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Liga eröffnet Verfahren: Foulte Daprelà Itten mit Absicht? +++ Hüppi und Sutter sauer +++ Daprelà entschuldigt sich mit Videobotschaft

Das Schicksal Cedric Ittens lässt nicht kalt. Niemand kann abschätzen, wie schwer der Kreuzbandriss des 21-jährigen Stürmers für die Zukunft wiegt. Zudem gilt der Verursacher als Wiederholungstäter. Der Verband hat bereits ein Verfahren eingeleitet.
Christian Brägger
Mit gestrecktem Bein trifft Daprelà das Knie von Cedric Itten. (Bild: SRF Sport)

Mit gestrecktem Bein trifft Daprelà das Knie von Cedric Itten. (Bild: SRF Sport)

Fabio Daprelà, der am Sonntag nach der Pause seinen Gegenspieler Cedric Itten regelrecht niedergestreckt hat, wird von Exponenten des FC St. Gallen eine mögliche Absicht unterstellt. St. Gallens Sportchef Alain Sutter sagte, es gebe im Prinzip nur die eine Lösung: man müsse den Tessiner Verteidiger für eine lange, lange Zeit sperren. Auf dem Platz wurde Fabio Daprelà nicht bestraft. Schiedsrichter Lionel Tschudi erklärt seinen Fehler folgendermassen:

«Leider war mein Augenmerk vorauseilend auf den Ball gerichtet und nicht mehr auf den sich daraus entwickelnden Vorfall.»

Der traurige Vorfall werde ihm eine Lehre sein, so der Unparteiische gegenüber Watson. Für sein Einsteigen mit gestrecktem Bein gegen FCSG-Stürmer Cedric Itten, sah der Lugano-Verteidiger keine Karte. Dennoch könnte sein rüdes Foul am bisher mit vier Treffern besten St.Galler Saisontorschützen ein Nachspiel haben. Beim Foul zog sich der 21-jährige Itten einen Riss des vorderen Kreuz- und des Innenbands im rechten Knie zu. Der Stürmer fällt mindestens sechs Monate aus.

Hinweis für App-Nutzer: Klicken Sie auf «Element anzeigen» um das Foul im Video zu schauen.

Anhand der Fernsehbilder wurde gestern im Verlauf des Tages nun der Fussballverband von Amtes wegen (Offizialdelikt) aktiv; und nicht nach einem Antrag des FC St. Gallen, obwohl die Ostschweizer bei der Liga vorstellig wurden. Der Verband meldete den Fall dem Disziplinarrichter, der in den nächsten Tagen entscheiden muss, ob die Voraussetzungen für eine nachträgliche Sanktionierung gegeben sind. Der Disziplinarrichter kann Strafen von bis zu vier Spielsperren und/oder einer Busse von bis zu 2000 Franken aussprechen (Art. 3 des Reglements über das Disziplinarverfahren der Swiss Football League). Weitergehende Strafen müsste die Disziplinarkommission aussprechen (Art. 6 desselben Reglements).

Drei Spielsperren für grobe Unsportlichkeit

Als Richtlinie für die Anzahl Suspensionen ist Artikel 14 der Rechtspflegeordnung des Verbandes massgebend: Zwei Spielsperren für grobes Foul; für eine grobe Unsportlichkeit drei Spielsperren; für eine Tätlichkeit vier Spielsperren; noch härter fällt die Strafe im Wiederholungsfall aus. Die Disziplinarbehörde wird den Schiedsrichterbericht beiziehen und weitere Beweismittel würdigen, die auf einen (möglichen) Disziplinarverstoss schliessen lassen. Dabei ist es hilfreich, dass der Schiedsrichter Lionel Tschudi seinen Fehler – er sanktionierte das Foul nicht – bereits eingestanden hat. Und sich nicht auf einen Tatsachenentscheid beruft.

St.Gallens Cedric Itten wird nach einem Foul von Luganos Fabio Daprelà abtransportiert. (Bild: Keystone)

St.Gallens Cedric Itten wird nach einem Foul von Luganos Fabio Daprelà abtransportiert. (Bild: Keystone)

Die Causa könnte weitere Kreise ziehen und auch andere Instanzen als die Sportjustiz beschäftigen. Itten müsste als Geschädigter selbst den Antrag stellen, das Foul strafrechtlich verfolgen zu lassen, wofür er drei Monate Zeit hat. Da der 21-Jährige derzeit andere Dinge im Kopf hat, kann nicht abgeschätzt werden, ob er dieses Szenario in Betracht zieht. Gestern war er zu keiner Stellungnahme bereit.

Itten könnte sich auf den Tatbestand der einfachen Körperverletzung (Art. 123 StGB) berufen. Eine schwere Körperverletzung (Art. 122 StGB) wäre indes kaum nachzuweisen. Generell sind die Strafbehörden in ihren Urteilen zurückhaltend. Im Fall Sandro Wieser/Gilles Yapi aus dem Jahr 2014 kam es aber mittels Strafbefehl der Staatsanwaltschaft zu einer Verurteilung wegen (eventual-)vorsätzlicher einfacher Körperverletzung und gar fahrlässiger schwerer Körperverletzung (Art. 125 StGB), was zu einer Busse von 10 000 Franken und einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen führte. Da Yapi die Strafanzeige anschliessend zurückzog, kam Wieser am Ende ohne strafrechtliche Verurteilung davon. Anwalt Marc Wolfer, der den FC St. Gallen in der Causa Itten berät, sagt:

«Wenn ein Spieler so einsteigt und damit die Gefährdung der Gesundheit des Gegenspielers in Kauf nimmt, kann eine strafrechtliche Ahndung angemessen sein.»

