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Mobbing, Stimmungsmache und Trainingsausschluss: So verlief die Gerichtsverhandlung zwischen Nassim Ben Khalifa und dem FC St.Gallen

Der FC St.Gallen und sein Angreifer Nassim Ben Khalifa liegen übers Kreuz. Der 27-Jährige, der in den sportlichen Planungen der Ostschweizer keine Rolle mehr spielt, sieht seine Rechte als Arbeitnehmer verletzt. Der grosse Streitpunkt: Die St.Galler lassen Ben Khalifa nicht mehr an den Abschlusstrainings teilnehmen.
Daniel Walt
Nassim Ben Khalifa und der FC St.Gallen - eine Geschichte mit vielen Misstönen. (Bild: Michel Canonica)

Nassim Ben Khalifa und der FC St.Gallen - eine Geschichte mit vielen Misstönen. (Bild: Michel Canonica)

«Er wird isoliert, ignoriert, aus dem Mannschaftsgefüge ausgeschlossen. Das ist relationales Mobbing.»

Das sagte Kai Ludwig, Rechtsvertreter von FCSG-Angreifer Nassim Ben Khalifa, am Freitagmorgen vor dem St.Galler Kreisgericht. Ludwig hat vor Jahren bereits GC-Spieler Vero Salatic in einem Streitfall gegen dessen eigenen Club vertreten. Die Hoppers hatten ihren Captain nach diversen Querelen vom Trainingsbetrieb suspendiert - der Spieler erzwang die Rückkehr ins Training auf rechtlichem Weg.

Im Fall von Espe Nassim Ben Khalifa geht es um einen bereits seit Monaten schwelenden Konflikt zwischen dem Spieler und dem Verein. Kurz vor Transferschluss beschieden die Ostschweizer Ben Khalifa im vergangenen August, er könne sich trotz eines Vertrags bis 2020 einen neuen Verein suchen. Ein Wechsel kam aber nicht zustande.

Ben Khalifa spielte im Herbst noch einige Male - zuletzt am 1. Dezember beim 0:2 in Thun. In der Folge eskalierte der Streit zwischen dem 27-Jährigen und seinem Arbeitgeber in einem monatelangen Hickhack dann derart, dass sich die Parteien am Freitag vor dem Kreisgericht St.Gallen wiederfanden.

Nassim Ben Khalifa (1.von rechts) auf dem Weg zum Kreisgericht St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Nassim Ben Khalifa (1.von rechts) auf dem Weg zum Kreisgericht St.Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Von Abschlusstrainings ausgeschlossen

Nassim Ben Khalifa forderte vor Gericht, er sei wieder ins Kader und ins Training der ersten Mannschaft zu integrieren. Die Vorwürfe: Der Spieler sei mehrfach teils einschneidend vom Trainingsbetrieb der ersten Mannschaft ausgeschlossen worden, so etwa vom Trainingslager, von Taktikschulungen und Videobesprechungen. Auch von gewissen medizinischen Dienstleistungen habe er teils nicht mehr profitieren können. Einmal habe sich der Spieler zudem in der Schiedsrichter-Garderobe umziehen müssen und sei dort prompt von einer Besuchergruppe überrascht worden, als er aus der Dusche gekommen sei.

Hauptstreitpunkt der Verhandlung war die Frage, ob der FC St.Gallen Nassim Ben Khalifa die Teilnahme an den Abschlusstrainings unmittelbar vor den Ernstkämpfen zu Recht verweigert. Während der Club argumentierte, dieses sei grundsätzlich auf 22 Spieler beschränkt und Ben Khalifa könne nicht mehr mitmachen, weil er sportlich keine Rolle mehr spiele, steht für Ben Khalifas Rechtsvertreter Kai Ludwig fest:

«Peter Zeidler kann seine Abschlusstrainings gestalten, wie er will. Es haben aber alle 25 Kaderspieler das Recht, daran teilzunehmen.»

