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Viel Frust beim FC Luzern nach der 1:3-Niederlage gegen Sion

Der Luzerner Fehlstart in die Rückrunde ist perfekt: Drei Tage nach der Pleite beim Schlusslicht Xamax verliert der FCL zu Hause gegen Sion mit 1:3. Beeinflusst wurde das Spiel durch den Schiedsrichter.
Daniel Wyrsch
Kein Durchkommen für Luzerns Pascal Schürpf (in Blau) gegen Sions Bastien Toma (links) und Anto Grgic (rechts). (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus, Luzern, 13. Februar 2019)

Kein Durchkommen für Luzerns Pascal Schürpf (in Blau) gegen Sions Bastien Toma (links) und Anto Grgic (rechts). (Bild: Martin Meienberger / Freshfocus, Luzern, 13. Februar 2019)

Urs Schnyder (32) musste nach dem Schlusspfiff nicht nur ein gellendes Pfeifkonzert über sich ergehen lassen. Er bekam auch Bierspritzer von erbosten Zuschauern auf der Haupttribüne ab, die Ordner konnten den Schiedsrichter beim Verlassen des Platzes nur ungenügend schützen.

Dabei war es doch eigentlich ein Heimspiel für den Luzerner Schnyder, der aus Escholzmatt im Entlebuch stammt, früher beim FC Escholzmatt-Marbach kickte. Es hat schon oft Diskussionen gegeben, warum in der Schweiz Unparteiische Spiele von Vereinen leiten dürfen, aus deren Region sie stammen. Immer dachte man dabei daran, dass der entsprechende Referee die eigene Klubmannschaft bevorteilen könnte.

Luzern während über 70 Minuten mit einem Spieler weniger

Am Mittwochabend beim Nachtragsspiel zwischen dem FC Luzern und dem FC Sion war es gewiss nicht so. Im Gegenteil: Schnyder, von Beruf Doktor der Sportwissenschaften, beeinflusste den Match – und zwar deutlich zu Gunsten der Gäste aus dem Wallis. Schnyder arbeitet seit Anfang des letzten Jahres in einem 50-Prozent-Pensum als Schweizer Fifa-Ref, zu 50 Prozent ist er als Sportlehrer an einem Gymnasium in der Nähe von Bern angestellt. Was war geschehen? In der 5. Minute zeigte Schnyder Ruben Vargas (20) die gelbe Karte, nachdem der Linksaussen an der Seitenlinie im beidseitigen Kampf um den Ball den Fuss von Jan Bamert leicht touchiert hatte. Eine fragwürdige, übertriebene Verwarnung für ein Dutzendfoul. Gravierende Folgen hatte dieses Verdikt des Refs in der 19. Minute: Vargas war in einem Zweikampf um den Ball dem Sion-Profi Ermir Lenjani auf den Fuss getreten. Schnyder zeigte die gelb-rote Karte. Jene zweite Verwarnung konnte man geben, doch in der Summe mit dem ersten Vergehen war der Platzverweis nach nicht einmal 20 Minuten übertrieben. Schnyder liess jegliches Fingerspitzengefühl vermissen, verwies einen der attraktivsten Offensivspieler der Liga, der einen einwandfreien Ruf als fairer Jungprofi hat, des Feldes.

Der Match war beim Spielstand von 1:1 auf den Kopf gestellt, der FCL musste über 70 Minuten mit einem Mann weniger auskommen.

Doch nicht genug damit: In der 78. Minute hielt Lazar Cirkovic den eingewechselten Stürmer Roberts Uldrikis leicht am Trikot zurück, Schnyder pfiff zum grossen Erstaunen von FCL-Goalie David Zibung Foulpenalty.

Sion-Trainer Yakin zeigt sich froh über das Penaltygeschenk

Der ebenfalls eingewechselte Adryan traf vom Punkt zur 2:1-Führung für Sion (79.).

Luzern-Coach René Weiler sagte später: «Ich war völlig irritiert, dass der Ref auf Penalty entschied. Cirkovic hat leicht gezupft – mehr nicht.» Er schaute zu Sion-Trainer Murat Yakin und ergänzte: «Muri und ich arbeiteten schon im Ausland, wir sind überrascht, was wir immer wieder über uns ergehen lassen müssen in der Schweiz.» Gemeint waren die Schiedsrichterleistungen. Yakin sagte bei der Verabschiedung von Weiler: «Ich bin froh, haben wir den Penalty bekommen.» Der Ex-FCL-Coach war erleichtert, dass sein Team in Überzahl den Sieg holte, mehr nicht. «Spielerisch haben wir Luft nach oben», so Yakin. Luzern zeigte immerhin Moral, Pascal Schürpf hätte den Ball beinahe an Sion-Torhüter Kevin Fickentscher vorbei zum 2:2 (85.) ins Tor geschossen. Frustriert meinte er: «Einen so frühen Platzverweis nach 20 Minuten habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt. Bitter ist auch der Penalty.» Kurz vor Schluss erzielte Adryan mit seinem zweiten Tor das 3:1 aus Sicht der Walliser.

Ohne Ref-Beeinflussung war der FCL-Start schlecht: Nach 70 Sekunden traf Bruno Morgado zum 1:0 von Sion.

Zum 1:1 lenkte Bamert ins eigene Tor. Luzerns Rückrundenstart ging daneben.

