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FCSG gewinnt gegen GC: Barnetta wird im Zürcher Regen zum Matchwinner

Bei garstigem Wetter und vor trister Kulisse kämpfte der FC St.Gallen gegen den Tabellenletzten GC um wichtige Punkte. Dank dem Treffer von Tranquillo Barnetta wurden es gar deren drei. Ein Sieg, der den Ostschweizern erlaubt, in der Tabelle wieder nach vorne zu schauen.

Martin Oswald
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St. Gallens Tranquillo Barnetta jubelt nach seinem 1:0-Treffer. (Foto: Keystone/Ennio Leanza)

St. Gallens Tranquillo Barnetta jubelt nach seinem 1:0-Treffer. (Foto: Keystone/Ennio Leanza)

Die Tore

  • 0:1, 59. Minute, Tranquillo Barnetta: Quintilla läuft im Mittelfeld einen Ball ab, schickt Bakayoko steil, dieser stürmt Richtung Strafraum, legt den Ball in die Mitte, wo sich Ashimeru und die GC-Verteidiger gegenseitig behindern - doch am hinteren Pfosten wartet Barnetta, der die Kugel abgeklärt unter die Latte drückt. Saisontreffer Nummer 7 für den Mann, der in wenigen Wochen zurücktritt.

Das Tor von Barnetta im Video

Die Spiel-Analyse

Der Samstag 4. Mai hielt punkto Wetter das volle Programm bereit. Sonne, Wolken, Regen, Hagel, Wind und später gar Schnee. Er kam einer meteorologischen Zusammenfassung der aktuellen Saison des FCSG gleich, wo sich Licht und Schatten stets abgewechselt hatten. In den letzten Wochen dominierten bei den Ostschweizern aber die dunklen Wolken - und diese hingen auch an diesem Abend über dem schlecht besuchten Letzigrund. Abstiegskampf statt Kampf um die Europa League.

Schon in der ersten Minute schoss Vincent Sierro ein erstes Mal gefährlich aus fünfzehn Metern auf das GC-Tor, Schlussmann Lindner konnte parieren. Nach zwanzig Minuten war es Tranquillo Barnetta, der zu einem Abschluss kam, doch richtig zwingend waren die offensiven Bemühungen der St.Galler nicht. Das Team von Trainer Zeidler versuchte das Spieldiktat zu übernehmen. Sierro und Barnetta hatten auch bei ihren nächsten Versuchen, den Führungstreffer zu erzielen, kein Glück. Die Grasshoppers auf der anderen Seite lauerten auf Konterchancen. Dann und wann konnten sie mit schnell vorgetragenen Kontern die St.Galler Defensive überwinden. Doch der Tabellenletzte war zu harmlos im Abschluss, provozierte aber kleinere Unsicherheiten in der St.Galler Hintermannschaft, in der Andreas Wittwer den verletzten Captain Silvan Hefti ersetzte. Mit einem 0:0 ging es zum wärmenden Pausentee. Das Thermometer zeigte 3 Grad an.

Grün-Weiss startete fahrig in die zweite Halbzeit. Trainer Zeidler enervierte sich laut über Fehlzuspiele, ballte die Fäuste, polterte, trieb seine Elf nach vorne. In der 50. Minute zirkelte Barnetta einen Freistoss aus 20 Metern präzise Richtung Lattenkreuz, Torhüter Lindner konnte den Ball gerade noch mit den Fingerspitzen um die Torumrandung lenken. In der 59. Minute ging es dann für einmal schnell: Quintilla - Bakayoko - Barnetta - Tor. 0:1. Die Führung des FCSG war zu diesem Zeitpunkt verdient, taten die Ostschweizer doch klar mehr fürs Spiel. 

Die Gäste zogen sich fortan immer weiter in die eigene Platzhälfte zurück und versuchten den knappen Vorsprung zu verteidigen. GC kam zwar zu vereinzelten Chancen, doch die Mannschaft von Trainer Uli Forte agierte zu ungestüm. Und so brachte der FC St.Gallen das Resultat über die Zeit - ganz zur Freude der rund 600 mitgereisten Ostschweizer.

St. Gallens Simone Rapp wird von Grasshopper Djibril Diani in den Rücken gestossen. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

St. Gallens Simone Rapp wird von Grasshopper Djibril Diani in den Rücken gestossen. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Die Reaktionen

Wie gross die Erleichterung über den Sieg war, zeigte sich kurz nach Spielschluss im Spielertunnel. Trainer Peter Zeidler brüllte ein lautes «Ja!» in Richtung der wartenden Journalisten. Stürmer Simone Rapp umarmte Präsident Matthias Hüppi und hob ihn vor Freude gleich in die Luft.

Auch Torschütze Tranquillo Barnetta freut sich im Videointerview sichtlich über seinen entscheidenden Treffer, warnt aber davor, jetzt euphorisch zu werden. Zu klein seien die Abstände weiterhin in der Tabelle.

«Es war keine Feinkost heute. Aber wir haben oft schon besser gespielt und dennoch verloren.»

FCSG-Trainer Peter Zeidler: «Wir sind sehr glücklich über diesen Sieg. Heute gewinnen wir keinen Schönheitspreis. Ich hätte mir gewünscht, dass wir noch besser spielen. Es war nicht so, wie wir uns das vorgenommen haben. Vielleicht lag das auch am Druck. Aber wir haben gekämpft. Aber ich will hier ganz klar sagen: Wir haben noch gar nichts geschafft - es geht weiter. Unser Verein hat andere Ansprüche, aber für heute zählt einfach das Ergebnis.»

GC-Trainer Uli Forte: «Wir sind sehr enttäuscht, dass wir nicht mehr aus diesem Spiel geholt haben. Wir waren in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft. Beim Gegentor verlieren wir unglücklich den Ball. Nach dem Rückstand sind wir kopflos angerannt - da muss ich meiner Mannschaft einen Vorwurf machen.»

Der Beste

Tranquillo Barnetta darf getrost als Matchwinner bezeichnet werden. Einmal mehr zeigt die Nummer 10 wie wichtig er für die Mannschaft ist. 

Der Schlechteste

In der Defensive mit Lüchinger, Vilotic, Stergiou und Wittwer leistete sich gegen GC jeder Verteidiger seinen kleinen Bock. Doch an diesem Samstagabend wurde keiner davon bestraft. In der Offensive blieb Stürmer Simone Rapp ohne nennenswerte Szene.

Die Kulisse

Trist, trister, Abstiegskampf. Leere rote Stühle prägten an diesem Abend das Bild im Stadion Letzigrund. Offizielle Zuschauerzahl: 5'400. Die beiden Fangruppierungen waren ebenbürtig hörbar. Man hätte beinahe den Eindruck bekommen können, das Spiel würde auf neutralem Grund stattfinden. 

Zwischenfall vor dem Spiel

Der Extrazug der FCSG-Anhänger wurde mit der Notbremse zwischen Winterthur und Zürich auf Höhe Bahnhof Kemptthal angehalten, konnte aber nach kurzer Zeit wieder weiterfahren. Die Kantonspolizei Zürich bestätigt den Vorfall. 

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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