«Für Mobbing ist beim FCSG kein Platz»

Der Anwalt des FC St.Gallen betonte zunächst, die blosse Nichtteilnahme von Ben Khalifa an den Abschlusstrainings stelle keine Verletzung der Beschäftigungsansprüche des Spielers dar. In dieser Zeit habe Ben Khalifa die Möglichkeit, ein separates Training zu absolvieren.

Im Abschlusstraining würden auf den Gegner abgestimmte Spielsituationen eingeübt. Da sei es klar, dass Spieler, die nicht im Aufgebot stünden, nicht daran teilnähmen. Für den Entscheid des Trainers seien rein sportliche Gründe ausschlaggebend, zumal Ben Khalifa auch mehrfach betont habe, den Verein verlassen zu wollen. Der Anwalt weiter:

«Ben Khalifa scheint Mühe zu haben, wenn die Einschätzungen der Teamverantwortlichen nicht mit seinen eigenen übereinstimmen. Es mag frustrierend sein, wenn man nur auf der Tribüne sitzt. Mobbing ist das aber nicht. Für Mobbing ist beim FC St.Gallen kein Platz.»

Manchmal sind es mehr als 22

Bei der Befragung von FCSG-Trainer Peter Zeidler und Sportchef Alain Sutter ging es vor allem um die Ausgestaltung der Abschlusstrainings und die Frage, wer dort jeweils dabei ist - oder vielmehr: wer dort eben nicht dabei sein darf. Peter Zeidler sagte, Teil des Abschlusstrainings sei jeweils ein Spiel 11 gegen 11.

«Da wir etwas mehr sind, wollte ich Klarheit haben und sagte: Nassim, du machst da nicht mehr mit.»

Auf die Frage des Einzelrichters, was mit jenen Spielern sei, die überzählig seien, antwortete Zeidler, meistens gehe es auf, dass genau 22 Spieler am Abschlusstraining dabei seien. Allfällige zusätzliche Spieler könnten mitmachen und den ersten Teil absolvieren, nicht aber den Hauptteil.

Auch Sportchef Alain Sutter sagte aus, es gebe Fälle, in denen noch der eine oder andere Joker und damit mehr als 22 Spieler dabei seien. Ben Khalifa seinerseits bekomme jeweils ein spezielles Trainingsprogramm für diesen Tag, betonte auch der Sportchef.

«Ich habe nie Probleme gemacht»

Auch der Spieler selbst ergriff in der Verhandlung das Wort. Er habe nie Probleme gemacht und fühle sich durch die erwähnten Einschränkungen nicht mehr als Spieler der ersten Mannschaft, sagte er. Das Abschlusstraining sei das wichtigste Training, da könne man sich noch einen Platz im Team erkämpfen, und es gehe um Taktik und das Einüben von Standards.

Auf die Frage, wer am Abschlusstraining teilnehmen könne, bekräftigte Ben Khalifa:

«Alle ausser ich.»

Sogar der zwischenzeitlich ebenfalls aussortierte Philippe Koch, der nicht einmal mehr auf der Kontingentsliste gestanden sei, sei nicht wie er von den Abschlusstrainings ausgeschlossen worden, so Ben Khalifa.

«Das Leben so schwer wie möglich gemacht»

Der Anwalt des Clubs sprach während der Verhandlung von einer «Stimmungsmache» gegen den FC St.Gallen. Er hielt fest, es seien einzig sportliche Gründe, weshalb der Trainer entschieden habe, dass Ben Khalifa nicht mehr an den Abschlusstrainings teilnehmen dürfe. Der Verein sehe keine Ansprüche verletzt, die Einschränkung für Ben Khalifa bezüglich der Nichtteilnahme an den Abschlusstrainings sei klein.

Derweil machten die Rechtsvertreter des Spielers geltend, im Abschlusstraining gehe es um weit mehr als das Spiel 11 gegen 11. Jedes Training zähle, jedes verpasste Training stelle einen Nachteil dar. So entgingen Ben Khalifa jegliche Chancen auf einen Spieleinsatz, er habe Lohneinbussen, und ein vorzeitiger Transfer werde faktisch verunmöglicht. Der FC St.Gallen habe versucht, ihn dazu zu animieren, den Club zu verlassen, und ihm das Leben deshalb so schwer wie möglich gemacht. Die Aussagen von Peter Zeidler und Alain Sutter hätten klar gezeigt:

«Nassim Ben Khalifa ist der einzige Profispieler im Kader des FC St.Gallen, der ohne nachvollziehbaren Grund von den Abschlusstrainings ausgeschlossen wird.»