Die Noten des Spiels:

David Zibung, Torhüter, Note 3
Er sieht beim 0:1 von Morgado nicht gut aus, und beim dritten Gegentor bedient er mit seinem Abschlag 1:3-Schütze Adryan.
(Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Christian Schwegler, rechter Verteidiger, Note 4
Der Haudegen holt sich früh eine gelbe Karte (23.), kommt dann ohne Platzverweis durch – und rackert 90 Minuten lang für zwei.
(Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Lucas Alves, Innenverteidiger, Note 4
Er lässt den Sion-Angreifern fast keinen Raum, zeigt eine solide Leistung.
(Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Lazar Cirkovic, Innenverteidiger, Note 3,5
Beim 0:1 lässt er Schütze Morgado zu viel Platz. Sein leichtes Zupfen gegen Uldrikis führt in den meisten Fällen zu keinem Penalty.
(Bild: Martin Meienberger / Freshfocus, das Bild stammt aus der Partie gegen Neuchâtel Xamax)
Silvan Sidler, linker Verteidiger, Note 4:
Der 20-jährige Youngster spielt eine disziplinierte, unauffällige Rolle in diesem durch den frühen Platzverweis einseitigen Spiel.
(Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Ruben Vargas, rechtes Mittelfeld, Note –
Ein sehr früher Platzverweis (19.) für den 20-jährigen Offensivmann. Die erste der beiden gelben Karten ist fragwürdig.
(Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Idriz Voca, zentrales Mittelfeld, Note 4
Durch die Sperre von Simon Grether kehrt er in die Startelf zurück und zeigt einen ganz ordentlichen Auftritt.
(Bild: Martin Meienberger / Freshfocus, das Bild stammt aus dem Trainingslager in Marbella)
Marvin Schulz, zentrales Mittelfeld, Note 4
Sein Ballverlust führt zum 0:1, er leitet dann den Angriff zum 1:1 ein. Später sind seine Rushes gefährlich, noch fehlt der letzte Pass.
(Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Pascal Schürpf, linkes Mittelfeld, Note 4,5
Mit einem gewonnenen Kopfballduell und Pass kommt er zum 1:1-Assist. Er kämpft beharrlich und trifft fast noch zum 2:2 (85.).
(Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Shkelqim Demhasaj, rechter Stürmer, Note 4,5
Ein engagierter und laufstarker Auftritt mit ein, zwei guten Chancen. Aus taktischen Gründen wechselt ihn Weiler aus (57.).
(Bild: Urs Flüeler / Keystone)
Blessing Eleke, linker Stürmer, Note 4
Für ihn ist die Unterzahl über 70 Minuten ebenfalls nicht einfach, weil er vorne meist isoliert ist. Das 1:1 ist ein Eigentor von Bamert.
(Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Olivier Custodio, zentrales Mittelfeld, Note 4
Kommt in der 57. Minute als Stabilisator beim Stand von 1:1 ins Spiel. Er leistet, was er kann.
(Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
Nicht bewertbar: Christian Schneuwly und Yannick Schmid.
Auf dem Bild: Schiedsrichter Urs Schnyder zeigt Ruben Vargas (nicht im Bild) die rote Karte.
(Bild: Martin Meienberger / Freshfocus)
13 Bilder

Die FCL-Noten vom Spiel gegen Sion

Luzern - Sion 1:3 (1:1)

7298 Zuschauer. - SR Schnyder. - Tore: 2. Morgado 0:1. 16. Bamert (Eigentor) 1:1. 79. Adryan (Foulpenalty) 1:2. 89. Adryan 1:3.
Luzern: Zibung; Schwegler, Lucas, Cirkovic, (85. Schmid), Sidler; Voca (85. Schneuwly), Schulz, Vargas, Schürpf; Demhasaj (58. Custodio); Eleke.
Sion: Fickentscher; Ndoye, Neitzke, Bamert; Morgado (67. Fortune), Grgic (63. Uldrikis), Toma, Abdellaoui; Kasami, Lenjani; Djitté (46. Adryan).
Bemerkungen: Luzern ohne Grether (gesperrt), Kakabadse, Knezevic, Rodriguez, Ugrinic (alle verletzt), und Juric (intern suspendiert). Sion ohne Baltazar, Khasa, Carlitos, Mitrjuschkin, Raphael (alle verletzt), Maçeiras, Kouassi, Angha, Mveng und Philippe (alle nicht im Aufgebot). 19. Gelb-rote Karte gegen Vargas (Foul). Verwarnungen: 5. Vargas (Foul), 23. Schwegler (Foul), 30. Djitté (Foul), 45. Lenjani (Foul), 57. Schulz (Foul), 80. Adryan (Unsportlichkeit), 81. Zibung (Ballwegschlagen).

Enfant terrible für den FCL?

Das Interesse des FC Luzern an Donis Avdijaj (22) ist am Mittwoch bekannt geworden. Der kosovarische Nationalspieler spielt derzeit bei Willem II in der niederländischen Ehrendivision. In 15 Spielen hat der Linksaussen vier Tore erzielt und drei Assists gegeben. Allerdings ist der ehemalige deutsche U-Internationale seit dem 23. Dezember 2018 für den Verein nicht mehr zum Einsatz gekommen – aus disziplinarischen Gründen. Dabei war Avdijaj zuvor bei Schalke 04 in der Bundesliga als Juwel gehandelt worden. In neun Ligapartien schoss er in der Saison 2016/17 zwei Treffer. Bereits bei Schalke gab es Probleme mit dem Enfant terrible. Vorgeworfen wurden ihm ungenügende Vorbereitung auf die Spiele und schlechtes Benehmen. Auf den FCL würde also eine anspruchsvolle Betreuungsaufgabe warten. Ob Avdijaj wirklich kommt, steht in den Sternen. Interessenten an ihm gibt es in weiteren Ländern wie Russland und USA mit noch offenem Transferfenster. In der Schweiz schliesst dieses morgen um Mitternacht. Bis dann weiss man, ob FCL-Stürmer Tomi Juric zu Sion oder GC geht. (dw)

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