Federer lässt Kyrgios staunen und trifft im Achtelfinal auf einen ehemaligen TC-Zug-Spieler

Nach dem Sieg in der 3. Runde des US Open gegen Nick Kyrgios stand ein Zauberschlag von Roger Federer im Mittelpunkt. Im Achtelfinal trifft der Schweizer auf John Millman, der einst beim TC Zug Interclub spielte.

Jörg Allmeroth, New York
Drucken
Teilen
Fassungslos nach Federers Kunstschlag: Nick Kyrgios. (Bild: Jason De Crow/AP (New York, 1. September 2018))

Fassungslos nach Federers Kunstschlag: Nick Kyrgios. (Bild: Jason De Crow/AP (New York, 1. September 2018))

Für einen Moment sah es so aus, als wolle Nick Kyrgios seinen grossen Rivalen Roger Federer mitten auf dem Centre-Court am liebsten abklatschen. Ihm gratulieren zu einem der grössten Zauberschläge seiner Karriere. Kyrgios ist, neben anderen Rollen wie der des Bad Boy des Tenniscircuits, auch ein geborener Showmann – und er liebte diesen Moment bei 3:3 im dritten Satz, als Federer einen schier unerreichbaren Ball noch mit letzter Kraft erreichte und dann am Netzpfosten vorbei zu einem Gewinnpunkt platzierte. Der 23-jährige Australier riss den Mund weit auf, man konnte es später im Fernsehen (auch auf www.youtube.com) genauer beobachten, er murmelte so etwas wie «Wahnsinn» vor sich hin, ging noch ein bisschen weiter in Richtung Netz und auf Federer zu.

Der Zauberschlag von Roger Federer:

Aber der Maestro wandte sich da schon ab, und Kyrgios blieb nichts anderes übrig, als nach seiner 4:6, 1:6, 5:7-Niederlage noch einmal auf diese Szene zurückzukommen: «Es war ein unfassbarer Schlag. Aber er ist eben auch ein unfassbarer Spieler. Der Grösste überhaupt», sagte Kyrgios. Später postete er ein kleines Video des Ballwechsels noch auf Instagram und wünschte Federer, er möge nun weitergehen in New York, bis zum 21. Grand-Slam-Titel.

Ein weiter Weg zum Titelgewinn

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg – Traumschlag hin, Jubelarien in den sozialen Medien her. Denn der Sieg gegen Kyrgios ist noch keine Referenzmarke, um Federers Titelchancen im 50. Jahr der offenen amerikanischen Meisterschaften zu messen. Federers Erfolg wurde zwar mit jeder zunehmenden Minute dieses Duells mehr zur Gala, aber es warten noch ganz andere Kaliber auf dem Weg zum ersten New Yorker Sieg seit zehn Jahren – der unbequeme Australier John Millman schon im Achtel­final von heute (Ortszeit). Und danach womöglich Turniermitfavorit Novak Djokovic in der Runde der letzten acht.

Ganz zu schweigen von einer möglichen Auseinandersetzung mit Matador Rafael Nadal, der sich in bärenstarker Form präsentiert. Federer weiss, bei aller Aufregung rund um die Kyrgios-Partie, dass er vorerst nur vermieden hat, in der Auftaktphase eines Grand Slam auszurutschen und auszuscheiden – wie das Gastspiel im Big Apple letztendlich zu bewerten sein wird, das entscheidet sich erst in den kommenden Tagen. Dann, wenn das Turnier in Woche zwei noch einmal an Dramatik und Dynamik gewinnt.

Bereit für die nächsten Herausforderungen

Allerdings lässt sich so viel sagen: Nach der langen Sommerpause, die Federer hinter dem Saisonhöhepunkt Wimbledon einlegte, hat er sich jetzt wieder voll akklimatisiert im Spielgeschehen und wirkt bereit für die nächsten Her­ausforderungen. Die leichte Unzufriedenheit, die der 37-Jährige auch in Cincinnati noch mit sich herumtrug, die Unzufriedenheit mit der Bilanz der letzten Monate, ist inzwischen verschwunden. «Die Erfolge hier, besonders der Auftritt gegen Kyrgios, geben mir schon Auftrieb. Das Puzzle passt immer besser zusammen», sagte Federer. «Ich konnte auch körperlich in jedem der Matches zulegen, wenn es nötig war. Und ich liess mich nicht aus der Ruhe bringen, als es am Anfang nicht so lief wie gewünscht.»

Millman (ATP 55), den nächsten Gegner, kennt Federer sogar aus gemeinsamen Trainingstagen in der Schweiz, denn der 29-jährige Australier spielte 2011 beim TC Zug Interclub in der Nationalliga B. Er ist ein unprätentiöser Arbeiter, einer, der aus seinen Möglichkeiten fast immer das Maximale macht. «Viele auf der Tour bewundern ihn genau wie einen David Ferrer für die Art und Weise, wie er als Profi seinen Job macht», sagt Federer, «er ist ein ehrlicher, angenehmer, sympathischer Typ – und fit wie ein Turnschuh.»

Federer würde nie den Fehler machen, einen wie Millman zu unterschätzen: «Es gibt nichts Wichtigeres, als immer Respekt vor deinem Gegner zu haben.»

New York. US Open (53 Mio. Dollar/Hart). Männer, 3. Runde: Kohlschreiber (GER) s. Alexander Zverev (GER/4) 6:7 (1:7), 6:4, 6:1, 6:3. Djokovic (SRB/6) s. Gasquet (FRA/26) 6:2, 6:3, 6:3. Cilic (CRO/7) s. De Minaur (AUS) 4:6, 3:6, 6:3, 6:4, 7:5. Goffin (BEL/10) s. Struff (GER) 6:4, 6:1, 7:6 (7:4). Nishikori (JPN/21) s. Schwartzman (ARG/13) 6:4, 6:4, 5:7, 6:1. Sousa (POR) s. Pouille (FRA/17) 7:6 (7:5), 4:6, 7:6 (7:4), 7:6 (7:5). – Achtelfinals: xxxx

Frauen, 3. Runde: Cibulkova (SVK/29) s. Kerber (GER/4) 3:6, 6:3, 6:3. Osaka (JPN/20) s. Sasnowitsch (BLR) 6:0, 6:0. Sabalenka (BLR/26) s. Kvitova (CZE/5) 7:5, 6:1. Scharapowa (RUS/22) s. Ostapenko (LAT/10) 6:3, 6:2.– Achtelfinals: xxx

Sport im TV

SRF zwei 17.10: Tennis, US Open, Achtelfinal, Federer – Millman (Spielzeit erst heute bekannt) 20.00: Sportflash 22.25: Sport aktuell

Eurosport 5.00: Tennis, US Open 13.45: Rad, Tour of Britain, 1. und 2. Etappe 17.00: Tennis, US Open

Eurosport 2 17.00: Tennis, US Open