Der Einzelrichter seinerseits liess bereits während der Verhandlung durchblicken, dass er im vorliegenden Fall eine Verletzung des Beschäftigungsanspruchs durch den Ausschluss vom Abschlusstraining eher nicht sehe. Es könne allerdings das Prinzip der Gleichbehandlung verletzt worden sein.

Das Urteil im Fall ergeht schriftlich.

Der Ticker aus dem Gerichtssaal zum Nachlesen:

12:02 Uhr

Der Richter schliesst die Verhandlung. Das Urteil wird den Parteien schriftlich eröffnet. Und zwar allenfalls schon heute. Wir bleiben auf jeden Fall dran und danken Ihnen fürs Mitlesen im Ticker.

11:59 Uhr

Laut dem FCSG-Anwalt liegt keine Diskriminierung vor. Wenn im Abschlusstraining zusätzliche Spieler da seien, dann solche, die näher dran seien als Ben Khalifa. Es gebe keine persönlichen Vorbehalte gegen den Spieler.

«Der Trainer hat sich entschieden, und zwar nicht aufgrund einer persönlichen Aversion, sondern aufgrund sportlicher Gründe.»

Es sei sicher nicht angenehm für einen Spieler, wenn ihm gesagt werde, dass er keine Rolle mehr spiele, so der FCSG-Anwalt weiter. Das gebe es aber auch bei anderen Clubs. Der FCSG sehe keine Ansprüche verletzt, die Einschränkung für Ben Khalifa bezüglich der Nichtteilnahme am Abschlusstraining sei klein.

11:53 Uhr

Jetzt geht es an die Beweiswürdigung. Der Vertreter von Nassim Ben Khalifa betont, im Abschlusstraining gehe es nicht nur um dieses ominöse 11 gegen 11. Zeidlers Aussagen hätten klar gezeigt:

«Nassim Ben Khalifa ist der einzige Profispieler im Kader des FCSG, der ohne nachvollziehbaren Grund von den Abschlusstrainings ausgeschlossen wird.»

11:46 Uhr

Die Verhandlung wird jetzt nochmals für fünf Minuten unterbrochen.

11:36 Uhr

Nun betritt FCSG-Sportchef Alain Sutter den Gerichtssaal. Auch er wird befragt werden. Er schildert seine Beziehung zu Ben Khalifa als «ganz normal».

Wieder kommt die Rede aufs Abschlusstraining. Alain Sutter hält fest, es gehe dabei um die finale Vorbereitung der nächsten Partie. «Bei Peter Zeidler ist es so, dass er immer ein Abschlussspiel macht mit 11 gegen 11. 20 Feldspieler sind dabei, die Überzähligen meistens nicht.» Es gebe aber Fälle, wo noch ein oder zwei Joker dabei seien, so Sutter.

Es sei der Trainer, der entscheide, wer im Abschlusstraining dabei sei, antwortet Alain Sutter auf eine entsprechende Frage. Keine Stellung nimmt er auch zur Frage, wann entschieden werde, wer zum Spiel mitgenommen werde - das sei Sache des Trainers.

Auf die Frage, weshalb Nassim Ben Khalifa nicht an Abschlusstrainings teilnehmen dürfe, sagt Alain Sutter:

«Der Trainer hat entschieden, dass Nassim jeweils keine Rolle spielt für das Spiel und überzählig ist. Aus diesem Grund nominiert er ihn auch nicht für die Abschlusstrainings.»

Ben Khalifa bekomme jeweils ein Trainingsprogramm für diesen Tag.

Ob es auch andere Spieler gebe, die nicht teilnehmen dürften am Abschlusstraining, fragt der Einzelrichter. Sutter: «Jene, die bei der U21 sind.»

