Die Situation des FC St.Gallen wird heikler

Die Ostschweizer spielen in Thun lange gefällig, vergeben aber nach einer Viertelstunde einen Penalty und verlieren schliesslich mit 0:2. Erstmals in dieser Saison pfeifen die Anhänger.

Patricia Loher, Thun
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Majeed Ashimeru (links) und Dereck Kutesa stehen nach der achten Saisonniederlage enttäuscht auf dem Thuner Kunstrasen. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Majeed Ashimeru (links) und Dereck Kutesa stehen nach der achten Saisonniederlage enttäuscht auf dem Thuner Kunstrasen. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Die Lage für den FC St.Gallen ist heikel geworden. Das 0:2 in Thun war für die Ostschweizer die dritte Niederlage in Folge. Ihr Vorsprung auf den Barrageplatz könnte heute auf einen Punkt schmelzen. Die St.Galler müssen aufpassen, dass sie vor der Winterpause nicht noch in eine Negativspirale geraten. So ist am kommenden Samstag von der Mannschaft zu Hause gegen Xamax ein Sieg gefordert, denn eine Woche später gastiert sie im letzten Spiel vor den Ferien in Luzern.

Der FC St.Gallen war im Berner Oberland nicht das schlechtere Team. Taktisch waren trotz einer im Vergleich mit dem Spiel bei den Grasshoppers auf sieben Positionen veränderten Mannschaft kaum Mängel auszumachen. Die Gäste agierten mutig, die Abwehr mit Alain Wiss und Slimen Kchouk im Zentrum wirkte lange stabil. Aber den möglicherweise entscheidenden Moment in diesem Spiel liessen die Ostschweizer dann ungenutzt verstreichen.

Nach etwas mehr als einer Viertelstunde verwertete Vincent Sierro einen streng gepfiffenen Penalty nicht. Der von St.Gallens Leihspieler untypisch leger getretene Elfmeter streifte die Latte. «Wir werden ihm den Kopf nun nicht abreissen. Er hat zuvor schon oft getroffen», sagte Trainer Peter Zeidler. Trotz des Rückschlags geriet der FC St.Gallen in der ersten Halbzeit kaum in Gefahr. Die Gäste gestanden der Überraschungsmannschaft dieser Saison wenig Platz zu, um sich zu entfalten.

Thun blieb bis kurz vor der Pause, als es sich die erste Gelegenheit erarbeitete, erstaunlich harmlos. St.Gallen hatte Dejan Sorgic, den Topskorer der Super League, gut im Griff. «Wir sind zur Pause mit einem blauen Auge davongekommen», sagte Thuns Coach Marc Schneider. Denn St.Gallen hatte sich schwergetan, von seiner Überlegenheit zu profitieren. Es fehlte den Ostschweizern in der Offensive an Durchschlagskraft, Überzeugung und an Kreativität, um die Thuner für ihren wenig couragierten Auftritt zu bestrafen. St.Gallen spielte zwar gut, mehr als für die Galerie war die Leistung jedoch nicht.

Am Ende des Arbeitstages ­beschäftigte St.Gallens Coach Zeidler aber vorerst nicht die fehlende Durchschlagskraft seines Teams. «Die Nicht-Reaktion nach dem ersten Gegentor hat mich am meisten gestört», sagte der Deutsche. Tatsächlich gelang es seinen Spielern nicht, nach dem 0:1 in der 55. Minute durch Marvin Spielmann nach einem Corner das Tempo entscheidend zu erhöhen und die Fehlerquote zu senken.

Zeidler: «Wir müssen uns Gedanken machen»

Vielmehr verharrten die St. Galler in ihrem Rhythmus. Sie spielten oft quer, manchmal auch schön über die Seiten, um dann bei einer nächsten Offensiv­aktion gleich wieder ein Missgeschick zu begehen. Damit nahm sich St.Gallen immer wieder selber aus dem Spiel, so war es nicht möglich, den Gegner unter Druck zu setzen. Zeidler sagte: «Unser Spiel hat nicht schlecht ausgesehen, aber im Fussball gibt es keine B-Note.» So setzte es von den mitgereisten Anhängern nach dem Schlusspfiff erstmals in ­dieser Saison Pfiffe ab. «Die Fans haben ihren Unmut zu Recht kundgetan. Wir mussten uns das anhören und sollten uns nun Gedanken machen», sagte der Coach.

St.Gallen schaffte es nach dem Rückstand nicht, Thun im Zaum zu halten. Die Berner Oberländer, die zuvor kaum zu Torchancen gekommen waren, hätten gleich nach der Führung auf 2:0 erhöhen können. St.Gallen fand die Balance nicht mehr, es öffnete sich zwar, sah sich deshalb aber immer wieder Kontern ausgesetzt. Einer dieser Gegenstösse führte zum 2:0 durch Grégory Karlen. Ans Limit gehen brauchte Thun für den Sieg nicht. Coach Schneider sagte: «Das war heute nicht unser bestes Spiel.»