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Interview

FCSG-Sportchef Alain Sutter nach den Niederlagen auf und neben dem Platz: «Jeder will nun hören, dass alles schlecht ist»

Alain Sutter reflektiert die «Causa Ben Khalifa» sowie den bisherigen Saisonverlauf und sagt, dass er sich natürlich mehr erwarte. Überdies äussert sich der Sportchef zu Gerüchten über den Trainer und seine Person.
Christian Brägger
Alain Sutter: «Natürlich gibt es Selbstkritik. Wir analysieren ganz nüchtern.» (Bild: Michel Canonica)

Alain Sutter: «Natürlich gibt es Selbstkritik. Wir analysieren ganz nüchtern.» (Bild: Michel Canonica)

Nassim Ben Khalifa hat vor Gericht gewonnen. Was löst das Urteil in Ihnen aus?

Alain Sutter: Nichts. Es ist das Urteil des Richters und damit ein Fakt. Auch bin ich nicht sauer auf Nassim. Es war sein gutes Recht, gegen uns zu klagen. Wir leben in einem Rechtsstaat, wir müssen das jetzt umsetzen und werden nicht rekurrieren.

Aber die Causa ist schon irritierend. Sie gelten als harmoniebedürftiger, sensitiver Mensch – ausgerechnet unter und auch wegen Ihnen kam es nun zu einem solchen Streit.

Wir haben nie gestritten! Und was heisst harmoniebedürftig? Es geht letztlich darum, vernünftig und korrekt miteinander umzugehen. Es gab halt unterschiedliche Sichtweisen und Umstände, die zu alledem führten.

Ist es sinnvoll, den Spieler weiter bis Sommer 2020 im Kader zu haben?

Diese Frage stellt sich mir nicht. Bis Sommer 2020 ist er ein Mitglied des FC St.Gallen, ausser er findet früher einen neuen Arbeitgeber.

Die Grasshoppers machten es anders. Sie suspendierten sechs Spieler. Wieso tat dies der FC St.Gallen nicht?

Wie das Urteil jetzt zeigt, hätten wir dafür keine rechtliche Handhabe gehabt. Wir wussten, dass wir Nassim nicht dauerhaft vom Mannschaftstraining ausschliessen können. Aber es war möglich, ihn für eine bestimmte Zeit in die U21 zu schicken.

Auf dem juristischen Parkett hat der FC St.Gallen verloren. Auf dem Rasen läuft es ebenfalls nicht gut.

Natürlich sind wir nicht zufrieden, unsere Lage ist brisant. Wir werden jetzt aber nicht nervös deswegen.

Trainer Peter Zeidler hat immer gesagt, er werde ihm niemals passieren, dass er des Feldes verwiesen werde. Doch nervös?

Das muss man im Kontext betrachten. Wir hatten zwei schlechte Spiele gegen Lugano und Luzern, die für alle unbefriedigend waren. Dann gehst du nach Bern, du spielst gut, führst – und dann kommt in der 81. Minute der Handspenalty.

Wir sind Menschen mit Emotionen. In dieser Situation habe ich vollstes Verständnis für den Coach.

Wieso spielt der FC St.Gallen nicht pragmatischer und beginnt zu mauern bei einer 2:1-Führung?

Wir versuchten, das 2:1 zu verteidigen – und konnten dabei unsere Prinzipien gar nicht verwerfen, weil wir überhaupt nicht mehr rauskamen. Für dieses Spiel stimmt der Vorwurf also nicht. Zudem sind wir überzeugt, dass unsere Spielanlage uns am meisten Punkte bringt.

Viele Punkte holt der FC St.Gallen im Moment aber nicht gerade.

In der kurzfristigen Betrachtung und punktemässig muss ich recht geben. In der Rückrunde haben wir bisher acht Zähler geholt. Das ist ungenügend. Gewinnen wir gegen die Grasshoppers, haben wir elf Punkte. Duplizieren wir das mit dem letzten Saisonviertel, sind wir bei 22 Punkten und damit einen Zähler hinter der Vorrunde. Aber man muss das Ganze sehen. Vor allem zu Beginn der Rückrunde zeigten wir klare Fortschritte im Vergleich zur Vorrunde.

Lugano und Luzern entsprachen dann nicht mehr unserem Anspruch. Damit war niemand zufrieden, wir sind dann die ersten, die sagen: So geht es nicht.

Was muss passieren, dass der FC St.Gallen von einer guten Saison spricht?

Dass wir in den restlichen Spielen so auftreten wie in den sechs guten Partien in der Rückrunde. Wenn wir so spielen, holen wir auch wieder Punkte.

Gibt es Selbstkritik?

Selbstverständlich. Wir analysieren ganz nüchtern.

Und dann erkennt man, dass man auf dem Transfermarkt aktiv werden muss? Es laufen 13 Verträge aus.

Ich mache meine Kaderplanung nicht öffentlich, auch wenn ich Pläne habe. Pläne, von denen ich weiss, dass einige scheitern können. Am Schluss gibt es dann eine Realität, die wir zusammenbringen und bekannt geben. Ablösesummen werden wir weiterhin keine bezahlen.

Im Winter war die Wasserstandsmeldung, dass Andreas Wittwer nicht weiterbeschäftigt wird. Haben Sie Ihre Meinung geändert?

Nochmals: Es gibt von mir keine öffentliche Personalpolitik. Mein Statement im Winter war keine Wasserstandsmeldung, sondern ein definitiver Entscheid.