11:18 Uhr

Jetzt kommt der Auftritt von Peter Zeidler. Der Trainer des FC St.Gallen, mittlerweile eingetroffen, wird ebenfalls angehört. «Wir schauen uns jeden Tag in die Augen, geben uns die Hand, begrüssen uns», antwortet Peter Zeidler auf die Frage, wie sein Verhältnis zu Ben Khalifa sei. Es gebe einen ganz gewöhnlichen beruflichen Kontakt. Einzelgespräche mit ihm führe er im Moment nicht, weil Ben Khalifa für die Partien keine Rolle spiele.

Ben Khalifa bekomme in jedem Training seine Rolle - ausser im Abschlusstraining, wo es um die konkrete taktische Vorbereitung auf die nächste Partie gehe. Die Mannschaft, die mit grösster Wahrscheinlichkeit in der nächsten Partie auflaufen werde, spiele gegen einen Sparringspartner. «Ich will nur mit 22 Spielern etwas machen. Deshalb ist Nassim nicht dabei. Mit dabei sind 20 Feldspieler und zwei Torhüter.» Das Kader an sich umfasse zwei, drei Spieler mehr, in der letzten Zeit sei es aber immer in etwa aufgegangen.

Der Richter will jetzt wissen, wie viele Spieler am Abschlusstraining teilnehmen, wenn alle Spieler fit sind. Zeidler wiederholt, meistens gehe es auf, dass genau 22 Spieler am Abschlusstraining teilnähmen.

Wieso wurde beschlossen, dass Ben Khalifa generell nicht mehr am Abschlusstraining mitmachen kann? Peter Zeidler:

«Wir wollen A gegen B spielen, das heisst 11 gegen 11. Da wir etwas mehr sind, wollte ich Klarheit haben und sagte: Nassim, du machst da nicht mehr mit.»

Der Richter hakt nach: «Sie haben mehr Spieler zur Verfügung als die 22. Was ist mit denjenigen, die überzählig sind?» Zeidler antwortet, die könnten schon dabei sein und den ersten Teil mitmachen, nicht aber den Hauptteil des Abschlusstrainings.

11:09 Uhr

Jetzt geht es ums Abschlusstraining. Ben Khalifa sagt, dieses sei sehr intensiv, man könne sich noch einen Platz im Team erkämpfen. «Für mich ist es das wichtigste Training. Man macht Taktik, übt Standards ein - es ist das Lieblingstraining von allen.»

Wer am Abschlusstraining teilnehme, fragt der Richter. Ben Khalifa antwortet:

«Alle ausser ich.»

Auch Philippe Koch habe jeweils daran teilnehmen können, obwohl er eine Zeitlang nicht mehr auf der Kontingentsliste gestanden sei.

Ben Khalifa bot nach eigenem Bekunden an, dann für sich zu trainieren, wenn es im Abschlusstraining jeweils um die Taktik für das nächste Spiel gehe - auch das sei abgelehnt worden. Laut Ben Khalifa machen auch jene Spieler, die in der nächsten Partie nicht einmal auf dem Matchblatt stehen, ganz normal im Abschlusstraining mit - ausser er.

Auf die Frage, weshalb er der einzige der ganzen Kontingentsliste sei, der nicht am Abschlusstraining teilnehmen könne, antwortet Ben Khalifa: Im vergangenen August habe man ihm mitgeteilt, dass er nicht im Kader für die kommende Partie stehe und dass man ihm keine Steine in den Weg lege, wenn er gehen wolle. So habe alles angefangen.

11:07 Uhr

Die erste Frage ist, wie die Beziehung Ben Khalifas zu Peter Zeidler und Alain Sutter sei. Sie sei gut, antwortet der Spieler, es sei nie etwas vorgefallen. Vor der Verhandlung habe er aber nicht mehr mit den beiden gesprochen.

11:04 Uhr

Der Einzelrichter hält fest, es gehe jetzt an die Befragung von Nassim Ben Khalifa. Zudem will er der Frage nachgehen, wie das Abschlusstraining organisiert ist - es gehe darum zu schauen, ob diesbezüglich die Gleichbehandlung verletzt werde.

