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YB-Trainer Seoane vor FCL-Match: «Wir laufen nicht einfach durch»

Gerardo Seoane ist seit Sommer Trainer der Young Boys – und hat in der Meisterschaft noch keine Punkte abgegeben. Dennoch erwartet er morgen gegen seinen Ex-Klub Luzern (19.00) alles andere als ein einfaches Spiel.
Raphael Gutzwiller, Bern
Gerardo Seoane hat mit YB derzeit gut lachen. Bild: Peter Schneider/Keystone (Turin, 1. Oktober 2018)

Gerardo Seoane hat mit YB derzeit gut lachen. Bild: Peter Schneider/Keystone (Turin, 1. Oktober 2018)

Gerardo Seoane, Sie haben die ersten neun Meisterschaftsspiele mit YB alle gewonnen. Was macht ihr Team so stark?

Es gibt viele Faktoren und das beginnt bereits oben: Das Team um Sportchef Christoph Spycher macht einen tollen Job. Wir haben eine gut zusammengestellte Mannschaft mit herausragenden Spielern und einem funktionierenden Trainerstaff. Die Mannschaft hat eine gute Mentalität. Sie versucht alles, um die Spiele erfolgreich zu gestalten.

Wie gross ist Ihr Anteil am Erfolg?

Das will ich nicht beurteilen. Sicher ist, dass wir als Trainerteam dafür gesorgt haben, dass in der Vorbereitung sehr intensiv gearbeitet wurde und wir dazu beigetragen haben, dass die Spieler wieder sehr hungrig sind.

Einige sagen, Ihr Erfolg basiere auf der Arbeit von Vorgänger Adi Hütter.

Das, was hier im letzten Jahr entstanden ist, ist etwas Grossartiges. Dennoch glaube ich, dass wir einige Dinge ein bisschen angepasst haben und wir nicht genau den gleichen Fussball spielen wie in der letzten Saison.

Was hat sich geändert?

Unter Hütter war der Fokus noch mehr auf die Phasen des Gegenpressings und Pressings mit gezieltem Vertikalspiel ausgelegt. Diese Stärke wollten wir beibehalten, dazu aber noch mehr Ordnung ins Spiel bringen. So gibt es heute immer wieder Phasen in denen wir viel Ballbesitz haben. Wir versuchten, der Defensive mehr Gewicht zu geben.

Wie haben Sie es geschafft, dass die Motivation der Spieler nach dem ersten Meistertitel seit 32 Jahren hoch geblieben ist?

Das hat gleich an dem Tag begonnen, an dem ich unterschrieben habe und wir mit der Planung für die neue Saison begonnen haben. Für uns war es enorm wichtig, dass die Mannschaft hungrig bleibt. Das ist einfach zu sagen, aber nicht einfach umzusetzen.

Was haben Sie gemacht?

Ganz wichtig war, dass wir im Trainingslager hart trainiert haben und die Spieler ihre Grenzen haben überschreiten müssen. Wir müssen über uns hinauswachsen, um besser zu werden. Weiter brauchte es Gespräche, um die nötige Mentalität hinzubekommen.

Im Moment ist YB zu gut für die Super League, aber noch nicht gut genug, um in der Champions League zu punkten. Wie geht man damit um?

Wir können sehr gut einschätzen, wer wir in der Champions League sind. Mit Manchester United, Juventus und Valencia spielen wir gegen Topmannschaften. Unsere Philosophie ist es dagegen, junge Spieler auszubilden, die den Verein irgendwann ins Ausland verlassen. Dazu haben wir eine erfahrene Achse. Aber klar: Natürlich wollen wir europäisch über uns hinauswachsen und punkten.

«Der Wechsel nach Bern war ein Schritt nach vorne.»

Was fehlt, um in der Champions League zu punkten?

Wir ziehen aus den Spielen unsere Lehren und versuchen, die Erkenntnisse in die tägliche Arbeit einfliessen zu lassen. Für den Verein ist die Champions League Neuland, da müssen wir schnell dazu lernen. Das Gelernte möchten wir auch in der Super League umsetzen. Denn den Ist-Zustand der Tabelle wollen wir nicht überbewerten. Wir laufen nicht einfach durch. Bei jedem Spiel steckt grosse Arbeit dahinter.

Es ist von der Motivation her wohl nicht einfach, gegen Juventus zu spielen und wenig später Luzern zu empfangen.

Die Motivation ist immer hoch, die Mannschaft ist extrem hungrig. Dennoch ist es natürlich nicht einfach, alle drei Tage einen neuen Plan auf den jeweiligen Gegner aufzustellen, mental immer auf der Höhe zu sein.

Im Sommer wechselten Sie von Luzern nach Bern. Wie gross ist der Unterschied?

YB ist ein fantastischer Verein, der toll geführt wird. Darüber hinaus gibt es eine grosse Begeisterung in der gesamten Region für den Verein. Das ist in Luzern auch so, aber hier ist alles nochmals grösser. So haben wir etwa für das Spiel am Samstag bereits 24 000 Tickets verkauft. Bern ist eine richtige Sportstadt. Zudem sind die Ambitionen grösser als in Luzern.

War dies auch die Hauptmotivation für den Wechsel?

Wenn man die Situation analysiert, wird offensichtlich, dass der Wechsel ein Schritt nach vorne ist. Es ist eine grosse Ehre, wenn dich der Schweizer Meister will. Ich bin ein ambitionierter Trainer. Wie die Spieler arbeite auch ich hart, um weiterzukommen.

Mussten Sie sich hier in Bern, wo sie auf erfahrene Spieler wie Guillaume Hoarau oder Steve von Bergen trafen, im Vergleich zu Ihrer Zeit in Luzern verändern?

Es ist sehr wichtig, authentisch zu bleiben. Aber authentisch zu sein, heisst nicht, dass man immer so reden soll, wie einem der Schnabel wächst. Man muss sich als Trainer adaptieren und dazulernen. Selbstverständlich passt man sich bei jedem Spieler an, egal ob hier Hoarau, Schürpf oder ein Nachwuchsspieler ist.

Im Umfeld des FCL wurde Ihr Abgang nach Bern kritisiert. Hat Sie das verletzt?

Intern gab es beim FCL fast nur positive Rückmeldungen, aus der Öffentlichkeit gab es negative und positive Reaktionen. Das gehört bei diesem Job dazu.

Von einigen Experten und Fans wurden Sie als charakterlich schwach bezeichnet. Das lässt Sie wirklich kalt?

Wir haben hier in der Schweiz Meinungsfreiheit. Wichtig ist es, dass die Kritik in einem fairen Rahmen stattfindet.

Morgen geht es gegen den FCL. Wie speziell ist das?

Natürlich ist es für mich speziell. Aber im Trainerteam spielt es keinen Unterschied, wir gehen den Match so professionell wie jeden anderen an. Aber ich freue mich schon, meine ehemaligen Spieler und früheren Weggefährten hier in Bern zu empfangen.

Als Ex-Trainer wissen Sie über die Schwächen von Luzern Bescheid. Ein Vorteil?

Nein, das denke ich nicht. Man versucht, bei jedem Gegner so viele Informationen wie möglich zu haben. Zudem kennt man sich in der Schweiz gut. Luzern hat mit dem neuen Trainer auch eine neue Ausrichtung.

Wie wollen Sie die Partie gegen Luzern angehen?

Zu Hause wollen wir immer offensiv auftreten. Wir wollen den Gegner unter Druck setzen und den Zuschauern etwas bieten.

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