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FECHTEN: «Es gibt nichts schönzureden»

Der Immenseer Max Heinzer (29) ist ohne Olympia-Medaille aus Rio zurückgekehrt. Er sagt, was schiefgelaufen ist, was er von den Ruderern lernte und welche Ziele er sich setzt.
Interview Sven Aregger
Aufstehen, neue Ziele setzen – und alles dafür geben: So lautet die Devise von Fechter Max Heinzer nach der verpassten Olympia-Medaille. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Aufstehen, neue Ziele setzen – und alles dafür geben: So lautet die Devise von Fechter Max Heinzer nach der verpassten Olympia-Medaille. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Max Heinzer, Sie haben das Ziel, in Rio eine Medaille zu gewinnen, verfehlt. Wie stark schmerzt das knapp drei Wochen später noch?

Max Heinzer: Es tut immer noch weh, ich denke jeden Tag daran. Die Medaille war ein grosses Ziel. Dieses Scheitern zu verdauen, ist ein längerer Prozess. Aber das ist normal. Auch Siege kann ich nicht in kurzer Zeit verarbeiten. Ich habe in meiner Karriere nun schon einige Rückschläge und Höhepunkte erlebt. Und ich habe gewusst, dass es in Rio de Janeiro so enden kann.

Nach einem guten Start im Einzel verletzten Sie sich beim Aufwärmen vor dem Viertelfinal und verloren dann das Duell gegen den späteren Olympiasieger Park Sang-young prompt. Sie nahmen die Schuld auf sich. Haben Sie es übertrieben mit dem Warmmachen?

Heinzer: Ich bin nicht der Typ, der nach einer Niederlage die Fehler bei jemand anderem sucht. Mein 7. Platz und das olympische Diplom sind keine schlechte Leistung. In den ersten beiden Duellen konnte ich zwei Favoriten besiegen. Ich hatte das Gefühl, dass ich parat bin. Vor dem Viertelfinal habe ich mich so professionell und konzentriert aufgewärmt wie immer. Dann sind die Krämpfe in den Beinen und im Rücken gekommen. Was die Gründe dafür sind, kann ich nicht genau sagen. Das macht es für mich noch schwieriger, die Niederlage zu akzeptieren.

Hand aufs Herz: Hätten Sie sonst eine Chance gehabt gegen den furios fechtenden Südkoreaner?

Heinzer: Ich habe gewusst, dass er in starker Form ist. Er hatte den Tag seines Lebens. Vor den Olympischen Spielen habe ich betont, dass mindestens 15 Fechter im Einzel siegen können. Mit Park Sang-young holte die Nummer 23 der Welt den Titel. Er ist ein sehr schneller Fechter. Wenn man gegen ihn gewinnen will, muss man 100-prozentig fit sein. Das war ich leider nicht mehr. Aber auch ohne Verletzung wäre es schwierig geworden.

Die besten Medaillenchancen hatten Sie im Teamwettkampf, wo Sie zu den Mitfavoriten zählten. Doch schon im Viertelfinal war Schluss, nach einer Schmach gegen Italien. Wie konnte das passieren?

Heinzer: Wir haben die ersten drei Gefechte verloren. Italien – eigentlich ein schlagbares Team – kämpfte sich in einen Rausch. Wir konnten nicht mehr reagieren, haben uns selber aus dem Konzept gebracht. Kleine Dinge wie ein schlechter Start können grosse Auswirkungen haben im Fechten. Unsere Leistung gegen die Italiener war ungenügend, da gibt es nichts schönzureden. Dabei war unsere Form eigentlich gut. Das bewiesen wir eine Stunde später, als wir Russland im Duell um die hinteren Ränge hoch geschlagen haben. Und Russland ist nicht schwächer einzustufen als Italien.

Das Schweizer Team sprach vor Rio selbstbewusst von einer Medaille, was den öffentlichen Druck erhöhte. Scheiterten Sie zuletzt am hohen Selbstanspruch?

Heinzer: Nein. Wir sind am Morgen des Wettkampftages fokussiert und im Glauben angetreten, Italien besiegen zu können. Ich habe immer gesagt, dass die Chancen auf eine Medaille bei 50:50 liegen. Italien ist in der Weltrangliste besser klassiert als wir. Aber mit unseren starken Weltcup- und EM-Resultaten musste das Ziel eine Medaille sein. Wir waren ehrlich und wussten: Wenn alles top läuft, können wir es schaffen. So ist es dann leider nicht gekommen.

