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Kolumne

Gegentribüne: Ist der FC St.Gallen bereit für den Abstiegskampf?

Mit der Niederlage gegen Basel hat für den FC St.Gallen definitiv die Zitterphase begonnen. Das Hauptproblem besteht darin, dass Zeidlers optimistischer Fussball für den Abstiegskampf ungeeignet ist.
Fredi Kurth
Fredi Kurth auf der Gegentribuene der AFG-Arena, fuer neue Rubrik "Gegentribuene" auf Tagblatt-online.

Fredi Kurth auf der Gegentribuene der AFG-Arena, fuer neue Rubrik "Gegentribuene" auf Tagblatt-online.

5:0, 2:1, 9:1, 7:6, 6:3, 8:1, 7:5. Es sind die Eckballverhältnisse aus Sicht des FC St.Gallen in den vergangenen sieben Spielen, angefangen mit dem 5:0 und der 0:2-Niederlage gegen Lugano und vorerst beendet mit dem 7:5 gegen Basel und der 0:3-Niederlage gegen Basel.

Die Zahlen zeigen das Dilemma auf, das den FC St.Gallen fast schon durch die ganze Saison begleitet. Die positiven Cornerbilanzen entstanden meistens durch Pressingfussball oder rasches Umschalten, auf jeden Fall im Bemühen, den Gegner in der dessen Platzhälfte unter Druck zu setzen. Herausgeschaut hat wenig bis gar nichts, vor allem gegen Lugano und gegen Luzern (8:1) und nur ein 0:0 bei einem Cornerverhältnis von 9:1 gegen die Grasshoppers. Das ist die Hauptdiagnose, mit der wir uns nachstehend noch beschäftigen. Die Nebendiagnose ist: Der FC St.Gallen holt aus Eckbällen nicht einmal ein Minimum heraus.

Umfrage: Vermeidet der FC St.Gallen die Barrage? (Hinweis für unsere App-Nutzer: Klicken Sie auf «Dieses Element anzeigen», um zur Umfrage zu gelangen)

FC Basel – oder Fussball ist auch Spiel

Beginnen wir mit dem Spiel vom Sonntag. Das Geschehen verlief nur in Bezug auf die erste, wegweisende halbe Stunde typisch. Denn die beste Mannschaft der Rückrunde war individuell schlicht besser und gibt inzwischen unter Marcel Koller mannschaftlich ein sehr solides Bild ab. St.Gallen begann wiederum wild entschlossen, wirkte gefällig, doch Basel setzte im Fünfminutentakt Nadelstiche und ging mit der vierten Grosschance verdient in Führung. Man hatte nicht den Eindruck, dass hier eine der beiden Mannschaften um den Ligaerhalt bangen und erst einmal Safety first gelten müsste.

So entwickelte sich das Geschehen aussergewöhnlich attraktiv – wie fast immer beim Besuch des FC Basel. Der vormalige Serienmeister präsentiert eine Mannschaft, die Fussball gleichwertig als Spiel betrachtet und nicht wie die meisten Teams der sogenannten Super League primär als Lauf- und Kampfsportart.

Was sich ändern muss. . .

Auch St.Gallen kam am Sonntag zu Chancen, und vielleicht hätte der Ausgleich anstelle eines weiteren Lattentreffers, Pechvogel diesmal Simone Rapp, Zeidlers Leute doch noch auf eine höhere Ebene gehievt. Insgesamt aber wirkte St.Gallen wie eine Mannschaft, die über ihren Verhältnissen lebt. Das muss sich in den kommenden Spielen gegen die Grasshoppers (auswärts), Sion (daheim) und Lugano (auswärts) ändern.

Vor allem gegen GC kann sich der FC St.Gallen nicht leisten, dass ihm der Gegner hinter der eigenen Abwehrreihe davonläuft und ungehindert auf Dejan Stojanovic zusteuert, so wie das Luzern, Lugano und Thun gleich mehrfach in einem Spiel gelang. Die Zürcher sind angeschossen besonders gefährlich; ein Sieg könnte sie nochmals auf sechs Punkte an Xamax, das in Thun spielt, heranbringen. Aus GC-Optik befinden sich die St. Galler in beneidenswerter Lage.

Umfrage: Auf welchem Rang beendet der FCSG die Saison 2018/2019? (Hinweis für unsere App-Nutzer: Klicken Sie auf «Dieses Element anzeigen», um zur Umfrage zu gelangen)

Aber das ist noch dieser Barrageplatz, der auf diese Saison hin unnötigerweise wieder eingeführt worden ist und für die meisten Teams noch mehr Stress produziert. Am nächsten Samstag gilt: GC hat nichts mehr zu verlieren, St.Gallen zittert. Vor allem eines müssen sich die Ostschweizer bewusst sein: Im Abstiegskampf wird um jeden Meter gerungen und jede Mannschaft schaut darauf, zuerst einmal hinten bereit zu sein. Die Gegner warten nur, bis St.Gallen im Hurrastil nach vorne eilt und hinten die Schleusen öffnet.

