Nach der Pause wird es für Federer etwas komplizierter

Statt über den ATP-Final muss sich Roger Federer mit den Medienleuten über seine Feriengestaltung unterhalten. Die grosse Frage lautet: Ist im kommenden Jahr ein Einsatz in der Sandplatzsaison für den 37-Jährigen sinnvoll?

Jörg Allmeroth
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Roger Federer. (Bild: Omid Davarian/freshfocus, 17, November 2018)

Roger Federer. (Bild: Omid Davarian/freshfocus, 17, November 2018)

Die Enttäuschung konnte und wollte Roger Federer nicht verbergen, in der Stunde seiner bitteren 5:7, 6:7 (5:7)-Halbfinal-Niederlage gegen Alexander Zverev bei der ATP-WM in London. Aber eins konnte und wollte Federer auch nicht tun am Abend seines letzten Arbeitstages der Saison: das grosse Ganze aus dem Blick verlieren, die Serie 2018 überhaupt. «Ich bin stolz, dass ich mit meinen 37 Jahren noch in der Weltspitze mitspiele. Dass ich Spass und kaum körperliche Probleme habe», sagte Federer. Und dann schickte er sich selbst noch einmal zu einem ganz bestimmten Moment zurück, bei seiner persönlichen Zeitreise: «Es ist für mich immer noch ein wenig unglaublich, dass ich noch einmal die Nummer 1 in der Weltrangliste geworden bin, als ältester Spieler aller Zeiten», bilanzierte der Maestro.

Passiert war es bereits früh im Jahr, bei einem kurzfristig anberaumten Turnier-Einsatz im Februar in Rotterdam, bei einem Turnier, das Federer später auch noch gewann. «Das war speziell, sehr speziell. Unvergesslich», gab der Schweizer zu Protokoll. «Ich bin mal gespannt, ob jemand so bald kommt, der diesen Rekord bricht.»

Zu den Brutalitäten des Tennisgeschäfts gehört, dass man eben noch in einem prickelnden WM-Halbfinal steckt, drauf und dran ist, der umkämpften Partie noch eine Wendung zu geben. Und dann doch, nach einem Tiebreak-Nervenkrimi, plötzlich draussen ist im Titelrennen und sich mit der Weltpresse über die anstehende Feriengestaltung und nicht das Endspiel unterhalten muss. «Die Familie kommt jetzt mal als Erstes zu ihrem Recht. Ich freue mich extrem auf die Zeit mit ihnen», sagte Federer indes gutgelaunt, «es wird sicher schön mit den Kids und Mirka zusammen.»

Es gibt Matches, die noch schmerzen

Doch nach der tennislosen Phase wird es ein bisschen komplizierter für Federer und sein eingespieltes Team von Servicekräften: «Die Frage stellt sich ja: Wie viel Zeit kriegt wer für welche Arbeit? Das muss genau ausbalanciert werden, da müssen letztlich alle Puzzle-Teile stimmen», sagte er. «Aber eins ist gewiss: Ich habe keine Probleme, hart zu trainieren. Ich stehe bereit für alles, was nötig ist. Ich bin so motiviert wie am ersten Tag als Profi.»

Eine der grösseren Fragen, die Federer erörtern muss, ist natürlich: Macht ein Einsatz in der Sandplatzsaison Sinn, ein Einsatz, den viele Turnierveranstalter und TV-Anstalten vom Maestro verlangen? Oder bleibt der in den letzten beiden Jahren durchaus erfolgreiche Kurs aufrecht, sich in den Wochen der zermürbenden Rutschübungen aus dem Tourcircuit zurückzuziehen – um dann für den persönlichen Grand-Slam-Höhepunkt in Wimbledon gerüstet zu sein? «Die Entscheidung muss sehr gut überlegt sein. Sie ist aber, Stand jetzt, in keinster Weise gefallen», sagte Federer. Womöglich vermeidet er auch ein frühes endgültiges Verdikt und hält sich kurzfristige Zusagen für Sandturniere hier und da offen.

Federer rief einen Spruch seines Freundes Pete Sampras in Erinnerung, als er gefragt wurde, wie er seine zurückliegende Serie konkreter beurteile. Ein Jahr sei dann in jedem Fall gut, wenn man einen Grand Slam gewonnen habe, zitierte Federer den früheren Weltranglisten-Ersten, dem könne er sich durchaus anschliessen. Aber selbstverständlich gebe es auch Matches, die noch schmerzten, auch jetzt noch, «da zählen die Partien gegen del Potro in Indian Wells und besonders gegen Anderson in Wimbledon dazu». Federer hatte in beiden Partien Matchbälle, liess die Chancen aber ungenutzt.

Handverletzung bringt Training durcheinander

Vielleicht hatte es auch mit einer leichten, im Frühling erlittenen Handverletzung zu tun, Federer wollte das nicht als Entschuldigung anführen für einige Probleme, aber richtig sei, dass «diese Sache manche Pläne auch im Trainingsprogramm durcheinandergebracht hat». Die zweite Saisonhälfte sei «insgesamt nicht so verlaufen wie gewünscht», aber zuletzt seien die körperlichen Beschwerden abgeflaut. «Nun hoffe ich, dass ich im nächsten Jahr wieder voll die Vorhand einsetzen kann», so Federer.

Roger Federer scheitert im Halbfinal

Roger Federer scheitert an den ATP Final in London im Halbfinal am starken Deutschen Alexander Zverev. Zu viel passt beim 5:7, 6:7 (5:7) beim 37-jährigen Schweizer nicht zusammen.

«Ein historisches Jahr» für Roger Federer

In der zweiten Jahreshälfte fehlen zwar die grossen Höhepunkte, doch mit dem Sieg beim Australian Open und der Rückkehr zur Nummer 1 hat Roger Federer einmal mehr ein hervorragendes Jahr.