Eine Verletzung des Beschäftigungsanspruchs durch die Nichtteilnahme am Abschlusstraining sieht der Richter fürs erste nicht, wie er sagt.

10:37 Uhr

Die Verhandlung wird bis 11.05 Uhr unterbrochen. Danach wird der Einzelrichter bekanntgeben, wie es weitergeht.

10:34 Uhr

Der FCSG-Anwalt hat jetzt nochmals das Wort. Er spricht von einer «Stimmungsmache» gegen den FC St.Gallen, die hier im Gange sei. Den Anspruch Ben Khalifas, für Testspiele aufgeboten zu werden, bestreitet er. Seit Ende Februar könne der Spieler zudem wieder an allen Trainings teilnehmen ausser an den Abschlusstrainings.

Die Behauptung von Ben Khalifas Rechtsvertretern, der FCSG habe dem Spieler zuerst nahegelegt, einen neuen Club zu suchen, weist der Anwalt zurück. «Ben Khalifa war dreimal bei Alain Sutter im Büro, um ihm zu sagen, dass er weg will.»

10:30 Uhr

Jetzt hat Nassim Ben Khalifa das Wort. Er sagt, die ganze Situation sei für ihn schwierig zu akzeptieren. Er merke, dass es die Angestellten des FC St.Gallen vermieden, mit ihm zu reden - sie hätten Angst, dass sie beispielsweise von Alain Sutter dabei gesehen würden. «Ich fühle mich so nicht mehr als Spieler der ersten Mannschaft», sagt Ben Khalifa.

Gegenüber der Mannschaft werde behauptet, er wolle nicht mehr für den FCSG spielen, sagt Ben Khalifa weiter - man bringe das Team gegen ihn auf. Er sei enttäuscht, Probleme habe er nie gemacht.

10:23 Uhr

Jetzt nimmt Kai Ludwig Stellung zur Anspielung des FCSG-Anwalts auf die Anzahl Clubs, für die Nassim Ben Khalifa schon aufgelaufen ist:

«Ich habe mir die Mühe gemacht und nachgeschaut, für wie viele Clubs Alain Sutter in seiner Karriere gespielt hat. Es waren neun. Und der FCSG ist für Peter Zeidler auch schon die sechste Station als Trainer.»

Aus der Anzahl Transfers darauf zu schliessen, ob es sich um einen Problemspieler handle oder nicht, ist für Kai Ludwig unzulässig. «Auf dieses Niveau sollten wir uns nicht begeben. »

10:21 Uhr

Zum Thema verweigerte medizinische Behandlungen nimmt Kai Ludwig Bezug auf eine Whatsapp-Nachricht von FCSG-Sportchef Alain Sutter. Darin habe Sutter Ben Khalifa gebeten, die Physiotherapie nicht in Anspruch zu nehmen.

10:15 Uhr

«Selbstverständlich ist der Entscheid von Herrn Zeidler, jemanden spielen zu lassen oder nicht, zu akzeptieren», sagt Kai Ludwig weiter. Er betont, es gehe um das Recht des Spielers, an allen Trainings teilzunehmen.

Es wäre für alle Beteiligten das Beste gewesen, wenn es zu einem Transfer Ben Khalifas gekommen wäre, so Ludwig weiter. Das habe sich aber nicht realisieren lassen. Der FCSG habe die Schraube in der Folge immer weiter angezogen. «Man wollte ihn dazu animieren, den Club zu verlassen - deshalb hat man ihm das Leben so schwer wie möglich gemacht.»

10:08 Uhr

Die Wechselabsicht sei im Übrigen nicht von Ben Khalifa ausgegangen, fährt Kai Ludwig fort Der FCSG habe dem Spieler zuerst nahegelegt, sich einen neuen Club zu suchen, weil er sportlich keine Rolle mehr spiele. Erst dann habe Ben Khalifa begonnen, sich nach einem neuen Club umzusehen.

Zum Ruf Ben Khalifas als Problemspieler hält Kai Ludwig fest, es sei von der Gegenseite heute nichts vorgetragen worden, das darauf hindeute, dass der Spieler Trainings oder den Betriebsfrieden gestört hätte.