Auf Online-Plattformen hagelte es hämische Kommentare. Die Schweizer Fechter wurden als Athleten dargestellt, die ihr Können überschätzen. Können Sie die Kritik nachvollziehen?

Heinzer: Ich lese solche Kommentare nicht. Aber ich muss Kritik ertragen können, und das tue ich auch. Wenn ich als Ziel den 10. Rang genannt hätte, würde es heissen: typisches schweizerisches Understatement. Leid tut es mir vor allem für unsere treuen Fans und für das Umfeld, das uns unterstützt hat.

Zu reden gab auch die Taktik. Ihr Team griff ungestüm an, während die Italiener – ganz nach ihrem Gusto – abwarten konnten. Ein Fehlentscheid?

Heinzer: Ich finde es falsch, von einem taktischen Fehler zu reden. Wenn man in Rückstand ist, muss man angreifen. Vielleicht haben wir es zu gut oder zu schnell machen wollen. Wir wollten aus einer Führung heraus fechten, das ist uns nicht gelungen. Aber wir dürfen nicht so schnell so brutal in Rückstand geraten.

Wer hat die Taktik festgelegt?

Heinzer: Das ganze Team. Wir haben sie am Vorabend nochmals besprochen. Aber niemandem von uns ist im Wettkampf ein Exploit geglückt.

Was würden Sie jetzt anders machen?

Heinzer: Was die sportliche Vorbereitung betrifft, kann ich mir nichts vorwerfen. Aber ich würde mich noch besser um die Organisation der Unterkunft und der Ernährung kümmern. Die Ruderer haben es uns vorgemacht. Sie haben einen eigenen Koch nach Rio mitgenommen und ein Hotel ausserhalb des olympischen Dorfes bezogen.

Haben Sie im olympischen Dorf schlechte Erfahrungen gemacht?

Heinzer: Ich hätte mich auch in Rio gern so vorbereitet wie vor einem normalen Weltcup-Turnier. Bei rund 10 000 Athleten am gleichen Ort ist es schwierig, den Fokus zu behalten. Und wenn du stets verkochte Pasta bekommst, isst du automatisch weniger. Vielleicht hat dieses Manko bei meinen Krämpfen im Einzel eine Rolle gespielt. Aber ich will daraus kein Drama machen.

Dem Schweizer Team drohen nun wichtige Säulen wegzubrechen. Ihre Kollegen Benjamin Steffen und Fabian Kauter überlegen sich den Rücktritt. Starke Nachwuchsfechter sind rar. War es das mit Ihrem Traum von einer Olympia-Medaille?

Heinzer: Wenn ein Sportler nicht mehr von einer Olympia-Medaille träumt, kann er aufhören. Ich hoffe, dass Benjamin und Fabian weitermachen. Sollte es nicht so sein, bin ich überzeugt, dass wir mit jungen und motivierten Fechtern wieder ein schlagkräftiges Team aufbauen können. Das braucht aber Zeit.

Halten Sie am Ziel Tokio 2020 fest?

Heinzer: Tokio ist noch weit weg. Im Moment stehen andere Ziele im Vordergrund. Ich will den Gesamtweltcup gewinnen, den ich 2012 und 2015 auf dem zweiten Rang beendet habe. Auch ein Einzelsieg an der EM und der WM fehlt mir noch.

Haben Sie überhaupt noch Energie und Motivation?

Heinzer: Es gibt zwei Möglichkeiten nach einer Niederlage: Entweder du bläst Trübsal und steckst den Kopf in den Sand. Oder du stehst auf, setzt dir neue Ziele und gibst alles dafür. Ich entscheide mich für letzteres.

Zur Person

Max Heinzer (29) hat bisher acht Weltcup-Siege im Einzel und sechs im Team geholt. Dreimal war er WM-Dritter mit dem Team. Zudem gewann er zweimal EM-Silber und dreimal EM-Bronze im Einzel sowie dreimal EM-Gold und zweimal EM-Bronze mit dem Team. An Olympia 2012 in London schied er wie 2016 gegen den späteren Olympia-Sieger aus.

Interview Sven Aregger

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