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St.Gallen-Rückkehrer Moreno Costanzo: «Entweder kann einer Fussball spielen oder nicht»

Nach neun Jahren kehrt Moreno Costanzo zu den Ostschweizern zurück. Der 31-jährige Offensivakteur steht für Kreativität und gefährliche Freistösse. Und er stiftet jene grünweisse Identität, die zuletzt verloren zu gehen schien.
Christian Brägger
St. Gallens Moreno Costanzo beim ersten Meisterschaftsspiel in der AFG Arena, die heute Kybunpark heisst. (Bild: Urs Jaudas/Juni 2008)

St. Gallens Moreno Costanzo beim ersten Meisterschaftsspiel in der AFG Arena, die heute Kybunpark heisst. (Bild: Urs Jaudas/Juni 2008)

In der Woche vor dem Cupfinal vom 19. Mai haben sie sich im ­Kybunpark getroffen: Moreno Costanzo, Offensivkraft des FC Thun mit St. Galler Heimat, bald ohne Vertrag im Berner Oberland. Trainer Peter Zeidler, Spieler für den FC St. Gallen suchend, die seinen Offensivfussball beherrschen. Sportchef Alain Sutter mit dem Auftrag, den nächsten Kaderumbruch zu orchestrieren.

Ziel des Trios war es, sich erstmals zu beschnuppern und zu vergewissern, dass es passen könnte für eine gemeinsame Zukunft im FC St. Gallen. 45 Minuten lang dauerte die Unterredung, dann gingen Verantwortliche und Spieler auseinander. Die sportliche Führung verrichtete weiter ihr Tagesgeschäft, dem FC St.Gallen standen ja noch drei wichtige «Endspiele» bevor. Und Costanzo fuhr an seinen Wohnort Mörschwil, wo er mit der Frau und den zwei Kindern auch während der zwei Jahre bei Thun geblieben war.

Die Unterschrift folgt fast einen Monat später

Dann begann die Warterei, die fast zur Hängepartie verkam mit immer neuen Gerüchten. Zeidler ging nach Frankreich in die Ferien, Costanzo nach Spanien, Sutter verpflichtete Vincent ­Rüfli. Gestern folgte nun die Vollzugsmeldung: Costanzo, der einst im FC St. Gallen den Nachwuchs durchlaufen hat, kehrt ablösefrei für ein Jahr zu den Ostschweizern zurück. Die Clubführung wollte sich wohl absolut sicher sein, dass im 31-jährigen Körper des Profis noch genug Saft ist für mindestens diese nächste Saison. Dass Costanzo hinter der Zeidlerschen Fussballphilosophie zu hundert Prozent steht, nachdem es früher bei Transfers diesbezüglich zu Kompromissen gekommen war, die der Verein nicht mehr eingehen will.

Es hat zwar etwas Zeit gebraucht, aber Costanzo konnte offenbar überzeugen. Er gilt als Kreativspieler, seine Freistösse sind gefährlich, jedenfalls ist im FC St. Gallen kein Akteur mit annähernd seinen Qualitäten bei Standards; besonders jetzt nicht mehr, wo Tranquillo Barnetta aufgehört hat. Costanzo kann als dessen Ersatz auf dem rechten Flügel oder auch im Zentrum als Achter agieren, wo er sich eher sieht; es ist die Position, die nach dem Weggang von Majeed Ashimeru vakant geworden ist. Und vor allem bringt Costanzo das von Präsident Matthias Hüppi geforderte Farbelement mit, das auch nach dem Weggang Daniel Lopars ungleich kleiner geworden ist: Das Herz ist grünweiss. Sutter sagt:

«Er kennt das Umfeld in St.Gallen bestens, ist eine Identifikationsfigur und wird nebst seinen unbestrittenen sportlichen Qualitäten auch als Führungsspieler gefordert sein.»

Fragen und öffentliche Diskussionen gab es hinsichtlich Costanzos Werdegangs seit 2010. Ganz durchgestartet ist der Spieler nach dem Weggang aus St. Gallen nie, man könnte es auch so sehen, dass er im Leiterlispiel ein paarmal runtergefallen ist, immer wieder aufstand und jetzt wieder auf dem St. Galler Feld landet. Costanzos Bonmot lautet: «Entweder kann einer Fussball spielen oder nicht.» In Wahrheit hat er eine gute Karriere hingelegt bei den Young Boys, Aarau und Vaduz, mit sieben Länderspielen und vielen Treffern gegen «seine» St.Galler.

Fragen und öffentliche Diskussionen gab es auch hinsichtlich seines Gesundheitszustands, nachdem er mit Thun in der Rückrunde 2017/18 einen Kreuzbandriss erlitten hatte. Der Ostschweizer fiel zehn Monate aus, kämpfte sich in der abgelaufenen Rückrunde ins Thuner Team zurück und erzielte noch zwei Treffer. Und er zeigte ein gutes Spiel im Cupfinal gegen Basel, der dennoch verloren ging.

Costanzo wird ein Führungsspieler sein

Costanzo steht im Herbst der Karriere und zählt zu den Älteren beim FC St. Gallen, er bildet damit den Gegenpol zur Strategie des Vereins, auf Junge zu setzen. Doch sie haben im FC St. Gallen eben auch gemerkt, dass es ohne ein paar Routiniers, die die Achse bilden und Stabilität bringen sollen, eben nicht geht. So ist denn auch der einjährige Vertrag mit dem FC St. Gallen als eine Art Probezeit zu verstehen.

Normalerweise wählt ein Spieler mit 31 Jahren nicht mehr eine so kurze Laufzeit, vor allem dann nicht, wenn keine Option enthalten ist. Bei Milan Vilotic, dem Innenverteidiger, war die Ausgangslage im vergangenen Sommer relativ ähnlich mit einem ersten Halbjahresvertrag, der im vergangenen Winter nochmals für dieselbe Dauer verlängert worden war; als der 32-jährige Serbe vor allem im letzten Saisonviertel überzeugte, erhielt er nach Ende der Spielzeit einen neuen Einjahresvertrag mit Option auf ein weiteres Jahr. Costanzo sagt: «Es liegt an mir zu ­zeigen, was ich kann. Und das Jahr für mehr zu nutzen.»

Wie lautet nochmals sein Bonmot?

St.Gallen bindet Talente

Der FC St.Gallen hat zwei hoffnungsvolle Spieler aus dem eigenen Nachwuchs mit Profiverträgen für die erste Mannschaft ausgestattet: Betim Fazliji und Nico Strübi. Der 20-jährige Fazliji, der im zentralen Mittelfeld spielt, unterschrieb für zwei Jahre. Der 19-jährige Strübi wird zweiter Ersatzgoalie beim FC St. Gallen und unterzeichnete einen Kontrakt für eine Spielzeit. (cbr)

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