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Blessing Eleke: Stürmer in Gottes Namen

Blessing Eleke ist seit August Mittelstürmer des FC Luzern. Der 22-jährige Nigerianer träumt davon, bald für sein Nationalteam und in einer Top-Liga aufzulaufen. Sein grösstes Ziel ist aber ein anderes: Gott und die Familie stolz machen.
Raphael Gutzwiller
Der neue FCL-Stürmer Blessing Eleke auf dem Messegelände auf der Luzerner Allmend. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 11. September 2018))

Der neue FCL-Stürmer Blessing Eleke auf dem Messegelände auf der Luzerner Allmend. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 11. September 2018))

Wenn Blessing Eleke spricht, hat es etwas Ernsthaftes an sich. Der Blick ist stechend, die Aussagen sind selbstbewusst. Er sagt Sätze wie: «Ich arbeite hart, um das Maximum zu erreichen.» Auch wenn er während des Gesprächs mehrmals kurz lächelt, verliert sein Gesicht die Ernsthaftigkeit nicht. So wie der Mittelstürmer auf dem Platz auftritt, wirkt er auch daneben. Einer der kämpft, der überzeugt davon ist, etwas zu bewirken.

Eleke gilt als diesjähriger Toptransfer des FC Luzern. Der 22-jährige Nigerianer stiess im Sommer vom israelischen FC Ashodod zum FCL, die Ablösesumme beläuft sich angeblich auf rund eine Million Schweizer Franken. Auch deshalb sind die Erwartungen an den Stürmer hoch. «Mit diesen Erwartungen muss ich umgehen können», sagt er dazu. «Ich versuche alles, um die Pläne Gottes zu erfüllen.»

Gott. Im Gespräch kommt Eleke immer wieder auf Ihn zu sprechen, fast alles in seinem Leben ist mit dem christlichen Glauben begründet. So sagt er etwa, dass er es als seine Berufung sehe, als Fussballprofi erfolgreich zu sein und somit seiner Familie helfen zu können.

In Lagos mit drei Brüdern und vier Schwestern aufgewachsen

Eleke stammt aus einfachen Verhältnissen. Aufgewachsen ist er in Lagos in einer Grossfamilie, er hat drei Brüder und vier Schwestern. «Es war nicht einfach», erklärt Eleke, der selber sagt, er habe das Glück gehabt, zur Schule gehen zu können. Auch heute in Europa sind seine Gedanken häufig in Nigeria. Und einen möglichst grossen Teil seines Lohns schickt er in seine Heimat. «In Nigeria haben die Menschen nicht viel. Natürlich versuche ich, da meiner Familie und meinen Freunden zu helfen.»

Ausgebildet wird er bei der Flying Sports Academy. Doch wie üblich bei nigerianischen Sportler sucht er bereits früh das Ausland. Nur dort kann man mit Fussball dringend benötigtes Geld verdienen. Bereits als 17-Jähriger verlässt er 2014 sein Heimatland in Richtung Italien. Eleke landet in Sassuolo, spielt beim Serie-A-Klub vor. Es will aber noch nicht klappen. «Die Umstellung von Nigeria zu Europa ist sehr gross. Das hat mir am Anfang grosse Mühe bereitet», sagt er. Mit 18 kommt er in der slowenischen ersten Liga bei ND Gorica unter. Auch dort braucht er zuerst eine gewisse Eingewöhnungszeit, nach drei Monaten kommt er aber regelmässig zum Spielen. Der Mittelstürmer erkämpft sich einen Stammplatz. In 40 Spielen für Gorica erzielt er 15 Tore, wechselt daraufhin zum Hauptstadtklub Olimpija Ljubljana, wo er nur wenig später den Meistertitel feiern kann.

Eleke setzte sich für seinen Ex-Trainer ein

Dann kommt es zu einer Episode mit Eleke, die auch ausserhalb Sloweniens für Schlagzeilen sorgt. Im April 2016 verliert Olimpija-Trainer Marko Nikolic seinen Job wegen Rassismusvorwürfen, weil er Eleke nach einem Spiel als «schwarzen Idioten» bezeichnet hatte. Vorausgegangen war eine Szene, bei der Eleke ausgelassen über seinen Ausgleichstreffer gejubelt hatte, statt den Ball zu nehmen und möglichst schnell das Siegtor zu suchen. In der Folge machte sich Eleke selber beim Vereinspräsidenten dafür stark, dass der Trainer bleiben solle. «Marko war einfach wütend. Ich glaube nicht, dass er Rassist ist», sagte Eleke der BBC. «Ich bin sehr traurig. Marko ist ein Familienmensch, der wegen mir den Job verloren hat. Leider kann ich nicht mehr machen, als dem Präsidenten zu sagen, er solle ihn nicht entlassen.»

