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Unvergessliche FCL-Titelfeier vor 30 Jahren – einmalige Luzerner Meister-Euphorie

Am Montag jährt sich der Tag zum 30. Mal, als der FC Luzern Schweizer Meister wurde. In Erinnerung geblieben ist Hansi Burris Sprint mit dem Pokal quer über das Spielfeld. Und Roger Wehrlis gewagte Prophezeiung.
Daniel Wyrsch

Der FC Luzern hat am 10. Juni 1989 im vorletzten Match der Finalrunde mit einem 1:0-Heimsieg über Servette Genf die Meisterschaft zu seinen Gunsten entschieden. Spielmacher Jürgen Mohr gelang das goldene Tor zur Glückseligkeit.

Die Mannschaft, Trainer Friedel Rausch, Präsident Romano Simioni und die offiziell 24'000 Zuschauer im überfüllten Allmendstadion feierten überschwänglich den ersten Schweizer Meistertitel in der damals 88-jährigen Vereinsgeschichte. Der Matchbericht im Fernsehen:

Noch nie hatte der goldene Meisterpokal, der inzwischen im Besitz des FC Basel ist, den Weg in die Innerschweiz genommen. Die Euphorie war trotz des strömenden Regens riesig – selbst bei den FCL-Anhängern in den beiden zu dieser Zeit offenen, ungedeckten Kurven hinter den Toren. Für die Luzerner Spieler muss es ein höchst emotionaler Moment gewesen sein, als sie die Trophäe in die Höhe stemmen konnten.

Peter Nadig hat gegen Servette zwar nicht getroffen, aber mit 15 Toren war er Luzerns Goalgetter in der Meistersaison. (Bild: Martin Rütschi/Keystone (Luzern, 10. Juni 1989))

Peter Nadig hat gegen Servette zwar nicht getroffen, aber mit 15 Toren war er Luzerns Goalgetter in der Meistersaison. (Bild: Martin Rütschi/Keystone (Luzern, 10. Juni 1989))

Burri bittet Trainer Rausch um Erlaubnis

Mittelfeldrackerer Hansi Burri war einer der Letzten aus dem Team, die den Pokal überreicht bekamen. Bevor sich der gelernte Pöstler zu seinem legendären Sprint quer über das Feld aufmachte, hatte sich Burri ein paar Gedanken gemacht.

«Ich habe auf die Gegentribüne geschaut, wo damals unsere treusten und lautstärksten Fans auf der Stehrampe standen. Ich sah, wie einige am Gitterzaun rüttelten. Offensichtlich wollten sie, dass das Objekt der Begierde möglichst bald zu ihnen kommt», erzählt Burri. «Ich fand, dass diese Anhänger, die uns in jedem Heimspiel und meist auch auswärts unterstützt hatten, es verdienten, dass der Pokal möglichst bald als Dankeschön zu ihnen kommt.»

Burris Sprint

Allerdings wollte Burri niemanden brüskieren. «Ich bin ein anständiger Mensch, fragte den Trainer, ob meine Aktion in Ordnung sei. Friedel Rausch nickte und sagte, ich solle das machen.» Sobald Burri den Pokal in den Händen hielt, war er nicht mehr zu halten: Mit seinen kurzen, kräftigen Beinen sprintete er von einer Seitenlinie zur anderen und rutschte auf den Knien über den nassen Rasen, um die Meistertrophäe den enthusiastischen Fans zu präsentieren.

Der Luzerner Meistertrainer Friedel Rausch. Er verstarb am 18. November 2017. (Bild: Keystone (Luzern, 10. Juni 1989))

Der Luzerner Meistertrainer Friedel Rausch. Er verstarb am 18. November 2017. (Bild: Keystone (Luzern, 10. Juni 1989))

Auch Häberli hat 1989 Burri zugejubelt

Das Bild mit Burri und dem Pokal hat sich ins kollektive Gedächtnis der FCL-Fans eingebrannt . Der heutige Luzern-Trainer Thomas Häberli aus Ballwil war vor 30 Jahren als 15-jähriger Teenager im Allmendstadion. «Ich sehe heute noch Hansi Burri, wie schnell er mit dem Pokal zu uns Anhängern vor die Gegentribüne gesprintet ist.»