Das Recht des Trainers auf freie Gestaltung des Abschlusstrainings stellt Kai Ludwig nicht in Frage. Für ihn steht aber fest: Alle 25 Kaderspieler haben das Recht, daran teilzunehmen. Er widerspricht auch dem FCSG-Anwalt, der gesagt hatte, am Abschlusstraining nähmen nur 20 Feldspieler und zwei Goalies teil:

«Von den 25 Kaderspielern nehmen 24 am Abschlusstraining teil. Einzig Nassim Ben Khalifa nicht.»

10:01 Uhr

Jetzt hat Kai Ludwig, der bereits Vero Salatic in einem ähnlichen Streifall gegen GC vertreten hatte, das Wort. Er findet, der FCSG-Anwalt habe die Bedeutung der Abschlusstrainings heruntergespielt. So absolviere Ben Khalifa beispielsweise gerade in englischen Wochen praktisch nur noch Trainings auf dem Laufband. Am Abschlusstraining hänge viel mehr daran als nur eine Einheit von etwas über einer Stunde.

Speziell vor dem Hintergrund der ständig wechselnden Vorgehensweisen des FC St.Gallen in Sachen Nassim Ben Khalifa («man überlegt es sich alle drei Tage anders») stelle der Ausschluss vom Abschlusstraining eine Pflichtverletzung seitens des Vereins dar. Kai Ludwig spricht von einer belastenden Situation für Ben Khalifa, der sogar die Hilfe eines Mentalcoaches habe in Anspruch nehmen müssen. Er sagt:

«Er wird isoliert, ignoriert, aus dem Mannschaftsgefüge ausgeschlossen. Das ist relationales Mobbing.»

09:56 Uhr

In der Folge legt der Anwalt des Spielers detailliert den offenbar monatelang dauernden Hickhack zwischen Ben Khalifa und dem FCSG dar; er sei teils zum Training der ersten Mannschaft zugelassen und dann wieder ausgeschlossen worden. Der Rechtsvertreter berichtet zudem, dass sich Ben Khalifa einmal in der Schiedsrichter-Garderobe habe umziehen müssen. Er sei dabei von einer Besuchergruppe überrascht worden, als er aus der Dusche gekommen sei.

09:46 Uhr

Ben Khalifas Rechtsvertreter hält an der Eingabe vom März fest: Ben Khalifa sei wieder ins Kader und ins Training der ersten Mannschaft zu integrieren.

Der FC St.Gallen komme dem Beschäftigungsanspruch Ben Khalifas nur unzureichend nach, hält der Anwalt fest. Er führt drei Punkte auf:

  1. Vom 15. Dezember 2018 bis zum 20. März 2019 sei Ben Khalifa mehrfach teils einschneidend vom Trainingsbetrieb der ersten Mannschaft ausgeschlossen worden: beispielsweise vom Trainingslager, von Taktikschulungen und Videobesprechungen.
  2. Weiterhin sei Ben Khalifa kategorisch vom immens wichtigen Abschlusstraining ausgeschlossen. Das führe dazu, dass er teils nur ein bis zwei ordentliche Trainings pro Woche mitmachen könne.
  3. Am 20. März 2019 habe Ben Khalifa nicht am Testspiel gegen Heidenheim teilnehmen dürfen. Dies zu einem Zeitpunkt, als der FCSG bereits Glauben gemacht habe, der Spieler könne einzig am Abschlusstraining nicht mehr teilnehmen.

Weiter sagt der Anwalt:

«Jedes Training zählt, jedes verpasste Training stellt einen Nachteil dar.»

So entgehe Ben Khalifa jegliche Chance auf einen Spieleinsatz, obwohl sein Vertrag noch bis 2020 laufe. Die Folgen seien eine Lohneinbusse, und ein vorzeitiger Transfer zu einem anderen Club werde verunmöglicht.

09:39 Uhr

Es geht weiter. Einer der beiden Rechtsvertreter von Nassim Ben Khalifa hat jetzt das Wort.

