FIFA-PRÄSIDENTSCHAFTSWAHL: Der Walliser verspricht viel Geld

Wird ein Walliser Nachfolger eines Wallisers als Fifa-Präsident? Gianni Infantino ist nicht der Ziehsohn von Sepp Blatter – sondern ein Mann ohne grosses Profil.

Rainer Sommerhalder
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Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino ist Favorit für die Nachfolge von Sepp Blatter. (Bild: Keystone)

Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino ist Favorit für die Nachfolge von Sepp Blatter. (Bild: Keystone)

Wer ist eigentlich dieser Gianni Infantino? Einer, der die ganze Fussballwelt kennt. Aber die wenigsten kennen ihn. Vielleicht stimmt das nicht ganz. Sein Name mag uns italienisch vorkommen. Sein strahlendes Gesicht mit der markanten Frisur hingegen zeigt uns der Fernsehbildschirm in zuverlässiger Regelmässigkeit. Gianni Infantino verkuppelt die Mächtigen des Fussballs. Er sagt uns, ob Bayern gegen Real oder Juve spielt. Der 45-jährige Jurist amtet als Zeremonienmeister und Glücksfee bei der Auslosung der Spiele in der Champions League. Und dies stets mit Charme und Souveränität. Wenn die deutsche Zeitung «Tagesspiegel» zu Infantino schreibt, «dem blassen Schweizer fehlt eine eigene Aura», dann fehlt auf der Redaktion in Berlin vor allem ein Fernseher.

Derzeit durchleuchten die Weltmedien den Kandidatenkreis kritisch. Infantino wird wahlweise als geborener Funktionär, als treuer Parteisoldat und als Apparatschik oder – etwas böser – als Verlegenheitslösung, als Notnagel und als treuer Vasalle von Michel Platini betitelt. «Es weist nichts darauf hin, dass Infantino mit der Blatter-Ära aufräumt», schreibt die renommierte «Süddeutsche Zeitung».

Enthüllung ohne Einfluss auf Wahl

Am letzten Sonntag zweifelte ein TV-Beitrag im Westdeutschen Rundfunk Infantinos Glaubwürdigkeit an. Konkret wird ihm vorgeworfen, nichts dafür getan zu haben, um die Verantwortlichen der Wett- und Korruptionsskandale 2011 beim türkischen Verein Fenerbahce und 2015 beim griechischen Klub Olympiakos Piräus zur Rechenschaft zu ziehen. Als Grund wird ein Zusammenhang mit den Uefa-Tätigkeiten von Fenerbahe-Ehrenpräsident Senes Erzik und dem Sohn des Piräus-Vizepräsidenten vermutet. Vetternwirtschaft also. Der Beitrag schliesst mit der Feststellung: «Gianni Infantino ist einer, der zur Vergangenheit gehört.» Die Wahl entscheiden wird diese «Enthüllung» nicht. Infantino kann keine fehlbare Handlung nachgewiesen werden.

Die Fachzeitschrift «Sport-Bild» stellt treffend fest: «Seine staubtrockene Vita weist nicht das kleinste Skandälchen auf». Man hält Infantino zugute, dass er sich auch kritischen Fragen stellt. Zu seiner Person titelt ein Medium: «Ein Buch mit sieben Siegeln». Tatsächlich versteht es Gianni Infantino, sein Privatleben privat zu halten. Er ist als Sohn von italienischen Einwanderern am 23. März 1970 in Brig geboren und zusammen mit zwei deutlich älteren Schwestern aufgewachsen. Heute wohnt Infantino mit seiner libanesischen Frau und den vier Kindern in Nyon. Er hat schon als kleiner Knirps für den Sport gelebt, als mässig talentierter Spieler in der dritten Mannschaft des FC Brig-Glis gekickt und sich nach dem Jura-Studium an der Uni Fribourg beruflich voll und ganz dem Fussball verschrieben.

Das Arbeiterkind aus dem Wallis war zuerst Generalsekretär des Internationalen Zentrums für Sportstudien (CIES), das gemeinsam von der Fifa und der Universität Neuenburg ins Leben gerufen wurde. Im Jahr 2000 stiess Infantino, der fliessend deutsch, italienisch, französisch, englisch, spanisch und arabisch spricht, zur Uefa. Der ehrgeizige Italo-Schweizer arbeitete sich schnell hoch und wurde im Januar 2004 zum Direktor der Division Rechtsdienst und Klublizenzierung ernannt. Seit Oktober 2009 ist er Generalsekretär der Uefa. Im Sommer 2015 berief ihn die Fifa ins Reformkomitee. Präsidentschaftskandidat wurde er primär deshalb, weil sein «Chef», Uefa-Präsident Michel Platini, wegen seiner Sperre durch die Fifa-Ethikkommission nicht antreten darf. «Ich bin eine verantwortungsvolle Person und wollte nicht zuschauen, wie alles kaputtgeht», begründet Infantino seine Kandidatur.

Viel Geld als Wahlversprechen

Zu Platini soll er eine sehr enge Beziehung pflegen. So sei der in Ungnade gefallene Uefa-Präsident sogar Pate eines Kindes von Infantino. Aus der Nähe zu Platini dürfe man ihm aber keinen Strick drehen, fordert der deutsche Verbandsboss Reinhard Rauball. Infantino sei integer, verlässlich und kenne den Fussball genau. «Es wäre ungerecht, ihn nur deshalb abzulehnen, weil Platini in den vergangenen Jahren sein Chef war», sagte Rauball in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Die Nähe zu Platini macht Infantino für viele automatisch zu einem Gegenspieler von Sepp Blatter. Er will diesem Bild nicht gerecht werden. «Ich habe Respekt vor dem, was Sepp Blatter in seinen 40 Jahren bei der Fifa für die Entwicklung des Fussballs auf der ganzen Welt geleistet hat», sagt er über den gestürzten Fifa-Boss.

Derzeit hetzt Infantino im Businessjet der Uefa, eingedeckt mit einem Reisebudget von 500 000 Euro, in die Welt hinaus und versucht die Fifa-Delegierten zu Wahlhelfern zu komplementieren. Wie in Wahlkämpfen üblich, macht er dies mit Versprechungen: Eine WM mit 40 anstatt 32 Teams, mehr Nichteuropäer in der Führungsetage, die Hälfte der Fifa-Einnahmen von jährlich 5 Milliarden Euro für die weltweite Entwicklung des Fussballs – damit schafft man rund um den Globus Begeisterung.

Vorgeworfen wird Infantino, dass seine Wahlversprechen an Blatters Vorgehen erinnere. Dass auch bei ihm nur die Politik des Geldes zähle. Dass er sich seine Machtbasis erkaufe. Er widerspricht und fragt: «Was soll die Fifa denn mit dem eingenommenen Geld machen? Etwa Funktionären hohe Saläre bezahlen?» Das Ziel der Fifa müsse die weltweite Entwicklung des Fussballs sein.