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FECHTEN: Max Heinzer hofft auf den grossen Fang

Der Immenseer Max Heinzer (28) hat sich akribisch auf Olympia vorbereitet. Er träumt von einer Medaille. Trotzdem will er seine Karriere nicht am Resultat in Rio messen lassen.
Sven Aregger
Ist er nicht am Fechten, wirft er am liebsten die Rute aus: Max Heinzer auf seinem Boot im Zugersee. (Bild Nadia Schärli)

Ist er nicht am Fechten, wirft er am liebsten die Rute aus: Max Heinzer auf seinem Boot im Zugersee. (Bild Nadia Schärli)

Sven Aregger

Der Ausflug auf den Zugersee hat sich für Max Heinzer an diesem sonnigen Sommermorgen gelohnt. In seinem Boot zieht er vor Immensee einen 53 Zentimeter langen Hecht aus dem Wasser. Stolz präsentiert er seinen Fang. «Um das Abendessen muss ich mir heute keine Sorgen machen», sagt er mit einem breiten Grinsen. Seit Heinzer ein Bub ist, gehört Fischen zu seinen Leidenschaften. Mindestens einmal pro Woche ist der 28-jährige Immenseer auf dem See oder am Ufer anzutreffen. Er erzählt von einem 25 Kilo schweren Dorsch, den er in Norwegen an Land gezogen hat. Und von einer Seeforelle aus dem Zugersee, 85 Zentimeter lang war das Prachtexemplar. Die Fische landen zu Hause auf dem Teller. Hobbykoch Heinzers Spezialität: Zuger Rötel, aussen knusprig, innen saftig.

Beim Fischen findet der Degenfechter Ruhe und Ablenkung. Und das kann er in diesen ereignisreichen Wochen gut gebrauchen. Im Juni hat er in Polen EM-Silber gewonnen – und damit den Nachweis erbracht, dass mit ihm zu rechnen ist in Rio de Janeiro. Dort will er nun den grössten Fang seines Lebens machen: eine olympische Medaille. Heinzer: «Ich bin hungrig auf Erfolg.»

Brutale Erfahrung in London

Heinzer und Olympia – diese Beziehung war bisher ein Missverständnis. Vor vier Jahren in London startete der Schwyzer als aufstrebender Spitzenfechter mit grossen Ambitionen ins Turnier. Doch bereits in der zweiten Runde scheiterte er am späteren Olympiasieger Rubén Limardo aus Venezuela. «Ich habe damals gelernt, wie brutal Olympische Spiele sein können», erinnert sich Heinzer. Aber damit hat er abgeschlossen, auch weil er weiss, dass die Vorzeichen nun anders sind. 2012 war er erst seit zwei Jahren Profi, er dachte, seine weitere Karriere stehe und falle mit dem Olympiaresultat. Inzwischen hat sich Heinzer längst an der Weltspitze der Degenfechter etabliert und muss nicht mehr um seine Laufbahn bangen. 2013 war er wochenlang die Nummer 1, aktuell steht er auf dem 10. Rang der Weltrangliste. Er ist achtfacher Weltcupsieger und hat zehn Medaillen an Europameisterschaften gewonnen. Mit seinem aggressiven, explosiven Fechtstil gehört er zu den beliebtesten Athleten seiner Gilde. Auf Facebook hat er über 11 000 Follower, so viele wie sonst keiner seiner Gegner.

Im Olympiajahr 2016 überliess Heinzer nichts dem Zufall. Erstmals arbeitete er mit einem Ernährungsberater zusammen und richtete seinen Formaufbau so aus, um im August in Topform zu sein. Die erfolgreiche EM hat ihm bestätigt, dass der Weg stimmt. «Die Silbermedaille gibt mir nochmals einen Schub», sagt er. Daniel Giger, der als Coach seit 13 Jahren die Schweizer Nationalmannschaft betreut, traut Heinzer eine Medaille zu. «Wenn Max einen super Tag erwischt, ist alles möglich. Er gehört vielleicht nicht zu den meistgenannten Titelkandidaten, aber sicher zu den Geheimfavoriten.» Allerdings betont Giger, dass von den 38 Athleten im Einzelwettkampf 25 aufs Podest kommen könnten. «Es gibt keine einfachen Duelle mehr.»