09:26 Uhr

Während sich Ben Khalifa mit seinen Rechtsvertretern berät, fassen wir die Argumentation des FC St.Gallen kurz zusammen: Die sportliche Leitung setzt nicht mehr auf den Angreifer, der mehrfach seine Abwanderungsgelüste kundgetan hat. Deshalb kann Ben Khalifa nicht mehr an den Abschlusstrainings teilnehmen - wie andere Spieler auch, die nicht im Kader für die jeweiligen Partien stehen.

Der FCSG sieht in diesem Schritt keinerlei Pflichtverletzung. Demgegenüber könne Ben Khalifa ansonsten mit der ersten Mannschaft trainieren und auch auf medizinische Betreuungsleistungen zurückgreifen.

09:23 Uhr

Auf Antrag der Rechtsvertretung von Nassim Ben Khalifa wird die Verhandlung jetzt für 15 Minuten unterbrochen.

09:18 Uhr

Dass Ben Khalifa den Ruf eines Problemspielers habe, will der FCSG-Anwalt nicht näher beurteilen. Er verweist einzig auf die zahlreichen Clubs, für die der Angreifer schon auflief - das zeigt laut dem Anwalt den Hang Ben Khalifas, sich immer wieder zu verändern.

In der Folge fügt er an:

«Ben Khalifa scheint Mühe zu haben, wenn die Einschätzungen der Teamverantwortlichen nicht mit seinen eigenen übereinstimmen. Es mag frustrierend sein, wenn man nur auf der Tribüne sitzt. Mobbing ist das aber nicht. Für Mobbing ist beim FC St.Gallen kein Platz.»

09:17 Uhr

Der Anwalt weist den Vorwurf klar zurück, Ben Khalifa seien medizinische Behandlungen verwehrt worden. Das sei zu keinem Zeitpunkt der Fall gewesen. «Auch bei geringfügigen Verletzungen wurde er sofort behandelt.»

09:15 Uhr

Dass Ben Khalifa - wie beispielsweise auch Philippe Koch - nicht am Trainingslager im Winter teilgenommen habe, habe er akzeptiert, so der FCSG-Anwalt.

09:06 Uhr

Zunächst hat der Rechtsvertreter des FC St.Gallen das Wort. Er sagt, es sei einzig und allein die Frage zu beantworten, ob Ben Khalifas Trainingsbedingungen, wie sie aktuell gegeben seien, seinen Beschäftigungsansprüchen entsprächen.

Laut dem FCSG-Anwalt hat der Gesuchsteller eine einzige Einschränkung: Er sei bloss an den Abschlusstrainings nicht dabei. Er könne alle Trainings besuchen und auch medizinische Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Der Anwalt fügt an:

«Dass er an den Videoanalysen nicht teilnimmt, ist sein Entscheid. »

Für den Anwalt steht fest: Die blosse Nichtteilnahme am Abschlusstraining - es handelt sich um eine einzige Einheit pro Woche - stellt keine Verletzung der Beschäftigungsansprüche dar. In dieser Zeit habe Ben Khalifa die Möglichkeit, ein separates Training zu absolvieren.

Bei der Gestaltung des Abschlusstrainings habe der Trainer freie Hand - es gebe immer wieder auch andere Spieler, die nicht daran teilnehmen könnten. Hintergrund: Im Abschlusstraining würden auf den Gegner abgestimmte Spielsituationen eingeübt, da sei es klar, dass Spieler, die nicht im Aufgebot stünden, nicht daran teilnähmen. Ben Khalifa habe zudem wiederholt, wie auch diversen Medienberichten zu entnehmen sei, klargemacht, dass er den FCSG verlassen wolle.

09:05 Uhr

Vom FC St.Gallen ist zu Beginn der Verhandlung weder Präsident Matthias Hüppi noch Sportchef Alain Sutter im Gerichtssaal zugegen. Der Verein lässt sich durch seinen Rechtsanwalt vertreten.

09:01 Uhr

Der Einzelrichter geht auf Ben Khalifas Gesuch vom vergangenen 13. März ein. In diesem fordert er, unverzüglich wieder ins Kader und ins Training der ersten Mannschaft integriert zu werden.

