FCZ-Rückkehrer

Blerim Dzemaili ist wieder zu Hause: «Mein zehnter Titel mit dem FCZ wäre ein schöner Abschluss»

Nach 13,5 Jahren ist Blerim Dzemaili zurück beim FC Zürich. Seine Träume mit dem Stadtklub sind gross.

Raphael Gutzwiller
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Blerim Dzemaili ist vor dem Zürcher Löwen im FCZ-Museum.

Blerim Dzemaili ist vor dem Zürcher Löwen im FCZ-Museum.

Toto Marti/Freshfocus (Zürich, 11. Januar 2021)

Auf einer alten Autogrammkiste im FCZ-Fanshop prangt ein Bild von Blerim Dzemaili. So wie er damals ausgesehen hat 2007, als er den FC Zürich in Richtung England verliess. Ein Jugendliches Lausbubengesicht mit Grübchen am Kinn.

Inzwischen trägt Dzemaili Bart und einzelne graue Haare. Schon 34 ist er – und ist zurück beim FCZ. Nach neun Stationen im Ausland möchte Blerim Dzemaili mit dem FC Zürich wieder an jenen Erfolgen anschliessen, die er vor seinem Abgang feierte. Dzemaili erinnert viele FCZ-Fans an jene Zeit, in der die Zürcher das beste Team der Schweiz stellten. 2005 holte der FCZ den Cup, 2006 und 2007 wurde er Meister – mit Dzemaili als junger Anführer.

Die Stationen von Blerim Dzemaili

Blerim Dzemaili (links) gegen Aaraus Roland Bättig.
16 Bilder
Blerim Dzemaili (rechts) und Alhassane Keita halten den Meisterpokal vor Tausenden FCZ-Fans auf dem Zürcher Helvetiaplatz.
Blerim Dzemaili ist an der WM 2006 mit dabei, hier neben Ricardo Cabanas (Mitte) und Christoph Spycher (links).
Viel Pech bei Blerim Dzemaili: Zunächst unterschreibt er bei Bolton Wanderers einen Vertrag, wenig später erleidet er im Training einen Kreuzbandriss. Wegen der schweren Verletzung kann sich Dzemaili bei Bolton nie durchsetzen. Er sitzt in der Premier League lediglich zweimal auf der Bank - bleibt aber ohne Einsatz.
Im Sommer 2008 wechselte Dzemaili auf Leihbasis für ein Jahr in die italienische Serie A zum FC Turin, der nach einer Saison die Kaufoption zog.
Blerim Dzemaili (rechts) im Duell mit Lazios Stefano Mauri. Bei Parma läuft es Dzemaili gut, er spielt sich in den Fokus.
Bei Napoli hat Blerim Dzemaili seine erfolgreichste Zeit im Meistertitel: Zweimal holt er in Italien den Cupsieg.
Ein Bild für die Ewigkeit: Im WM-Achtelfinal 2014 gegen Argentinien trifft Blerim Dzemaili in der Schlussphase der Verlängerung nur den Pfosten. Die Schweiz scheidet aus dem Turnier aus. Die Enttäuschung bei Blerim Dzemaili ist riesig.
Blerim Dzemaili wechselt im Sommer 2014 zu Galatasaray. Mit den Türken holt sein Team das Double. Doch Dzemaili spielt nur selten und verlässt Gala wieder.
Es geht für Blerim Dzemaili wieder zurück nach Italien: Bei Genua zählt Dzemaili zu den Leistungsträgern.
Das wohl emotionalste Länderspiel für Blerim Dzemaili: An der Europameisterschaft 2016 spielt er mit der Schweiz gegen seine zweite Heimat Albanien.
Blerim Dzemaili jubelt ab Sommer 2017 in Amerika für Montreal Impact.
Das letzte Länderspiel für Blerim Dzemaili: Das WM-Achtelfinal 2018 gegen Schweden. Insgesamt kommt Dzemaili auf 69 Länderspiele für die Schweiz, er erzielt dabei 10 Tore.
Seine letzten grossen Auftritte macht Blerim Dzemaili in Italien für Bologna. Bei Bologna kommt er insgesamt auf fast 100 Partien.
Das Abenteuer bei Shenzhen verläuft für Blerim Dzemaili unglücklich: Zunächst kann er wegen dem Coronavirus nicht nach China einreisen, danach ist sein Trainer - der ihn einst geholt hat - schon weg. Eine gemeinsame Zukunft gibt es nicht, der Vertrag wird aufgelöst.
Trägt wieder das FCZ-Trikot: Blerim Dzemaili, hier im Testspiel gegen den FC Luzern.

Blerim Dzemaili (links) gegen Aaraus Roland Bättig.

