TRAINERENTLASSUNG: Stierli: «Sforza hat Grösse gezeigt»

Turbulentes Wochenende für den FCL: Das Team verlor in Aarau, ist klar Letzter - und der Verein entliess Trainer Ciriaco Sforza. Danach redete Präsident Walter Stierli.

Drucken
Teilen
FCL-Präsident Walter Stierli. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

FCL-Präsident Walter Stierli. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Walter Stierli, wie schwer ist Ihnen nach dem 0:1 in Aarau die Trennung von Ciriaco Sforza gefallen
Walter Stierli: Es war für uns nicht einfach, zu diesem Entscheid zu kommen. Ciriaco Sforza war mehr als zwei Jahre bei uns, wir erlebten gute und schlechte Momente. Deshalb ist dieser Moment auch menschlich schwierig. Aber wir treten an Ort. Fortschritte waren keine erkennbar.

Sie haben an der Medienorientierung gesagt, dass Sforza nun selber seinen Abgang angeboten hat ?Stierli: ? ja ?

? hätte der FCL sonst nicht gehandelt?
Stierli: Es hätte am Sonntag so oder so eine Sitzung stattgefunden. Denn nach dem 0:1 in Aarau kam noch der Überraschungssieg von Bellinzona in Sion hinzu. Und wenn man in der Tabelle einen zu grossen Rückstand hat, wird das für die Spieler ebenfalls zum Kopfproblem. Wir mussten handeln.

Kann man im Fall FCL und Sforza von einer Trennung mit Stil sprechen?
Stierli: Auf jeden Fall. Und das zeugt davon, dass wir korrekt miteinander umgegangen sind und uns immer respektiert haben. Deshalb hat Ciriaco Sforza ein grosses Kompliment verdient, er hat Grösse gezeigt. Andere Trainer wehren sich in einer solchen Situation und schlagen um sich. Sforza weiss, dass der Trainer das schwächste Glied ist. Das soll nicht heissen, dass er ein schlechter Trainer ist. Er ist in dieser Situation einfach nicht mehr weitergekommen.

Seit wann genau hat sich diese Trennung rückblickend abgezeichnet?
Stierli: Zweifellos seit dem ersten Spiel gegen Vaduz. Diese Niederlage ist der Mannschaft wahnsinnig eingefahren. Und zwar deshalb, weil die Spieler vor dem Saisonstart so selbstsicher waren und von der Boulevardzeitung hochgejubelt wurden. Zudem war das Vorbereitungsprogramm nicht ideal. Wir haben uns blenden lassen von der Einladung zum Uhrencup. Gegen Liverpool zu spielen, das ist eine Ehre. Doch durch diese Partien und das harte Training war das Team zu Saisonbeginn irgendwie platt.

Ist das Problem inzwischen eher auf der mentalen Ebene zu suchen?
Stierli: Der Hauptgrund ist sicher die Blockade bei den Spielern. Es ist bis jetzt nicht gelungen, diese zu lösen. Und darum hat uns Sforza gesagt, dass wir eine Trennung sofort vornehmen sollen, wenn wir eine solche ins Auge fassen.

Bei YB war das Erstaunen gross, als der Trainer nach nur drei Spielen entlassen wurde. Der FCL hat nun nach fünf Spielen auch eher früh reagiert.
Stierli: Unser Problem ist, dass die anderen Mannschaften punkten. Wenn Bellinzona oder Vaduz weniger gut vom Fleck kommen würden, wäre die Situation für uns weniger drastisch gewesen.

Gab es Druck von der Sponsorenseite?
Stierli: Nein, überhaupt nicht. Wir hatten diesbezüglich immer Ruhe.

Hat der FCL falsch eingekauft?
Stierli: Generell herrschte ja die Stimmung, dass die Transfers nicht so schlecht waren. Das Kernproblem war sicher, dass Mauro Lustrinelli unter allen Umständen weg wollte. So hatten wir plötzlich nur noch einen richtigen Stürmer und damit ein Manko, weil die anderen Spieler im Offensivbereich bekanntlich nicht so abschlussstark sind.

Wie weit nimmt die Klubleitung jetzt die Spieler in die Verantwortung?
Stierli: Wir haben der Mannschaft klar kommuniziert, dass ihr Bonus aufgebraucht ist. Ciriaco Sforza war bei diesem Gespräch am Sonntagmorgen dabei. Die Spieler waren konsterniert, als wir sie über unsere Entscheidung orientiert haben. Deshalb werden sie sich hoffentlich auch Gedanken machen und sich sagen, dass es auch an ihnen liegt, dass es nicht läuft.

Sind die Spieler selbstkritisch genug?
Stierli: Ich glaube nicht, dass die Spieler nicht willig sind. Sie sind einfach blockiert. Und deshalb ist ein neuer Trainer vielleicht die Lösung dieses Problems. Es kommt ein neuer Wind ins Team, es herrscht dadurch auch wieder eine neue Chancengleichheit.

Welcher Trainertyp kann den FCL aus der Krise führen?
Stierli: Das Anforderungsprofil für den neuen Mann wird nun erst erstellt. Wir benötigen eine Persönlichkeit, einen unverbrauchten Motivator, der aber auch finanzierbar sein muss.

Wird der neue Mann schon gegen YB auf der Bank sitzen?
Stierli: Wir können den neuen Trainer ja nicht an einem Tag aus dem Ärmel schütteln, weil wir zuvor wirklich niemanden kontaktiert haben. Und wir wollen keinen Schnellschuss produzieren, sondern uns dies gut überlegen.

Trotzdem, das YB-Spiel ist kapital.
Stierli: Natürlich. Gefordert ist primär die Mannschaft. Das haben wir den Spielern klargemacht.

Sind Sie überzeugt, dass sich der FCL in der Super League halten kann?
Stierli: Es sind noch immer 31 Partien zu spielen. Wir haben das Potenzial und die Substanz, um die nötigen 35 bis 36 Punkte zu holen. Vielleicht ist gegen YB auch Tchouga wieder dabei. Möglich ist, dass er jetzt die Verantwortung spürt, dem Team helfen zu müssen.

Interview Alex Trunz und Peter Birrer

Wenn auch Sie Ihre Meinung zur Entlassung Sforzas äussern möchten, dann machen Sie mit und sprechen Sie auf die Vox-Box von Zisch. (Link «Ihre Meinung – direkt und unkompliziert»