Heinzer: «Ich muss ein Killer sein»

Das weiss auch Heinzer. «Ich habe in der Vorbereitung alles für den Erfolg getan. Technisch, taktisch und mental bin ich stärker geworden. Aber das sind meine Gegner auch», sagt er. Und ergänzt: «Natürlich wünsche ich mir eine erfolgreiche Woche in Rio. Aber es bringt mir nichts, wenn ich sage, dass nur dieses Turnier zählt. Ich muss auf dem Boden bleiben und die Olympischen Spiele als Sahnehäubchen sehen.» Was Heinzer damit meint: Der Fechtsport ist und bleibt unberechenbar. Allein schon die Auslosung kann zum Handicap werden. So hofft Heinzer, dass ihm kein Schweizer zugelost wird. Zumal die Teamkollegen seinen Fechtstil, der von überraschenden Angriffen lebt, vom gemeinsamen Training genau kennen. «Sollte es aber so weit kommen, darf ich nur für mich denken. Auf der Planche muss man ein Killer sein. Hier gibt es keine Freunde.»

Auf den Teamwettkampf sollte das aber keine Auswirkungen haben, im Gegenteil: Im Team dürfen sich die Schweizer berechtigte Hoffnungen auf eine Medaille machen. Heinzer, Fabian Krauter und Benjamin Steffen sind derzeit die Nummer 6 der Welt, an der EM (4. Rang) verpassten sie das Podest nur knapp. Nur neun Mannschaften werden in Rio am Start stehen. Die Schweizer treffen im Viertelfinal zuerst auf Italien, danach warten die Ukrainer oder die Russen. Giger sagt: «Alle diese Gegner liegen in unserer Reichweite.»

Planung bis Tokio 2020

Wie auch immer die Olympischen Spiele für Heinzer ausgehen – er wird weitermachen mit Fechten. Noch immer hat er grossen Spass am Sport. Und er freut sich auf den neuen Nationaltrainer, den Franzosen Didier Ollagnon, der 2017 die Nachfolge des Italieners Gianni Muzio antritt. «Das ist eine neue Herausforderung.» Heinzer plant vorderhand bis 2020 und zu den Olympischen Spielen in Tokio. Dann wäre er mit 33 immer noch in einem guten Fechtalter. Heinzer sagt deshalb: «Ich denke nicht, dass Rio meine letzte Chance ist.»

Aber das ist Zukunftsmusik. Heinzer ist nun voll fokussiert auf das Turnier in Brasilien. Und falls er sich mal etwas Ruhe und Ablenkung gönnen will: Rio liegt an der Guanabara-Bucht, Fische gibt es dort bestimmt genug.