Bild: Steffen Schmidt/ Keystone (Zürich, 11. Dezember 2005)

Nun spricht der Rückkehrer zu einigen Punkten.

Dzemaili über seine Rückkehr zum FC Zürich:

«Nachdem ich in China den Vertrag aufgelöst habe, war für mich klar, dass ich wieder nach Hause kommen möchte. Zurück zum FCZ. Ich habe mich auch gefragt: Was würde ein weiteres Jahr im Ausland an meiner Karriere verändern? Wohl nicht viel. Dann gehe ich lieber zurück zum FC Zürich, um mir auch etwas aufzubauen für später.»

Dzemaili über das Gefühl wieder in Zürich zu sein:

«In Zürich fühle ich mich zu Hause. Nach 13,5 Jahren wieder hier zu leben, bedeutet mir viel. Meine Familie, meine Freunde und mein Umfeld sind in Zürich und das hat mir alles gefehlt. Der FCZ ist eine ganz andere Mannschaft als damals. Doch das Trainingsgelände ist immer noch dasselbe und mit Marco Schönbächler habe ich schon zusammengespielt. Es ist schön, wieder zurück zu sein.»

Dzemaili über fehlende Spielpraxis:

«Ein ganzes Jahr lang habe ich nicht gespielt, vier Monate nicht mit der Mannschaft trainiert. Darum ist es für mich wichtig, dass ich schnell Spielpraxis sammeln kann. Am Samstag gegen Luzern konnte ich bereits ein Testspiel absolvieren. Natürlich habe ich noch einen Trainingsrückstand, aber ich bin überzeugt, dass ich wieder die Leistungen bringen kann, die ich früher brachte. Wichtig ist aber auch, dass ich das Niveau in der Schweiz nicht unterschätze.»

Dzemaili über hohe Erwartungshaltung an ihn:

«Was ich im Ausland erreicht habe, verändert sich durch mein Engagement hier beim FC Zürich nicht. Natürlich ist die Erwartungshaltung gross, aber ich mache mir keinen Druck. Ich freue mich einfach, hier sein zu dürfen. Klar haben viele gesagt, dass ich etwas riskiere mit einer Rückkehr zum FCZ, aber ich sehe das nicht so. Ich sehe es als Chance, dem FC Zürich etwas zurückgeben zu können. Dank dem FCZ konnte ich eine schöne Karriere machen.»

Dzemaili über seine Ziele mit dem FCZ:

«In meiner Karriere habe ich neun Titel geholt. Wenn ich jetzt einen zehnten Titel mit dem FCZ holen könnte, wäre das ein sehr schöner Abschluss. Aber im Moment mache ich keinen Druck. In diesem Jahr ist es schwierig, Richtung Meistertitel zu schauen. Aber das Team hat das Potenzial, unter die ersten Drei zu kommen.»

Dzemaili über seine Rolle im Team:

«Mir ist wichtig, nicht wegen meinem Namen Respekt vor den Mitspielern zu bekommen, sondern wegen meinen Leistungen. Ich arbeite dafür, diese Leistungen zeigen zu können. Zudem möchte ich den Jungen helfen. Es wäre schön, wenn die jungen Spieler beim FCZ ebenfalls eine erfolgreiche Karriere machen könnten.»

Dzemaili über sein missglücktes China-Abenteuer:

«Ich konnte wegen dem Coronavirus lange nicht nach China einreisen. Als dies gelang, war der Trainer, der mich geholt hat, entlassen. Wenige Wochen später hiess es, dass ich auch gehen müsse. Darum haben wir den Vertrag aufgelöst. Das Abenteuer China war für mich trotzdem nicht nur negativ. Ich habe eine neue Kultur kennen gelernt. Die Stadt war modern und schön, das Klima immer gut, es gibt viele gute Restaurants.»

Dzemaili über seinen Pfostenschuss im WM-Achtelfinal 2014 gegen Argentinien in der 120. Spielminute:

«Für mich war das sicher ein schwieriger Moment. Manchmal kommt dieser Pfostenschuss wieder hoch, aber mehrheitlich habe ich das vergessen. Ich durfte vor allem unter Vladimir Petkovic eine schöne Nati-Karriere haben.»

Dzemaili über ein baldiges Karrierenende:

«Wie lange ich spiele, ist total offen. Ich habe einen Vertrag für 1,5 Jahre unterschrieben beim FCZ. Das ist mein erstes Ziel. Solange ich Freude habe, werde ich spielen. Danach sehe ich mich weniger als Trainer, sondern eher im Managementbereich. Ich habe schon ein Online-Studium im Sportmanagement absolviert. Zwar gibt es keinen Vertrag für eine andere Funktion, aber ich könnte mir auch eine Rolle im Verein vorstellen. Der FCZ weiss, was er an mir hat und ich weiss, was ich am FCZ habe.»