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Federer zeigt trotz Niederlage Klasse

Roger Federer scheitert im Halbfinal der ATP Finals in London. Der 37-jährige Baselbieter unterliegt dem Deutschen Alexander Zverev 5:7, 6:7 (5:7). Ein unterbrochener Ballwechsel im Tiebreak sorgt für Unstimmigkeiten.
Jörg Allmeroth, London
Stand gegen Alexander Zverev oft unter Druck: Roger Federer. (Bild: Justin Setterfield/Getty (London, 17. November 2018))

Stand gegen Alexander Zverev oft unter Druck: Roger Federer. (Bild: Justin Setterfield/Getty (London, 17. November 2018))

Roger Federer war soeben in die Tennisferien der Saison 2018 geschickt worden, da passierte nach seiner 5:7, 6:7 (5:7)-Halbfinalniederlage gegen Alexander Zverev bei den ATP Finals noch etwas Ungewöhnliches am Netz. Zverev entschuldigte sich hoch und heilig und in aller Form für einen Zwischenfall im Tiebreak, den er selbst gar nicht heraufbeschworen hatte. Es war beim 3:4-Rückstand Zverevs in der Glückslotterie passiert, ein Balljunge verlor die Filzkugel aus den Händen, Zverev stoppte den Ballwechsel völlig regelkonform, er schlug noch einmal auf, servierte ein Ass zum 4:4. Und wurde fortan ausgepfiffen, als hätte er den 37-jährigen Schweizer betrogen.

Doch Federer wäre nicht Federer, hätte er, der Verlierer, nicht Einfühlvermögen und Klasse bewiesen. «Halt, halt. Du brauchst dich für nichts zu entschuldigen», sagte der Maestro entschieden zu dem 21-jährigen Deutschen, «die Regel ist die Regel. Und jetzt alles Gute für dich.» Dann war alles vorbei, jedenfalls aus Federers Sicht.

Spiessrutenlaufen für den Sieger

Allerdings nicht für Zverev, denn der erlebte nach dem grössten Sieg seiner jungen Karriere noch ein wahres Spiessrutenlaufen – mit dem Höhepunkt eines regelrechten Pfeifkonzerts von Federer-Anhängern während Zverevs Centre-Court-Gespräch mit Moderatorin Annabel Croft. «Warum pfeifen Sie? Alexander hat nur die Regeln befolgt und verdient Respekt», sagte Croft, eine ehemalige Profispielerin, als die Stimmung noch feindseliger wurde. Und Zverev? Er meisterte die Situation erstaunlich stilsicher und souverän, mit einem situativem Gespür, das ihn vorher auch schon auf dem Court ausgezeichnet hatte. Mehrfach entschuldigte sich Zverev, sagte auch, er habe «niemanden hier verärgern» wollen: «Ich fühle mich jetzt allerdings etwas verloren. Das ist keine leichte Sache für mich gerade.» Es war ein fast so trauriges Ende wie unlängst beim US-Open-Finale zwischen der jungen Grand-Slam-Königin Naomi Osaka und der Amerikanerin Serena Williams, seinerzeit war die Siegerehrung im Fan-Chaos untergegangen, hervorgerufen durch die Wutausbrüche von Williams und die vermeintlich umstrittenen Punktabzüge des Schiedsrichters.

Zverev, nun der erste Deutsche seit Boris Becker 1996 in einem WM-Endspiel, hatte in keinster Weise verdient, was ihm da nach dem wertvollsten Sieg seiner bisherigen Laufbahn widerfuhr, auf der grossen Bühne von London. Die Reifeprüfung gegen Federer in diesem Halbfinal bestand Zverev ja mit Bravour, so stark, selbstbewusst und in sich ruhend hatte er soweit noch nie bei einem Spiel mit vergleichbarer Bedeutung aufgetrumpft. Nicht Federer, sondern Zverev war grösstenteils der Mann, der Takt und Rhythmus der Partie bestimmte, mit druckvollem Angriffstennis, erstklassigen Aufschlägen und gezielten Netzattacken. «Ich wollte die Sache in die eigene Hand nehmen», sagte er später, «und ich hatte auch die Nerven, um in den entscheidenden Momenten noch mal zulegen zu können.»

Traum vom 100. Turniersieg ist vertagt

Federer bemühte sich nach Kräften, alles nur Mögliche ins Feld zu werfen gegen Zverevs Dauerdruck. Aber vor allem sein Service liess ihn in diesem Halbfinalduell im Stich, sowohl der erste wie der zweite Aufschlag kamen zu selten ins Feld. Und doch hielt der 37-jährige Maestro das Geschehen lange, lange Zeit offen, genau genommen bis zum 5:6 im ersten Satz, bis zu einem Schwächemoment im zwölften Spiel, in dem er Alexander Zverev die ersten Break- und damit auch Satzbälle gestattete. Der 1,98-Meter-Riese liess sich nicht lange bitten, machte die 1:0-Satzführung perfekt.

Federer nahm Zverev dann im zweiten Durchgang den Aufschlag zum 2:1 weg, doch der Deutsche schüttelte das Missgeschick problemlos ab, punktete sofort mit einem Rebreak zum 2:2. Und schliesslich war er dann auch hellwach im Tiebreak, ging mit 6:4 in Führung und war eisern konzentriert, als er beim zweiten Matchball zum 7:5 den Rückhandvolley versenkte.

Federers Traum vom 100. Turniersieg war damit vertagt, für ihn ist nun mit sofortiger Wirkung die Ferienzeit eröffnet. Nach dem kapitalen Fehlstart gegen den Japaner Kei Nishikori und Zweifeln an seinem Leistungsvermögen konnte er allerdings mit erhobenem Haupt in die Ferien gehen, Federer, das wurde auch in London klar, bleibt weiter ein höchst gewichtiger Machtfaktor im Welttennis.

London. ATP Finals (8,5 Mio. Dollar/Halle). Halbfinals: Zverev (GER/3) s. Federer (SUI/2) 7:5, 7:6 (7:5). Djokovic (SRB/1) – Anderson (RSA/4). – Final (Sonntag, 17. November 2018, 19.00 Uhr, SRF info): Zverev (3) – Djokovic (1)/Anderson (4).

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