Sie sagten, Peter Zeidler sei Ihr bester Transfer. Was überzeugt Sie an ihm?

Alles. Wie er arbeitet, wie er den Fussball sieht, wie er mit den Menschen und den Spielern umgeht, wie sein Umgang mit den Medien und in der Öffentlichkeit ist.

Man hört, er werde herumgeboten. Es könnte also sein, dass er dem FC St.Gallen abhandenkommt.

Ich bin Realist. Jeder Verein, der einen Trainer sucht, muss irgendwann auch auf den Namen Peter Zeidler stossen. Logisch ist er begehrt auf dem Markt, weil er einfach hervorragende Arbeit leistet. Nicht umsonst rufen mich viele Berater an, die ihre Spieler bei uns platzieren wollen. Dank Peter Zeidler bekommt der FC St.Gallen Spieler, die er sonst nicht erhalten würde. Es ist nicht selbstverständlich, dass er unser Trainer ist. Ich gehe jetzt aber nicht davon aus, dass Peter Zeidler im Sommer uns verlässt. Aber im Fussball gibt es keine absoluten Garantien.

Wenn Zeidler den Verein verlassen würde: Wie wäre das für Sie?

Ich würde das sehr bedauern, weil ich sehr gerne mit ihm zusammenarbeite. Und ich müsste einen neuen Trainer suchen. Aber das ist alles hypothetisch.

Ist es auch hypothetisch, dass Sie Sportmanager der Schweizer A-Nationalmannschaft werden? Der Name Alain Sutter wird gehandelt.

Zu Gerüchten nehme ich keine Stellung. Ich bin hier beim FC St.Gallen und nicht auf der Suche. Ich habe einen extrem herausfordernden Job, ich habe keine Kapazität, mich um anderes zu kümmern.

Wird der FC St.Gallen den Weg mit den Jungen weitergehen? Und auch Spieler verpflichten, deren Biografien nicht nur gradlinig verlaufen?

Stand jetzt wird das so sein, ja. Unser Weg ist in einem klaren finanziellen Rahmen vorgegeben. Ich habe mein Budget und die Vorgaben des Verwaltungsrates. Und es müssen weiter eigene Junge im Kader stehen. Danach richte ich mich. Es wäre natürlich einfacher, wenn ich lauter Guillaume Hoaraus holen könnte. Dann hätte ich als Sportchef einen relativ simplen Job. Mein Markt ist vom Geld bestimmt, ich habe nicht den ganzen Markt zur Verfügung. Wir müssen uns in anderen, realistischen Gefilden bewegen. Ich versuche, daraus das beste zu machen.

Fehlen dem FC St.Gallen aktuell die Persönlichkeiten?

Überhaupt nicht! Das würde implizieren, dass wir keine Persönlichkeiten hätten.

Jeder will nun hören, dass alles schlecht ist.

Im Gesamtkontext habe ich aber viele gute Dinge gesehen, mit vielen guten Spielern mit Potenzial, die aber noch in der Entwicklung stecken. Natürlich erwarte ich mehr. Du musst fähig sein, in Bern bei einer 2:1-Führung mehr Fussball zu spielen. Die Spieler, die das können, suche ich. Ich will diese Qualität sehen bei unseren Profis, dahin müssen sie kommen.

Aber Akteure mit dieser Fertigkeit kosten, es sei denn, man bringt sie selber heraus.

Ja, sie sind teuer. Deshalb wird es kaum passieren, dass wir Spieler holen, die das sofort können. Wir holen Fussballer, von denen wir überzeugt sind, dass wir sie dahinbringen. Und wir haben jetzt bereits Spieler, die wir so weit bringen können.

Wie geht es mit Tranquillo Barnetta weiter? Er wäre einer, der die geforderten Qualitäten vereint.

Das ist so. Bei ihm es so, dass er überlegt, ob er überhaupt noch weitermachen will.

Und was passiert mit den anderen?

Es war unser Entscheid, dass die Zeit von Philippe Koch beim FC St.Gallen endet. Einzig bei Alain Wiss haben wir unsere Haltung geändert. Wir wollen ihm die Möglichkeit geben, bei uns wieder in den Spielprozess zu finden. Wir wollten ihn nicht seiner Situation überlassen. Bei Majeed Ashimeru liegt der Entscheid bei Salzburg. Musah Nuhu und Axel Bakayoko würden wir gerne behalten, daran arbeite ich. Bei Leonel Mosevich müssen wir zuerst sehen, wohin er sich entwickelt. Simone Rapp wäre vom Profil her perfekt für uns, aber er gehört Lausanne.

Auf der rechten Verteidigerposition ist Nicolas Lüchinger ohne Konkurrenz.

Das stimmt, dort werden wir aktiv werden.

Die Partien heute gegen die Grasshoppers und am Samstag in Neuenburg bekommen plötzlich eine ungleich wichtige Note.

Wir müssen unsere Negativserie durchbrechen. Die Grasshoppers kommen mit dem Messer zwischen den Zähnen und kämpfen ums Überleben. Und sie haben Qualität. Rein tabellarisch ist diese Partie wegweisend, wir sind jetzt nur noch Achter.

Am Ende der Woche nach dem Spiel gegen Xamax wissen wir, wo es für uns hingeht. Realistisch gesehen können wir beide Partien gewinnen. Wir haben es in den Füssen. Aber wir müssen gut sein.

Zweifeln Sie nie an Ihrem Weg mit St.Gallen?

Kein Mensch ist ohne Zweifel. Aber es gehört zum Leben, dass man manchmal Dinge in Frage stellt.

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