09:00 Uhr

Die Verhandlung startet pünktlich. Eins lässt sich bereits jetzt sagen: Es hat mehr Medienvertreter als gewöhnliche Besucher...

08:56 Uhr
Vor dem Kreisgericht: Nassim Ben Khalifa (ganz rechts) trifft zur Verhandlung ein. (Bild: Benjamin Manser)

Vor dem Kreisgericht: Nassim Ben Khalifa (ganz rechts) trifft zur Verhandlung ein. (Bild: Benjamin Manser)

08:50 Uhr

Über die genauen Hintergründe des Streits wird an der heutigen Gerichtsversammlung sicherlich mehr zu erfahren sein. Fest steht: Letztmals für den FC St.Gallen lief Nassim Ben Khalifa am vergangenen 1. Dezember bei der 0:2-Niederlage in Thun auf. Der Angreifer wurde nach 75 Minuten ausgewechselt. In der Folge stand Ben Khalifa dann nicht mehr im Aufgebot. Im Winter äusserte er laut diversen Medienberichten dann wiederholt Wechselgelüste – zu einem Transfer kam es allerdings nicht.

Es kursieren Informationen, wonach der FC St.Gallen Ben Khalifa in der Folge die Teilnahme an einzelnen Trainings und punktuell den Zugang zu medizinischen Dienstleistungen verwehrt habe. Ben Khalifas Anwalt Kai Ludwig hielt am Mittwoch vor dem Prozess gegenüber dem «Tagblatt» fest:

«Nassim Ben Khalifa hat einen vertraglichen Anspruch auf eine rechtmässige Beschäftigung beim FC St.Gallen und auf das Training mit der ersten Mannschaft. [...] Er wird von gewissen Trainings und Besprechungen ausgeschlossen.»

Matthias Hüppi, Präsident des FC St.Gallen. (Bild: Freshfocus)

Matthias Hüppi, Präsident des FC St.Gallen. (Bild: Freshfocus)

Der FC St.Gallen seinerseits weist die Vorwürfe zurück. Präsident Matthias Hüppi erinnert daran, dass Ben Khalifa mehrfach den Wunsch geäussert habe, den Club zu verlassen. Man habe ihm dabei keine Steine in den Weg gelegt und seinem Wunsch entsprochen, doch ein Wechsel sei nicht zustande gekommen. Hüppi weiter:

«Der FC St.Gallen kommt seinen vertraglichen Verpflichtungen nach und offeriert Nassim Ben Khalifa ein Training unter professionellen Bedingungen.»

Hüppi fügte noch einen weiteren Punkt an: «Es ist logisch, dass ein Spieler mit deutlich formulierten Abwanderungsgedanken für die sportliche Leitung keine Rolle mehr spielt in Bezug auf Einsätze mit der ersten Mannschaft.»

08:46 Uhr

«Nur ich allein bin schuld, wenn es nicht läuft». Das betonte Nassim Ben Khalifa, Stürmer des FC St.Gallen, Anfang 2017 in einem Porträt für das «St.Galler Tagblatt». Ob sich der 27-Jährige auch jetzt, etwas über zwei Jahre später, noch so äussern würde, ist unklar, zumal er seit längerem nicht mehr mit den Medien spricht.

Noch bis 2020 beim FCSG unter Vertrag: Nassim Ben Khalifa. (Bild: Ralph Ribi)

Noch bis 2020 beim FCSG unter Vertrag: Nassim Ben Khalifa. (Bild: Ralph Ribi)

Fest steht eins: Das Tischtuch zwischen dem Angreifer und den Ostschweizern ist seit Monaten zerschnitten. Nun ist der Streit sogar derart eskaliert, dass er zum Gerichtsfall geworden ist: Ben Khalifa – er spielt seit 2017 bei den Espen und verfügt noch über einen Kontrakt bis 2020 – sieht seine Rechte als Arbeitnehmer verletzt. Heute kommt es zur Verhandlung vor dem St.Galler Kreisgericht. In diesem Sinne: Herzlich willkommen zum Liveticker!

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