Interview

FCL-Präsident Philipp Studhalter nach dem Lockerungsentscheid: «Wir sind noch lange nicht über den Berg»

Philipp Studhalter, Präsident des FC Luzern, zeigt sich erfreut über den Lockerungsentscheid des Bundesrates. Und hebt den Mahnfinger.

Turi Bucher
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FCL-Präsident Philipp Studhalter in der Swisspor-Arena – die bald wieder etwas voller sein dürfte.

FCL-Präsident Philipp Studhalter in der Swisspor-Arena – die bald wieder etwas voller sein dürfte.

Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 17. April 2020)

274 neue Coronafälle innert 24 Stunden hatte das Bundesamt für Gesundheit am Mittwoch um die Mittagszeit gemeldet. Die Verantwortlichen der professionellen Fussballklubs musste ein mulmiges Gefühl beschlichen haben, was die Medienkonferenz des Bundesrates bezüglich Grossveranstaltungen betraf. Dann, kurz nach 15 Uhr, aufatmen, oder besser: durchatmen auch bei Philipp Studhalter, dem Präsidenten des FC Luzern.

Verlängerung der 1000er-Grenze bis Ende September, danach dürfen wieder mehr Zuschauer ins Stadion. Zufrieden?

Philipp Studhalter: Das ist ein wichtiges Zeichen für den Schweizer Profisport insgesamt. Ein Zeichen, das wir uns erhofft, das wir erwartet haben. Die neue Ausgangslage ist aber auch eine grosse Herausforderung für die Vereine.

Werden wir gleich ganz konkret: Wie viele Zuschauer können ab Oktober die FCL-Spiele besuchen?

Zum jetzigen Zeitpunkt eine konkrete Zahl zu nennen, wäre wie Kaffeesatzlesen. Zuerst müssen wir die aktualisierten Richtlinien des Eidgenössischen Departements des Innern von Anfang September abwarten. Unser Ziel ist es natürlich, dass wir mindestens sämtliche Saisonkartenbesitzer ins Stadion lassen können. Das würden, wenn wir die Zahlen vom letzten Jahr nehmen, knapp 6000 Plätze sein. Das langfristige Ziel bleibt aber klar, auch wieder alle Stehplätze besetzen zu können.

Kann man sagen, dass der FC Luzern nach dem gestrigen Bundesratsentscheid aus dem gröbsten Unwetter raus ist?

Wir stehen immer noch im Sturm und sind längst nicht über den Berg. Aber wir haben einen Pfad entdeckt und können nun konkreter planen.

Gilt beim FCL eigentlich immer noch Kurzarbeit?

Ja, auf der Geschäftsstelle des FC Luzern bleibt es bis auf weiteres bei der Teilkurzarbeit. Beispielsweise ist die Arbeitsbelastung für die Belegschaft bei einem Heimspiel des FCL mit reduzierter Zuschauerzahl niedriger als vor Corona. Andererseits bin ich mit der Kurzarbeitsregelung für den Profibetrieb nach wie vor überhaupt nicht einverstanden.

Wenn der Lockerungsentscheid betreffend Grossanlässe nicht gekommen wäre – wie lange hätte der FCL noch durchhalten können?

Das kann ich nicht abschliessend beurteilen. Die Herausforderungen wären aber kaum lösbar gewesen. Die Zeichen des Aktionariates sind zwar weiterhin positiv, was die Finanzierung bis im Herbst 2021 angeht– doch sind wir weiterhin auf jegliche mögliche Unterstützung angewiesen.

Maskenpflicht, keine Gästefans, Abstandsregeln, personifizierte Tickets. Was wird noch auf den FCL zukommen?

Die Bewilligung für ein Spiel wird ab Oktober vom Kanton ausgesprochen. Die Kooperation mit den kantonalen Behörden ist gut und lösungsorientiert. Auch der Kanton muss sehr achtsam mit seinem Geld umgehen, aber er hat uns Erleichterungen betreffend Billettsteuer und Sicherheitskosten signalisiert.

Wie soll das regelkonforme Eintreffen der Matchbesucher kontrolliert werden?

Auch hier gilt es, einen vernünftigen Perimeter zu setzen, uns gut zu organisieren. Wichtig ist aber vor allem auch die Eigenverantwortung der Fans, die unsere Spiele besuchen werden.

Patrick Lengwiler, CEO der Eishockeyaner des EV Zug, hat das Kreditpaket des Bundesrats und auch das Bundesamt für Sport scharf kritisiert. Ihre Haltung?

Der Kredit vom Bund soll ein Rettungsfallschirm sein, ist aber mit den aktuellen Auflagen nicht tragbar, ein Sterben auf Raten für die gesamte Liga.

Konnten Sie als FCL-Präsident im Dauerstress eigentlich auch noch ein paar Tage Ferien nehmen?

Für ein paar Tage war ich mit meiner Familie noch in den Schweizer Bergen. Am Montag müssen die Kinder ja wieder zur Schule.

SC Kriens: «Sicherheit muss gewährleistet sein»

Beim Challenge-League-Fussballklub SC Kriens wertet man den Entscheid des Bundesrates positiv. «Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht für den Schweizer Fussball», sagt Kriens-Präsident Werner Baumgartner. «Ich sage ‹grundsätzlich›, weil es weiterhin wichtig sein wird, dass man die Coronaregeln befolgt. Wenn die kantonale Behörde die Bewilligung für ein Spiel mit mehr als 1000 Zuschauern erteilt, müssen wir die Einhaltung der Sicherheitsbedingungen gewährleisten können.» Baumgartner will sich auf keine Zuschauerzahl fixieren, was kommende Kriens-Spiele betrifft. Das Kleinfeld-Stadion bietet Kapazität für rund 3600 Besucher. Billette für die Hälfte dieser Zahl zu verkaufen, wäre in Kriens schon ein vorläufiges Erfolgserlebnis.

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Philipp Zurfluh