Es ist eine Episode, die zeigt: Eleke glaubt an das Gute im Menschen. Er will sich nicht über schwierige Situationen beklagen. Zwar gibt er im Gespräch zu, dass es nicht einfach sei, jetzt schon wieder in einem neuen Land zu sein. In einem Land, deren Sprachen er nicht spricht. In einem Land, in dem die Mentalität so anders ist, als er sie es von Afrika kennt. Doch statt sich zu beklagen, sagt er lieber, dass er den Plan Gottes akzeptiere und dass er alles dafür gebe, die Erwartungen zu erfüllen. Zudem versuche er, nett zu seinen Mitmenschen zu sein. Nach den Spielen schaut er im Familiensektor vorbei, um sich bei den kleinen Fans zu bedanken. «Ich bin dankbar und will das zeigen. Ich weiss, woher ich komme.» Als ein Fan während des Fototermins mit unserer Zeitung «Blessing, Blessing» ruft, antwortet dieser: «Thank you very much for supporting me!» Vielen Dank für die Unterstützung.

Nach seiner Zeit in Slowenien wechselt er nach Israel zum FC Ashdod. Dort spielt er fast immer, trifft regelmässig. Nun kam im Sommer der Lockruf des FCL, dem er folgte. «Ich bin stolz hier zu spielen», sagt Eleke, der natürlich auch die Wechsel als Plan Gottes betrachtet. «Ich glaube daran, dass Gott will, dass ich immer Schritt für Schritt nehmen.»

«Hier in Luzern kann ich viel dazulernen»

Eleke ist nun also in Luzern angekommen. In Emmenbrücke hat er eine Wohnung bezogen, er fühlt sich dort wohl. «Alles ist super», sagt er. Auch im Team habe er sich gut integriert. «Meine Mitspieler sind super. Sie sind freundlich und helfen mir.» Das mit der Sprache sei schwierig. «Aber ich versuche, immer mehr zu verstehen», sagt Eleke in Englisch mit afrikanischem Akzent. Im Team versteht er sich besonders gut mit dem Brasilianer Lucas Alves und Topskorer Pascal Schürpf. «Pasci ist einfach ein witziger Kerl», sagt er und lacht. Ab und zu unternehme er etwas mit den Teamkollegen. Doch: «Alle haben hier schon ein Umfeld, das ist schwierig, weil ich sonst noch niemanden kenne.»

Ansonsten gefalle ihm Luzern sehr gut. Von den Ländern, die er kenne, sei die Schweiz am ehesten mit Slowenien vergleichbar. «Hier funktioniert alles. Es ist alles nochmals auf viel höherem Niveau, als ich es mir gewohnt bin.» Auch der Fussball? «Ja, die Qualität im Training und in der Liga ist sehr hoch», bilanziert Eleke. «Ich glaube, hier kann ich viel dazulernen.» Insbesondere für den Trainer René Weiler hat er lobende Worte. Er erzählt die Episode vor seinem ersten Auftritt für den FC Luzern. Bei der Einwechslung gegen Lugano hatte Weiler Eleke gefragt: «Schiesst du ein Tor?» Eleke antwortete: «Ja.» Wenige Minuten später zappelte der Ball im Netz, Eleke hatte sich mit einem Sololauf durchgesetzt. Später meinte Weiler, dass Eleke noch nicht ins Luzerner Spiel eingebunden gewesen sei. Das habe sich in der Zwischenzeit geändert, meint Eleke selber. «Ich denke, wenn man täglich miteinander trainiert, kommen die Automatismen. Das Zusammenspiel funktioniert gut.» In insgesamt sieben Auftritten mit dem FCL hat Eleke vier Tore erzielt, zwei in der Meisterschaft, zwei im Cup.

Das Nationalteam ist Elekes Traum

Doch wegen Länderspielen hatte die Schweizer Meisterschaft zuletzt pausiert. Eleke blieb in Luzern, trainierte mit dem Team. Bisher gehört er nicht zum Kreis der nigerianischen Nationalmannschaft. Aber er verrät: «Ich wurde bereits vom Nationaltrainer kontaktiert. Es besteht die Möglichkeit, dass ich für die nächsten Länderspiele aufgeboten werde», sagt Eleke. «Für das Nationalteam zu spielen wäre ein Traum. Doch die Konkurrenz ist gross.» Das nächste Spiel der «Super Eagles» findet im Rahmen der Qualifikation für den Afrika Cup am 10. Oktober gegen Libyen statt. Bereits einmal hatte Eleke ein Aufgebot eines nigerianischen Nationalteams erhalten. Während seiner Zeit in Slowenien wurde er für die U23 aufgeboten. Da es sich nur um ein Testspiel handelte, liess ihn sein Verein nicht gehen. «Das war schade. Ich hoffe, dass ich wieder die Chance erhalte, für Nigeria zu spielen.» Dies würde alle stolz machen: Eleke, seine Familie, seine Freunde, seine Stadt. Dabei ist er in Lagos, wo er aufgewachsen ist, längst bekannt. Er hat es geschafft, lebt in Europa, verdient sein Geld mit dem Fussball. Wenn er in den Ferien in Nigeria ist, rennen ihm Kinder nach. «Das ist süss, aber auch manchmal anstrengend.»

Auch beim FCL will Blessing Eleke seine Spuren hinterlassen, vor allem mit Toren. Irgendwann aber will er die Innerschweiz verlassen, am Besten in Richtung Spanien. Sein Ziel sei es, irgendwann bei einem spanischen Spitzenklub zu spielen. «Aber ich nehme Schritt für Schritt. Man muss geduldig bleiben.»

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