Schiessen: Nina Christen aus Wolfenschiessen. Was liegt drin in Rio? Für Nina Christen ist es die erste Teilnahme an Olympischen Spielen. Eine grosse Sache und eine schöne Erfahrung für die 22-Jährige. Ihr Fokus richtete sich ursprünglich auf eine Teilnahme an Olympia 2020 in Tokio. Die Erwartungen an den Rookie dürfen deshalb nicht zu hoch angesetzt werden. Schliesslich liegt das beste Alter für diesen Sport zwischen 30 und 40 Jahren. Christen wird in zwei Disziplinen zum Einsatz gelangen. Beim Luftgewehr 10 Meter ist Christen derzeit die Nummer 101 in der Weltrangliste. Beim Gewehr 50 Meter belegt sie den 85. Rang. Eine Finalqualifikation bei einer dieser Disziplinen wäre deshalb bereits eine grosse Überraschung für die Nidwaldnerin vom Kleinkaliber-Schützenverein Büren-Oberdorf. (Bild: Keystone)
Golf: Fabienne In-Albon aus Oberägeri. Was liegt drin in Rio? Fabienne In-Albon geriet wegen Rückenproblemen zu Beginn des Jahres und einer Borreliose, verursacht durch einen Zeckenbiss, in Trainingsrückstand und verfügt über wenig Spielpraxis. Sie hat sich den grössten Teil ihrer Punkte für die Olympiaqualifikation 2015 gesichert. Für das Olympiaturnier haben sich 60 Spielerinnen qualifiziert. Gespielt werden auf einem Par-71-Kurs vier Runden. Ein Platz zwischen Rang 25 und 30 müsste für die Zugerin als sehr grosser Erfolg gewertet werden. (Bild: Werner Schelbert)
Mountainbike: Linda Indergand aus Silenen. Was liegt drin in Rio? Ihre erste Weltmeisterschaft auf Elite-Stufe Ende Juni hielt für Linda Indergand eine schöne Überraschung bereit. Die 23-jährige Urnerin wurde im tschechischen Nove Mesto Eliminator-Weltmeisterin. Diese Disziplin ist leider nichtolympisch. Im Cross Country zwei Tage später fuhr sie auf Rang 10. Das lag im Bereich der Erwartungen, mit ihrer Leistung zeigte sie sich zufrieden. Fünf Schweizerinnen gehören aktuell zu den Top 20 im Weltcup (Jolanda Neff, Alessandra Keller, Indergand, Kathrin Stirnemann und Esther Süss), aber nur zwei dürfen an den Olympischen Spielen in Rio starten (Neff und Indergand). Während Neff zu den Top-Anwärterinnen auf eine Medaille zählt, wäre ein Diplomplatz (Top 8) für Indergand bei ihrer Olympia-Premiere eine schöne Überraschung. (Bild: Keystone / Dominik Baur)
Dressurreiten: Marcela Krinke Susmelj aus Ebikon. Was liegt drin in Rio? Krinke Susmelj ist zusammen mit dem 15-jährigen Dänen-Wallach Molberg als Einzelreiterin im Einsatz. Erst gilt es, den Grand Prix zu absolvieren, bei dem bereits die ersten Reiterinnen und Reiter auf der Strecke bleiben. Als zweiter Teil folgt der Grand Prix Spécial, hier qualifizieren sich die besten 18 Paare für die Finalrunde (Kür). Das Erreichen dieser Finalrunde darf bereits als Erfolg gewertet werden. Das Paar verfügt aber über das Potenzial, im finalen Umgang noch einige Plätze nach vorne zu kommen. Ein Top-12-Platz ist nicht unmöglich, die Medaillenränge liegen aber ausser Reichweite. (Bild: Nadia Schärli)
Springreiten: Paul Estermann aus Hildisrieden. Was liegt drin in Rio? Die Schweiz reist mit fünf starken Reiterpaaren an, einer muss beim Mannschaftsspringen über die Klinge springen. Estermann ist als Reserve gemeldet, über einen Einsatz wird in Rio entschieden. Mit oder ohne Estermann und Castlefield Elipse – die Schweiz ist im Nationenpreis Medaillenanwärter. Estermann, der über viel Nervenstärke und Routine verfügt, wäre im Einzel ein Vorstoss unter die ersten 20 zuzutrauen. (Bild: Manuela Jans- Koch)
Fechten: Max Heinzer aus Immensee. Was liegt drin in Rio? Heinzer hat alle Fähigkeiten dazu, um Olympiasieger im Einzel zu werden. Das trifft aber auch auf gut 10 bis 15 weitere Gegner zu. Heinzer wird auf dem Weg zu einer Medaille auch etwas Glück mit der Auslosung benötigen, um das Aufeinandertreffen mit einem Gegner zu vermeiden, der ihm nicht liegt. In einem Feld mit 32 Teilnehmern braucht es vier Siege in Folge für einen Medaillengewinn. Aber ein schlechtes Gefecht – und aus ist der Traum von einer Einzel-Medaille. Im Teamwettkampf ist das Ziel ein Medaillengewinn. Bei neun Teilnehmern sind die ambitionierten Schweizer mit zwei Siegen in den Medaillenrängen. (Bild: Keystone)
Triathlon: Jolanda Annen aus Schattdorf. Was liegt drin in Rio? Jolanda Annen belegte am 16. Juli in Hamburg über die halbe olympische Distanz den 27. Rang in der WM-Serie. Zwei Wochen zuvor in Stockholm schaffte es die 23-jährige Urnerin über die ganze Distanz (1,5 km Schwimmen/40,5 km Radfahren/10 km Laufen) auf Rang 19. Sie bewegt sich derzeit auf den Pfaden ihrer kurz- und mittelfristigen Karriereplanung. In der Jahresrangliste möchte Jolanda Annen bis zum Jahresende unter die 30 bestklassierten Triathletinnen dieser Welt kommen, derzeit wird sie auf Position 31 geführt. In vier Jahren in Tokio hat sie sich schon mal den Gewinn eines Diploms (Top 8) zum Ziel gesetzt. Folglich bescheidener fällt die Zielsetzung von Jolanda Annen für die am nächsten Wochenende beginnenden Sommerspiele aus: Den anvisierten Rang unter den besten 25 könnte eine Punktlandung werden. (Bild: Sven Aregger)
