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FECHTEN: Gescheitert – Drama um Heinzer

Der Immenseer Max Heinzer spurtet auf dem Weg zu olympischem Gold ins Abseits: Er verletzt sich und bleibt im Viertelfinal ohne Chance. Benjamin Steffen verliert das Duell um Bronze.
Für Max Heinzer heiss es im Viertelfinal Endstation. (Bild: Keystone)

Für Max Heinzer heiss es im Viertelfinal Endstation. (Bild: Keystone)

Klaus Zaugg, Rio de Janeiro

Szenen, die ein wenig an Science-Fiction-Filme wie «Star Trek» mahnen. Männer fechten. In weissen, verkabelten Overalls, ähnlich wie Raumanzüge. Mit blinkenden Lichtern auf dem Kopf. Sie fechten mit Degen, nicht mit Lichtschwertern. Sonst wäre es das perfekte Raumschiff-Szenario. Längst hat der Fechtsport aus der muffigen Aula auf die Showbühne gewechselt. Und mitten in dieser Show ein Innerschweizer: Max Heinzer (29).

Wie ein Raubtier

Dieser Mann ist offensichtlich in der Form seines Lebens. Voll Testosteron. Charismatisch, wild und doch konzentriert und kontrolliert. Er kämpft federnden Schrittes, jede Faser seines Körpers gespannt. Angriffslustig wie ein Raubtier. Er wirkt unbesiegbar. Eine Heldenfigur des olympischen Sportes. Der Italiener Paolo Pizzo (15:11) und der Russe Vachim Anokhin (15:7) sind chancenlos. Heinzer steht im Viertelfinal. Nach den Siegen schreit er seine Freude mit Urschreien heraus, schlägt sich auf die Brust. Ein bisschen Tarzan, ein bisschen Superman.

Dieser Eindruck ist keine Täuschung. Die Nummer 10 der Welt wird später sagen: «Ich war topfit, alles stimmte, die Fitness, der Killerinstinkt. Ich traute mir alles zu.» Der Weg in den olympischen Himmel, zu goldenem Ruhm ist offen. Wer sollte ihn auf dem Weg dorthin noch aufhalten?

Verzweifelte Angriffe

Niemand. Heinzer tut es selbst. Im Viertelfinal tritt er gegen den Südkoreaner Park Sangyoung an. Die Nummer 21 der Welt. Wer Pizzo und Anokhin gemeistert hat, wird auch mit Park fertig. Oder doch nicht? Im Viertelfinal ist nichts mehr so, wie es war. Heinzer, der Mann, der unbesiegbar schien, hat die Aura des Supermannes verloren. Als habe jemand den Stecker gezogen. Er verliert in nur vier Minuten und acht Sekunden sang- und klanglos 4:15 und wird hinterher sagen, er könne sich nicht erinnern, je so hoch verloren zu haben. Er hat seltsam passiv begonnen, gerät in Rückstand und versucht dann mit ein paar Verzweiflungsangriffen im Kamikazestil noch etwas zu retten. Der Gegner lässt ihn eiskalt auflaufen.

So unverhofft wie Heinzer ist selten ein olympischer Held aus dem Himmel des Ruhmes gefallen. Ein paar Minuten nach der Niederlage löst er das Rätsel. Er ist verletzt in dieses letzte Gefecht gestiegen. Er hatte gewusst, dass er keine Chance haben würde. «Ich wärme mich immer intensiv auf. Damit ich heiss bin. Während des Aufwärmens habe ich mir bei einem Spurt eine Verletzung zugezogen.» Er könne die Verletzung noch nicht genau diagnostizieren. Ein Krampf oder eine Zerrung im rechten Wadenbein und im rechten Oberschenkel. «Ich hoffe, dass es nicht so schlimm und nur ein Krampf ist und dass ich für den Mannschaftswettkampf am Sonntag wieder fit bin.»

Auf diesem Niveau müsse einfach alles stimmen, sagte Heinzer. Wenn nur ein Puzzleteilchen fehle, sei es nicht mehr möglich, erfolgreich zu sein. «Dass eines dieser Teilchen durch mein Verschulden fehlte, ist ärgerlich.»

Diplom ist schwacher Trost

Heinzer wirkte nach dem Kampf noch wie unter Schock. «Ich fühle mich, als hätte ich gar nicht gekämpft ...» Die Enttäuschung werde sich wohl erst später einstellen. Aber er sei stolz auf die Leistung in den beiden ersten Gefechten. Und er betonte, er wolle die Verletzung nicht als Ausrede verstanden wissen. «Ich bin selber schuld.»

Noch ist der Traum vom olympischen Ruhm nicht ausgeträumt. Max Heinzer bekommt, wenn er fit ist, am Sonntag im Mannschaftswettkampf noch einmal eine Chance. Vor vier Jahren in London hatte er das zweite Gefecht verloren. Nun ist er immerhin bis in den Viertelfinal gekommen. Dafür gibt es ein olympisches Diplom. Es ist ein schwacher Trost.

Neben Heinzer verpassten gestern auch die weiteren Schweizer Benjamin Steffen und Fabian Kauter eine Medaille. Steffen musste sich erst im Duell um Bronze geschlagen geben. Er unterlag dem französischen Weltranglistenersten Gauthier Grumier. Olympiasieger wurde übrigens Park Sangyeong – der Viertelfinalgegner von Max Heinzer.

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