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Fechter Max Heinzer duelliert sich im Homeoffice mit seinem Sohn

Der Schwyzer Fechter Max Heinzer richtet seinen Fokus auf Olympia 2021. Und trifft in den eigenen vier Wänden auf einen harten Gegner.

Stephan Santschi
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Max Heinzer (links) stellt sich darauf ein, erst im Herbst wieder Ernstkämpfe zu haben.

Max Heinzer (links) stellt sich darauf ein, erst im Herbst wieder Ernstkämpfe zu haben.

Bild: Devin Manky/Getty Images (Richmond, 8. Februar 2020)

Kein Zweifel, leicht zu verdauen ist die aktuelle Situation für Max Heinzer nicht: «Eigentlich wäre ich jetzt von Buenos Aires nach Hause gekommen, wahrscheinlich mit der Olympia-Qualifikation im Gepäck.» In der argentinischen Kapitale hätte der Schwyzer Fechter Ende März mit dem Schweizer Nationalteam einen letzten Weltcup bestreiten und die Teilnahme an den Sommerspielen in Tokio klar machen wollen. Doch wie viele andere Sportanlässe fiel das Turnier dem Coronavirus zum Opfer. In Argentinien herrscht Ausgangssperre.

Schlimmer noch: Die Olympischen Spiele in Japan sind, so ist es seit kurzem offiziell, um ein Jahr in den Sommer 2021 verschoben worden. Fällt damit die ganze Arbeit während der einjährigen Qualifikationsphase ins Wasser? «Wie ich gelesen habe, geht die Qualifikation möglicherweise einfach weiter, vielleicht müssen wir nicht bei Null beginnen. Das glaube ich aber erst, wenn ich es auf der Website des Internationalen Fechtverbands schwarz auf weiss sehe», erklärt Heinzer.

«Fechten findet er derzeit einfach cool»

Und so bleibt ihm gemäss der Anordnung des Schweizer Bundesrats nichts anderes übrig, als vorderhand Homeoffice zu betreiben, sprich Individualtraining zu absolvieren. Im Haus des zehnfachen Weltcupsiegers und 17-fachen WM- und EM-Medaillengewinners in Küssnacht am Rigi sieht das zum Beispiel so aus: Heinzer fechtet gegen einen an der Wand befestigten Arm, der einen Degen hält. Parallel dazu versucht er einen von der Decke baumelnden Ball mit der Spitze seines Kampfgeräts zu treffen. «So kann ich Beinarbeit, Präzision und Konzentration schulen», sagt Heinzer und fügt an: «Diesen Arm habe ich seit einer Verletzungspause im Jahr 2011, mein Vater hat ihn gebastelt. Ich nehme ihn jeweils auch in der Sommerpause raus, wenn ich Lust auf Fechten habe.»

Bei schönem Wetter wandert der 32-jährige Schwyzer derweil mit seinem zweijährigen Sohn Mael auf dem Rücken auf die Seebodenalp, um sich fit zu halten. Sogar ein Fechtwettkampf gegen den Sprössling stand auf dem Programm. Süss geworden ist es, das Video, das man auf Instagram anschauen kann. Der Dreikäsehoch gewinnt den hart umkämpften und von einem internationalen Experten kommentierten Heim-Grand Prix mit 3:2 und nimmt kurz darauf den Pokal auf einem Spielzeugauto entgegen.

Dass der kleine Heinzer über einen ähnlichen Offensivdrang verfügt wie sein Vater, ist dabei offensichtlich. «Es hat Spass gemacht, dieses Video zusammenzuschneiden. Das ist der Vorteil im Moment, ich kann viel Zeit mit der Familie verbringen», erzählt Heinzer lachend. Sein Ziel sei es nicht, Mael zum nächsten Fechtstar zu machen. «Er schaut sich mit meiner Frau Janique jeweils die Livestreams meiner Wettkämpfe an. Fechten findet er derzeit einfach cool.» Auch er selber habe im heimischen Garten in Immensee schon als kleiner Bub mit Holzstecken gegen seinen grösseren Bruder gefochten. «Das hatten wir uns aus den Piratenfilmen abgeschaut.»

Weniger Spass macht aktuell die wirtschaftliche Planung des Profisportlers. Eigentlich wollte Heinzer in diesen Tagen mit seinen Sponsoren über Vertragsverlängerungen bis 2024 diskutieren. Seine Planung nämlich, so vermeldet er, dauere mindestes bis zu den Olympischen Spielen in Paris. Jetzt gehe es aber vor allem einmal darum, die bis Ende Jahr laufenden Verträge mit den Sponsoren neu anzuschauen. «Das wird nicht ganz einfach, die halbe Saison fällt weg.» Auch die fehlenden Wettkämpfe werden für finanzielle Einbussen sorgen, weil ihm Prämien entgehen. «Erst wenn der Virus überall unter Kontrolle ist, können wir wieder Weltcups austragen. Vor dem nächsten Herbst rechne ich nicht damit.»

Podestplatz mit der Schweiz in Deutschland

Die Ausgangslage, um in Tokio an seinen dritten Olympischen Spielen für Furore zu sorgen und vielleicht sogar erstmals eine Medaille zu gewinnen, war gut. Im Einzel schaffte es Heinzer in dieser Saison zwar nie ganz an die Spitze des Rankings, mit dem Team resultierte im Januar am Weltcup in Heidenheim aber ein starker dritter Platz. «Auf Tokio hin hätte ich mich noch steigern können, der Aufbau stimmte», berichtet die Weltnummer 18, die seit August mit dem sechsfachen Kickbox-Weltmeister Janosch Nietlispach als Athletikcoach arbeitet.

Dass mit Tokio nun das Jahreshighlight wegfällt, auf das die Lebensplanung zuletzt ausgerichtet war, sei mental zwar nicht einfach wegzustecken. Doch Heinzer verschiebt den Fokus bereits auf Tokio 2021 und wirkt sehr motiviert, wenn er sagt: «Eine längere Wettkampfpause kann auch eine Chance sein.»