen zu FCL-Buche stehen. «Ich bin nur Fabio. Ich weiss nicht, was in einem Monat sein wird, ich weiss nicht, was im Spiel gegen St. Gallen alles passieren kann.» Aber Celestinis fussballerisches Credo lautet: «Es gibt im Fussball kein Glück und kein Pech. Gut, du kannst in einem einzigen Spiel einmal Pech haben – aber über mehrere Spiele? Das sind nur Ausreden, und das gefällt mir nicht. Nein! Hier rede ich viel lieber von Vertrauen, Mut, Arbeit, Mentalität eben.» All das befinde sich beim FC Luzern nun unter seiner Leitung im Aufbau.

Mit dabei in diesem Prozess des (Wieder-)Aufbaus ist der nach seiner Verletzung im Knie genesene, von Celestini zum neuen Captain ernannte Christian Schwegler. Im Auswärtsspiel gegen die Neuenburger von Xamax wurde er für einen Teileinsatz eingewechselt, womöglich steht er morgen Nachmittag gegen Spitzenreiter St. Gallen in der Startformation.

Was den Captain am neuen Trainer beeindruckt

Schwegler sagt über den neuen FCL-Trainer: «Er hat uns bei seinem Start einfache Werkzeuge in die Hand gedrückt, mit einer klaren Idee, die wir allerdings noch nicht zu hundert Prozent umgesetzt haben.» Schwegler ist vor allem beeindruckt, «wie Celestini vor einem Spiel jeweils den Gegner analysiert und die Vorteile, die auf unserer Seite sind, herausfiltert. Die ganze Trainingsplanung richtet sich auf den kommenden Gegner hin.»

Womit wir wieder beim FC St. Gallen wären. Das rasante Umschaltspiel mache die Zeidler-Mannschaft brandgefährlich, so Schwegler, «aber das extreme Pressing der St. Galler schafft auch Plätze und Freiräume für uns. Da, in diesen Momenten, müssen wir gedankenschnell handeln.»

Nigerianer Eleke 5-facher Torschütze

Blessing trifft im Training

Kommt das noch gut zwischen Stürmer Blessing Eleke und dem FC Luzern? Diese dauernden Vermutungen und auch Anzeichen der Unlust beim 23-Jährigen aus der nigerianischen 900 000-Einwohnerstadt Aba dienen weder dem FCL noch dem 13-fachen Liga-Torschützen der vergangenen Saison. Aktuell zeigt sich der FC Lugano am 1,90-m-Mann interessiert. Wer Eleke am Freitagmittag auf dem Rasen vis-à-vis des Luzerners Leichtathletikstadions beim Torschusstraining zusah, erlebte allerdings eine hoch motivierte, Positivität ausstrahlende und vor allem treffsichere Nummer 10 des FCL: Eleke schoss von der Strafraumgrenze aus fünfmal aufs Tor, der Nachwuchskeeper des FCL war fünfmal chancenlos. Falls Eleke morgen gegen St. Gallen also Einsatzzeit erhält: Bitte mehr davon. (tbu)