Angesprochen auf den Meistertitel und die erwähnte Szene wird Burri noch heute fast jeden Tag. «Jetzt im Jubiläumsjahr sind die Reaktionen im Restaurant wieder mehr geworden», sagt der frühere Allmend-Stadionwirt, der seit mehreren Jahren das «Seeland» in Sempach führt, wo heute ab 13 Uhr das öffentliche Jubiläumsfest mit der Meistermannschaft und den Fans stattfindet.

Kommt Mehrheitsaktionär Alpstaeg an die Feier?

Burris Motivation für den Jubiläumsanlass ist unter anderem auch, «dass die Meister und ihre Anhänger von damals mit der heutigen Klubführung und den Fans zusammenkommen. Speziell würde mich die Präsenz von Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg freuen.»

Bevor die Mannschaft vor 30 Jahren zum entscheidenden Spiel gegen Servette auf den Platz ging, hatte Captain Roger Wehrli in der Kabine das Wort ergriffen. Der «Giftzahn» prophezeite seinen Teamkollegen, dass dies der erste und letzte Meistertitel des FCL bleiben würde. «Er hat recht bekommen», sagt Burri. Für Luzern ist dieser Meistertitel bis heute einmalig geblieben. «Wehrlis Aussage konnten wir Spieler erst gar nicht verstehen, aber Roger wollte uns damit auch sagen, dass wir diese Gelegenheit packen müssen, weil der FCL diese Chance nur dann bekommt, wenn die Gegner schwächeln.» Das damals grosse GC mit Trainer Ottmar Hitzfeld sowie Servette und Titelverteidiger Xamax zeigten Schwächen, welche Luzern auszunützen wusste.

Meistercaptain Wehrli erklärt seine Vorhersage

Spricht man mit Roger Wehrli über seine doch etwas gewagte Vorhersage, bleibt er dabei: «Aarau und St. Gallen sind nach uns zwar auch noch Meister geworden, aber im heutigen Fussball geht die finanzielle Schere immer weiter auseinander. Für Teams mit weniger grossen Budgets ist der Meistertitel hinter YB und Basel nicht mehr zu holen.»

Hinweis: 30-Jahr-Jubiläumsfeier im «Seeland» in Sempach (Samstag, 8. Juni 2019, ab 13.00 Uhr): Fest für alle damaligen und heutigen FCL-Fans mit der Meistermannschaft von 1989.

Die schönsten zwölf Stunden auf der Allmend

Wer am 10. Juni 1989 auf der Allmend dabei war, der kann sich daran erinnern, als ob es erst gewesen wäre. Bereits um 15 Uhr waren wir im Stadion auf der grossen Stehrampe, fünf Stunden (!) vor dem Anpfiff war sie sehr gut besetzt. Unten auf dem Rasen sorgten die «Happy Pipers» mit ihren Dudelsäcken für schottische Stimmung in strömendem Regen. Beim Einwärmen wurden die Spielernamen skandiert. Ich erinnere mich, wie Roger Wehrli lächelnd zurückwinkte. Die Vorfreude aufs Spiel war riesig.

Der FCL brauchte gegen Servette mit «Kalle» Rummenigge und Lucien Favre einen Sieg (damals zwei Punkte!), um im letzten Heimspiel der Finalrunde Meister zu ­werden. Nach Jürgen Mohrs Tor in der 60. Minute war der Titeltraum nahe, Weltstar Rummenigge liess aber mit einem Fallrückzieher an den Pfosten alle nochmals zittern. Goalie Roger Tschudin blieb am Ende unbezwungen, Luzern errang den vierten 1:0-Sieg in Serie, Tausende von weissen und blauen Ballonen wurden geschwenkt, der bereitstehende Meisterpokal blieb in der Innerschweiz. Und Hansi Burri sprintete mit diesem über den Rasen direkt vor die Gegentribüne und die Fans. Mit feuchten Augen feierten wir Meistertrainer Rausch: «Friedel, Friedel!» Und: «Friedel, wir danken dir!» Das anschliessende Feuerwerk war dagegen eine Abkühlung.

In den Festzelten ging’s für mich bis 3 Uhr weiter. Die schönsten zwölf Stunden auf der Allmend «FCL, olé, olé!». Unauslöschliche Erinnerungen. (dw)

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