Matthias Hüppi. (Bild: Benjamin Manser)

Matthias Hüppi. (Bild: Benjamin Manser)

Daneben wären Zivilforderungen sowohl seitens Ittens als auch des FC St. Gallens möglich. Dies steht bei den Ostschweizern derzeit nicht im Vordergrund. Man wolle zunächst die weiteren Entwicklungen abwarten. Präsident Matthias Hüppi sagte: «Für mich lässt das Foul keinen anderen Schluss zu: Daprelà hat eine Verletzung bewusst in Kauf genommen. Es sind ja bereits mehrere Fälle von ihm bekannt. Dabei ist doch der Schutz des Spielers, im Sinne des absoluten Fairplay-Gedankens, das höchste Gut.» Daprelà müsse einfach gesperrt werden, man werde das sachlich angehen, und alle erdenklichen Mittel und Wege in Anspruch nehmen.

Daprelà hatte keine Chance auf den Ball

Der fehlbare Spieler hat auf Anfragen weder des «Corriere del Ticino» noch dieser Zeitung reagiert, der FC Lugano liess aber noch am Sonntagabend ein Statement auf seine Homepage stellen. Darin steht:

«Nachdem der FC Lugano über den schweren Unfall Cedric Ittens informiert wurde, wünscht er dem Spieler gute Besserung. Fabio Daprelà wird persönlich mit Itten Kontakt aufnehmen. Daprelà appelliert an den Gemeinschaftsgedanken und betont, dass es sich um eine normale Aktion aus dem Spiel heraus gehandelt hat.»

Gestern Abend dann folgte eine Art Kehrtwende, indem sich der 27-Jährige auf Twitter und einem neuen Video bei Itten entschuldigte und ihm eine schnelle Genesung wünschte. Daprelà sagte:

«Es tut mir leid, was passiert ist. Es war sicher nicht meine Absicht, Cedric Itten zu verletzen. Ich übernehme jegliche Verantwortung für dieses Foul, das rotwürdig war.»

Fakt ist, dass der Spieler keine Chance auf den Ball besass und, noch schwerwiegender, im letzten Aufeinandertreffen Gegenspieler Itten laut Hüppi sinngemäss Folgendes mitgeteilt haben soll:

«Ich mache dich fertig, ich trete dich kaputt.»

Trashtalk ist im Fussball gewiss weit verbreitet. Doch auch an diesem Sonntag soll Daprelà verbal ständig Itten bearbeitet haben. Tessiner Journalisten berichten, dass der Luganesi als Persönlichkeit und guter Typ gelte, witzig in der Kabine sei. Auf dem Platz aber bewege er sich am Limit, und er habe zu viel von dieser «grinta», dieser Grimmigkeit wie dazumal ein Roy Keane. Auch gibt es bereits den Vorfall gegen Zürich in dieser Saison, als Daprelà voll auf den Knöchel von Antonio Marchesano grätschte. Daraufhin sollen die Verantwortlichen der Zürcher bei der Liga den Verteidiger gemeldet haben, da sonst einmal etwas passieren könne.

Trainer Peter Zeidler gratuliert Cedric Itten nach dem Spiel in Neuenburg. (Bild: freshfocus)

Trainer Peter Zeidler gratuliert Cedric Itten nach dem Spiel in Neuenburg. (Bild: freshfocus)

Nun ist etwas passiert. St. Gallens Trainer Peter Zeidler war gestern noch fassungslos. «So eine brutale Aktion habe ich nie erlebt. Man macht sich keinen Begriff, was Itten für uns bedeutet, er ist nicht zu ersetzen.» Sicher bis Weihnachten werde man mit einer möglichen Ersatzstürmerlösung zuwarten. Zeidler war es auch wichtig, die Relationen zu wahren. Er sprach davon, dass es Schlimmeres gebe, Kriege, in denen es um Leben und Tod gehe. «Aber hier geht es immerhin um eine Karriere.»

Alain Sutter: «Das war Kung-Fu»

Alain Sutter. (Bild: Urs Bucher)

Alain Sutter. (Bild: Urs Bucher)

FCSG-Sportchef Alain Sutter hat sich gegenüber dem «Blick» zum Foul an Cedric Itten geäussert. «Jeder, der mal Fussball gespielt hat, sieht: Das war volle Absicht. Man merkt, dass er ihm wehtun wollte. Das war Kung-Fu. So jemand hat auf dem Rasen nichts verloren», sagt Sutter. Er verlangt nun von der Liga, dass sie durchgreift. «Wenn die Liga da nicht einschreitet, kann sie jegliche Fairplay-Aktion in die Tonne schmeissen», so Sutter.

Lüchinger und Itten noch einmal in der Kabine

Gestern vor dem Morgentraining weilten Nicolas Lüchinger und Cedric Itten noch einmal in der Kabine des FC St. Gallen. Die beiden Verletzten waren niedergeschlagen, wie auch die Mitspieler, die ihnen in diesen Stunden bestmöglich beistehen. Und dies via die sozialen Medien auch kundtun. Lüchinger wurde am Nachmittag bereits am Schlüsselbein operiert und postete später ein Video, dass ihn beim Scherzen zeigte. Itten prüft derweil Optionen und will allenfalls eine zweite Meinung einholen. Offenbar sollen am Sonntagabend die Reaktionen in seinem Familienkreis heftig gewesen sein, als die Diagnose feststand.

Luganos Fabio Daprelà trifft St. Gallens Cedric Itten, der danach vom Feld transportiert wird. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Luganos Fabio Daprelà trifft St. Gallens Cedric Itten, der danach vom Feld transportiert wird. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

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