. . . hat St.Gallen schon gezeigt

Die Chancen sind trotzdem intakt, denn St.Gallen hat nach der Winterpause einige Male auf realistischen Fussball gesetzt. So beim Sieg gegen Zürich (Corner 3:7 für Zürich), 1:1 in Basel (Corner 2:9 für Basel), beim 2:2 in Sion (Corner 8:8), beim 3:0 gegen Xamax (Corner 2:7), bei der unverdienten Niederlage gegen YB, beim glückhaften 1:0 in Neuenburg und beim 0:0 in Thun. Der FC St.Gallen kann Abstiegskampf, aber er muss sich darauf einstellen. Und für die Anhänger gilt: Jammern nützt wenig, anklagen nützt nichts, Mannschaft unterstützen könnte helfen.

Aufgefallen

Als ich vergangenen Mittwoch zu den Todesanzeigen hinüberblätterte, ertappte ich mich für den Bruchteil einer Sekunde beim Reflex, ob Tranquillo Barnetta auch schon aufgeführt sei. Vielleicht wäre vor ein paar Jahren die Niederschrift eines solchen Gedankens noch als pietätlos bezeichnet worden. Aber Tabus ändern sich. Vor gut einem Jahr hatte der bereits vom Tod gezeichnete Berner Stadtrat Alexander Tschäppät seinem Banknachbarn im Nationalrat, Matthias Aebischer, ebenfalls die Seite mit den Todesanzeigen aufgeschlagen und gesagt: «Erstaunlich, dass ich hier noch nicht erschienen bin.» Nun, es nimmt Gott sei dank lediglich der Fussballer Tranquillo Barnetta für immer Abschied, und natürlich ist dem erst 34-jährigen St.Galler noch ein langes Leben zu wünschen.

Sportskanonen, wenn sie nicht gerade Reiter oder Golfer sind, gelangen bald einmal an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit, und auch Menschen, die doppelt so alt sind wie er, haben mit etwas Glück immer noch ein Dasein vor sich so lange wie die Laufbahn eines Fussballstars. Der 75-fache Internationale gehört zu den Schwergewichten des Schweizer Fussballs Und das war nur möglich, indem er häufiger im Ausland spielte als für den FC St.Gallen. Von den aus der Region stammenden Fussballern vermochte ihm einzig Andy Egli (77 Länderspiele) die Stange zu halten.

Quillo hat sein Versprechen, am Schluss zu seinen Wurzeln zurückzukehren, wahr gemacht. So wie er jetzt spielt, wird er schwer zu ersetzen sein. Aber aus seiner Sicht zählt: Besser ich gehe, wenn ich so in guter Erinnerung bleibe. In seinem Interview, einer ersten Reaktion auf seine Ankündigung, lohnte sich besonders, nicht nur die Titelzeilen, sondern auch das Normalgedruckte zu lesen. Da drang unverhüllte Kritik an der sportlichen Leitung durch und somit tiefe Enttäuschung über die anfänglich reservierte Haltung ihm gegenüber. Peter Zeidler versuchte an der Medienkonferenz vor dem Basel-Spiel den Schaden in Grenzen zu halten. Gegen Basel zeigte Barnetta, wie sehr er dem FC St.Gallen helfen möchte und dass er dazu imstande ist. Tranquillo Barnetta war kein Weltstar von brillanter Klasse à la Messi oder Maradona, aber er packte seine überdurchschnittliche Technik in enorme läuferische Qualitäten. Das ergab einen Spieler, der im Schweizer Fussball eine aussergewöhnliche Stellung einnimmt, einen ohne Allüren und einen, der auch von Verbandsseite noch eine Würdigung verdient hätte.

Braucht es eine neue Beurteilung für Handspiel?

Wieder einmal gab ein Elfmeterentscheid wegen Handspiels zu reden. Diesmal konnte Schalke im Revierderby in Dortmund durch ein Fehlurteil des Schiedsrichters zum 1:1 ausgleichen. Das Tragische bestand darin, dass der Spielleiter erst durch den Videoassistenten auf die heikle Situation aufmerksam gemacht wurde und niemand im Stadion Julian Weigls Intervention mit der Hand wahrgenommen hatte. Es ging einfach zu rasch. Nun hätte der Schiedsrichter immer noch auf seinen ursprünglichen Nichtentscheid zurückkommen können. Doch er sagte, der Arm des fehlbaren Spielers war gespreizt. Das traf zu: 1 Argument für den Schiedsrichter. Doch es gab 3 weitere dagegen: a) Schuss aus kurzer Distanz, b) natürliche Abwehrbewegung und c) als Schlussfolgerung: keine Absicht.

Welches Argument allenfalls prioritär zu werten ist, darüber wechseln gefühlt die Anweisungen jeden Monat einmal. Da es hier offensichtlich keine befriedigenden Lösungen gibt, wäre eine grundsätzlich neue Beurteilung für Handspiel prüfenswert: Elfmeter gibt es nur, wenn eindeutige Absicht oder fahrlässiges Handeln (wie Arm schon lange in der Luft vorliegt) und wenn mit dem Handspiel, wie auch immer, ein Tor verhindert wird (diese letzte Richtlinie gilt ab neuer Saison schon). In den zweifelshaften Fällen könnte ein Schiedsrichter statt Elfmeter indirekten Freistoss im Strafraum geben. Das würde die Bedeutung eines zufälligen Händevergehens in eine vernünftigere Relation setzen. (th)

Mehr zur St.Galler Niederlage gegen den FCB:

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