VOR LUZERN - YOUNG BOYS: Gross: «Gedanken mitten in der Nacht»

Götz? Wolf? Andermatt? Fringer? Saibene? Der FC Luzern sucht den neuen Trainer – und spielt morgen gegen YB. Auf der Bank sitzt Interimstrainer Gross – mit Ideen.

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Michel Renggli im Kopfball-Duell mit Aaraus Kristian Nushi. (Bild Philipp Schmidli)

Michel Renggli im Kopfball-Duell mit Aaraus Kristian Nushi. (Bild Philipp Schmidli)

Im normalen Leben ist Jean-Daniel Gross zu 50 Prozent Banker. Daneben ist er Trainer, das Pensum als U-21-Trainer des FC Luzern beläuft sich ebenfalls auf 50 Prozent. 

Dieser Tage ist alles ein bisschen anders. Gross ist nicht Banker, sondern Trainer, übergangsweise ist er Vollprofi, zuständig für das Team in der Super League. 

Müsste er das von ihm angeschlagene Tempo über Wochen oder gar Monate mithalten, wäre der Job indes kaum mehr ein Vergnügen. Gross befasst sich seit Montag rund um die Uhr mit der Mannschaft, überlegt sich, was er in den wenigen Tagen vor dem Heimspiel gegen die Young Boys bewirken kann, und ist, so sagt er es, «mit Gedanken sogar mitten in der Nacht bei dieser Aufgabe».

Seriöser Spass mit Gross
Dabei dürfte es so sein, dass Gross? Alltag morgen ab 18 Uhr wieder die gewohnten Strukturen bekommen wird. Gross ist der Helfer in der Not nach der Entlassung von Ciriaco Sforza, und er sieht seinen hauptsächlichen Auftrag darin, der verunsicherten Mannschaft für die sechste Partie der Meisterschaft in erster Linie eine Stütze zu sein. Er hat seine Ideen in die Trainings eingebracht und mit einfachen Spielformen versucht, mit spielerischen Methoden Spass zurückzubringen. Dann präzisiert er schnell: «Seriösen Spass. Ich will helfen und aus Einzelgesprächen heraushören, wo die Probleme zu orten sind.» Die Analyse seiner Interimszeit wird er zu Papier bringen und der Geschäftsleitung vorlegen, was allenfalls dem neuen Trainer als Starthilfe dienen könnte.

Die Trainersuche in Deutschland
Der Neue soll nächste Woche seine Arbeit aufnehmen. Nur: Wer ist es? Wer soll es werden? Wer kann es werden? Wer ist genehm?

Die Liste der Interessenten ist lang, und natürlich schalten sich im Gerangel um die Besetzung des Postens allerhand peinliche Gestalten ein, versuchen beispielsweise aufdringlich per SMS ihren Favoriten zu pushen oder lassen dem Vorstand auf Umwegen Bewerbungen zukommen. 

Der Job ist begehrt, aber Sportchef Bruno Galliker weiss, wie wichtig es nun ist, eine gute Lösung zu finden: «Wenn wir diese Kaderposition falsch besetzten, könnte das schlimme Konsequenzen haben. Mit ausführlichen Gesprächen können wir das Risiko aber minimieren.»

«Hauptsache, der neue Trainer bringt den Erfolg»
Der Kreis jener, die in der Schweiz verfügbar wären und Kenntnis der Liga besitzen, ist bekannt und seit Anfang Woche kaum grösser geworden. Rolf Fringer wartet auf eine neue Aufgabe; Jeff Saibene wird gehandelt wie Martin Andermatt; René van Eck ist ebenfalls frei. 

«Van Eck wäre einer, der neues Feuer entfachen könnte», sagt etwa Michel Renggli, um sich danach darauf zu besinnen, dass er eigentlich nur einen Wunsch hat: «Ein Trainer, der den Erfolg bringt. Wenn es ein Schleifer ist, ist es halt ein Schleifer. Hauptsache, wir finden endlich den Tritt.»

Ist Falko Götz ein Thema?
Die Klubleitung hat Fährten nach Deutschland gelegt und dort bereits mit potenziellen Kandidaten gesprochen. Wolfgang Wolf wird als einer der möglichen Anwärter genannt. Im Nachbarland wird der 50-Jährige allerdings bereits den Trainer-Auslaufmodellen zugeordnet.

Ein neuer Name ist der von Falko Götz. Der 46-Jährige wurde am 10. April 2007 bei Hertha Berlin entlassen und ist seither arbeitslos.

Wie auch immer: Eine Grundbedingung an den Neuen ist die, dass er «zum Verein und zur Region passen muss» (Sportchef Galliker). Wann der Trainer präsentiert wird, lässt er weiterhin offen.

Peter Birrer

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Samstag in der Neuen Luzerner Zeitung.