Was beim FCL nicht richtig läuft

In neun Tagen, am 31. August um Mitternacht, schliesst das Transferfenster in der Schweiz. FCL-Trainer René Weiler wünscht sich weitere zwei Verstärkungen neben Stürmer Blessing Eleke. Hat der FCL dafür noch genügend Geld in der Kasse?

Daniel Wyrsch
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Stürmer Tomi Juric verletzt am Boden: Wird er überhaupt noch für den FCL spielen?(Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 25. November 2017))

Stürmer Tomi Juric verletzt am Boden: Wird er überhaupt noch für den FCL spielen?(Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 25. November 2017))

Die Frage, wie viel Mittel noch in der Transferkasse sind, wollte Philipp Studhalter nicht beantworten. Der Präsident und interimistische CEO des FC Luzern liess über den Medienverantwortlichen Markus Krienbühl ausrichten: «Gerne werden wir nach dem Schliessen des Transferfensters am 31. August 2018 Auskünfte zu den in der aktuellen Periode getätigten Transfers geben. Kraft seines Amtes wird dort natürlich auch der Sportchef Remo Meyer zur Verfügung stehen und Stellung beziehen.» Gemäss unserer Recherche hat der FC Luzern für Blessing Eleke mindestens 1 Million Franken an den FC Ashdod nach Israel überweisen müssen. Geschuldet ist diese stolze Ablösesumme nicht zuletzt dem zeitlichen Druck mit der zu Ende gehenden Transferperiode. Nun sollen noch zwischen 300 000 und 500 000 Franken für weitere Zuzüge zur Verfügung stehen. Kein einfaches Unterfangen für Meyer, einen zentralen Mittelfeldspieler und einen Aussenverteidiger für dieses Geld zu finden. Der FCL hat allerdings neben den von Coach Weiler geforderten Verstärkungen noch weitere Baustellen. Hier eine Auswahl der brennendsten Punkte:

Personelles. Der australische Nationalstürmer Tomi Juric litt vor der WM an Verletzungen, und er ist auch wieder mit einer Blessur aus Russland zurückgekehrt, wo er dreimal für sein Land Teileinsätzen bestritten hatte. Ein Muskelfaserriss hinderte ihn zu trainieren. Juric hatte vor der WM angedeutet, dass er den FCL im Sommer verlassen möchte. Doch wer will den angeschlagenen Stürmer kaufen? Mehr als zwischen 500 000 und 800 000 Franken dürfte Luzern für Juric derzeit nicht bekommen. Ärgerlich: Vor anderthalb Jahren hatte der FCL für Juric ein Angebot von 2 Millionen Franken aus Reading. Der Australien-Kroate wollte nicht nach England wechseln.

Vertrag mit Nordkoreaner Jong läuft bis 2019

Noch viel weniger wert als aktuell Juric hat der nordkoreanische Nationalstürmer Il-Gwan Jong, der vor einem Jahr von Markus Babbel mit einem Zweijahreskontrakt zum FCL geholt wurde. Nach einer halbjährigen Leihe zum FC Wil ist er seit Sommer zurück, darf aber nur mit Konditionstrainer Christian Schmidt trainieren und nicht mit der Mannschaft von Trainer René Weiler. Der Vertrag von Jong würde noch bis zum Ende der aktuellen Saison laufen, die Arbeitsbewilligung müsste erneuert werden. Der FCL setzt sich dafür ein. Jong droht die Abschiebung zurück nach Nordkorea. Im Vergleich zum bedauernswerten Asiaten läuft es den Luzernern – fünf von sieben Pflichtspielen verloren, zwei Siege mit dem Cupspiel in Gland, vorletzter Tabellenplatz – beinahe noch gut.

Zuschauerrückgang. In den drei Heimspielen gegen Xamax, Lugano und Meister YB blieb das Luzerner Zuschauerinteresse jeweils unter der 10 000er-Marke, während letzte Saison durchschnittlich pro Heimspiel noch knapp über 10 000 Fans in die Swisspor-Arena gepilgert waren. Der Medienverantwortliche Krienbühl zum Publikumsschwund: «Was die Zuschauerzahlen anbelangt, kann nach gesamthaft drei Heimspielen exklusive der europäischen Partie gegen Olympiakos Piräus sicher noch keine Analyse oder Schlussfolgerung gezogen werden, da auch die beiden ersten Gegner Xamax und Lugano eher weniger attraktiv waren und zudem Ferienzeit war.»

Rasenprobleme. Zur ramponierten Spielunterlage in der Swisspor-Arena will sich der FCL nicht mehr äussern. Bekannt ist, dass der Verein auf die Gesamtsanierung des Untergrunds nach der laufenden Saison im Sommer 2019 wartet. Damit sollen die Ausgaben von 300 000 bis 400 000 Franken für einen neuen Naturrasen eingespart werden. Das ist legitim, trotzdem müssen sich die Klubbesitzer Bernhard Alpstaeg, Samih Sawiris, Marco Sieber, Josef Bieri und Hans Schmid die Frage gefallen lassen, warum sie im schmucken Stadion nicht längst die Unterlage haben auswechseln lassen. Ein Naturrasen auf Super-League-Niveau müsste zwingend alle drei bis fünf Jahre neu verlegt werden. Obwohl die Stadtgärtner laufend die Löcher stopfen, gibt der FCL mit diesem Platz in der Aussendarstellung keine gute Figur ab, ob in der nationalen Meisterschaft oder auf internationalem Parkett – zuletzt gegen Olympiakos Piräus in der Europa-League-Qualifikation oder dann bei wohl viel feuchteren Verhältnissen am 18. November im Länderspiel der Nations League zwischen der Schweiz und dem WM-Dritten Belgien.