Rudern: Mario Gyr aus Luzern. Was liegt drin in Rio? Der Leichtgewichtsvierer um Gyr, Schürch, Niepmann und Tramèr zählt zu den grössten Schweizer Medaillenhoffnungen. Das Quartett ist Weltmeister, Europameister und wurde 2015 auch Gesamtweltcupsieger. Deshalb heisst das Ziel: Gold. Die Voraussetzungen stehen gut. Nach einigen Blessuren zu Beginn der Saison und vor dem Weltcup auf dem Rotsee befinden sich alle in bester körperlicher Verfassung. Sie sind im besten Ruderalter und mental reifer als 2012, als sie in London den fünften Platz erreichten. (Bild: Dominik Wunderli)
Rudern: Roman Röösli (links) aus Neuenkirch. Was liegt drin in Rio? Seit Sydney 2000 hat immer mindestens ein Athlet des Seeclub Sempach an den Olympischen Spielen teilgenommen. Röösli setzt diese Tradition fort. Er ist in Rio mit Bernabé Delarze, Augustin Maillefer und Nico Stahlberg im Doppelvierer im Einsatz. Nach Platz 5 an der WM 2015 peilen die vier in Rio eine Medaille an. Angesichts der schwierigen Vorbereitung mit vielen Verletzungen und Ausfällen mag dieses Ziel utopisch klingen. Doch sowohl am Weltcup in Luzern (Rang 3) wie auch Mitte Juni in Posen (Rang 4) haben sie gezeigt, dass sie zur absoluten Weltspitze gehören. Dem Quartett ist ein Exploit in Form eines Medaillengewinns zuzutrauen. (Bild: Philipp Schmidli)
Rudern: Michael Schmid aus Luzern. Was liegt drin in Rio? Seine ersten Olympischen Spielen bestreitet Michael Schmid mit dem Badener Daniel Wiederkehr im leichten Doppelzweier. Für sie stellt schon die Qualifikation ein grosser Erfolg dar. Dennoch wollen sie nicht als «Olympia-Touristen» nach Rio reisen. Ihr Ziel ist die Qualifikation für den Final der besten sechs Boote, was ihnen in dieser Saison im Weltcup noch nicht gelungen ist. Während die Vorbereitung im Winter wegen Verletzungen nicht optimal verlief, kamen sie während der Saison immer besser in Fahrt. Eine Steigerung zu den Weltcupauftritten ist dem Duo zuzutrauen. (Bild: Roger Grütter)
Rudern: Joel Schürch aus Schenkon. Was liegt drin in Rio? Joel Schürch ist erst 21-jährig. Soeben hat er seine KV-Ausbildung an der Talents School der Frei’s Schulen erfolgreich abgeschlossen. Nun wartet auf ihn schon bereits ein richtiges Abenteuer. Als Ersatzmann des medaillenverdächtigen Leichtgewichtvierers darf der Schenkoner nach Rio fliegen, zusammen mit seinem älteren Bruder Simon, der im Boot gesetzt ist. Das ist nicht selbstverständlich, hätten auch erfahrenere Ruderer als Ersatz selektioniert werden können. Doch Joel Schürch hat sich im internen Ausscheidungsverfahren durchgesetzt. Er ist ein Versprechen für die Zukunft. Qualifiziert er sich in vier Jahren für die Olympischen Spiele in Tokio, dürfte er von den Erfahrungen seiner diesjährigen Reise profitieren. (Bild: Roger Grütter)
Rudern: Simon Schürch aus Schenkon. Was liegt drin in Rio? Der Leichtgewichtsvierer um Gyr, Schürch, Niepmann und Tramèr zählt zu den grössten Schweizer Medaillenhoffnungen. Das Quartett ist Weltmeister, Europameister und wurde 2015 auch Gesamtweltcupsieger. Deshalb heisst das Ziel: Gold. Die Voraussetzungen stehen gut. Nach einigen Blessuren zu Beginn der Saison und vor dem Weltcup auf dem Rotsee befinden sich alle in bester körperlicher Verfassung. Sie sind im besten Ruderalter und mental reifer als 2012, als sie in London den fünften Platz erreichten. (Bild: Roger Grütter)
Kanu: Fabio Wyss aus Buochs und Jona. Was liegt drin in Rio? Wyss hat aufwühlende, turbulente Monate hinter sich. Den Winter verbrachte er in Australien, um sich bestmöglich auf die Qualifikationsregatta im Mai vorzubereiten. Er trainierte mit Olympiasieger und Weltmeister Murray Stewart und kam immer besser in Fahrt. Doch kurz vor der wichtigen Olympiaqualifikation erkrankte er an einem viralen Infekt und konnte die Selektionskriterien nicht erfüllen. Doch das jahrelange Training, der Wohnortwechsel von Buochs nach Jona, wo das nationale Leistungszentrum liegt, sollte sich doch noch auszahlen. Wyss wurde nachselektioniert. Für ihn wäre ein Gewinn eines olympischen Diploms das höchste aller Gefühle. (Bild: PD)
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Unsere Zentralschweizer Athleten in Rio

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