American Football: Finden die Lions wieder auf die Pfoten?

Die neue Football-Saison steht vor der Tür. Die Luzern Lions versuchen nach einem schwierigen Jahr auf die sportliche und wirtschaftliche Erfolgsspur zurückzufinden, derweil in Emmen ein neuer Verein gegründet wird.

Simon Wespi
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Die Lions bei einem Spiel gegen die Basel Gladiators auf der Luzerner Allmend.

Die Lions bei einem Spiel gegen die Basel Gladiators auf der Luzerner Allmend.

Bild: Robert Habijan (Luzern, 19. Mai 2019)

Die nationale American-Football-Saison hätte dieses Wochenende beginnen sollen. Doch wie viele andere Sportarten, tangiert der Corona-Virus auch die Spielpläne der Footballer. Somit findet der Saisonstart der Luzern Lions im Tessin bei den Lugano Rebels nicht statt. Wann die Partie nachgeholt wird, ist noch nicht bekannt. Die Saison für die Lions soll nun am 4. April im Aargau gegen die Argovia Pirates losgehen.

Nicht nur der Virus beschäftigt die Löwen, sie spüren auch die ausgebliebenen Erfolge vergangener Tage. Die Luzerner sind nach zwei kräftezehrenden Jahren in der höchsten Liga in die NLB abgestiegen. Die angestrebten Ziele im Nachwuchsbereich, wie etwa der Ausbau der Kadergrössen der U16 und U19, konnten während dieser Zeit nur teilweise erreicht werden. Dies führte mit unter dazu, dass der Hauptsponsor, welcher eine stolze Summe in den Verein steckte, die Zusammenarbeit per Ende 2019 beendete. Die Lions sahen sich gezwungen, den Trainer und sportlichen Leiter Sebastian Fandert (100%-Pensum) zu entlassen (Ausgabe 22. November). Ab dieser Saison führt Sascha Gaveau die Geschicke aller Mannschaften in einem 20%-Pensum.

Neuer Football-Verein in Emmen

Aus persönlichen und perspektivischen Gründen ist Jörg Behrendt mit seiner Firma «The Next Level AG» bei den Lions als Hauptsponsor ausgestiegen. Nun ist bekannt: Behrendt hat in Emmen einen neuen Football-Verein gegründet – die Dragons. «Ich wollte schon lange ein neues Team gründen. Mit dem Ende des Engagements bei den Lions ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen», erklärt er. «Wir konnten gemeinsam bei den Lions viel erreichen, Junioren-Schweizermeister-Titel und mehrfache Aufstiege in die NLA», blickt er zurück. 2021 möchten die Dragons den Spielbetrieb aufnehmen. «Beginnen müssen wir in der NLC. Ziel ist es, auf Anhieb in die NLB aufzusteigen», erklärt Behrendt, der als Präsident amtet. Mit dem Aufstieg sei man dann verpflichtet, innert drei Jahren ein U-16 und U-19 Juniorenteam zu haben. «Unser Ziel ist es jedoch, bereits früher ein Juniorenteam zu haben.» Bevor es für die Dragons losgeht, schliessen sie sich dem Westschweizer Verband NSFL an. «So können wir im Herbst ein paar Turnier-Spiele bestreiten, damit wir für die NLC-Saison gewappnet sind.» Die Dragons haben in Emmen Unterschlupf gefunden. «Die Gemeinde Emmen möchte nicht nur die Sportart, sondern besonders den Jugendsport fördern», erklärt der Präsident. Die Dragons haben in Emmen eine Zusage für einen Trainingsplatz (Listrig) erhalten, ebenso eine Halle für die kalten Tage. «Nun melden wir uns beim nationalen Football-Verband SAFV an.»

«Die Lions liegen mir noch immer am Herzen»

Jörg Behrendt sieht kein Problem darin, dass sich künftig zwei Vereine in der Zentralschweiz ausbreiten. «Football ist eine Sportart, der die Zukunft gehört. Ich bin viel in Sempach am See, viele Jugendliche werfen sich dort einen Football zu. Auch im Schulsportunterricht wird Football immer mehr integriert», sagt er. Der Dragons-Präsident spekuliert nicht auf einen Niedergang der Lions, damit Spieler zu den Dragons wechseln. «Ich bin weiterhin Ehrenmitglied, die Lions liegen mir noch immer am Herzen.» Behrendt war über zehn Jahre für die Lions tätig, nicht nur als Sponsor. «Ich habe noch viele Freunde dort. Die Football-Szene ist noch klein. Wir erreichen die Ziele nur gemeinsam, wollen wir Football in der Schweiz vorantreiben. Da hat es keinen Platz, sich gegenseitig zu konkurrieren.» Es sei jedoch nicht ausgeschlossen, dass dereinst Lions-Spieler zu den Dragons wechseln. (swe)

Keine ausländische Verstärkung mehr

Die Löwen waren angezählt. Sportlich und finanziell muss sich der Verein nun stabilisieren. Auf der Suche nach Sponsoren sind die Luzern Lions bereits fündig geworden, erklärt Geschäftsführer Michel Beljean: «Es handelt sich jedoch nicht um einen Hauptsponsor.» Die Lions wollen sich künftig umstrukturieren und breiter abstützen. «Wir wollen kein Klumpen-Risiko mehr. Lieber 15 Sponsoren welche uns mit kleinen Beträgen unterstützen,» so Beljean weiter. Fakt ist, dass der Verein ein Loch in der Kasse hat. Grosse Verträge werden künftig gemieden. Die bezahlten Spieler, welche die Lions verstärkten, wurden nicht wieder verpflichtet – ausländische Spieler sind derzeit kein Thema. «Wir wollen vermehrt auf die Jugend setzen und heimischen Spielern die Chance geben», sagt Beljean. Somit fallen die Lohnkosten grösstenteils weg. Einzig der neue Headcoach ist auf der Payroll.

Wiederaufbau in der NLB

Der Spass am Sport soll künftig wieder im Zentrum stehen bei den Lions. «Die ausgebliebenen Erfolge und das Problem der Kadergrösse haben auf die Moral geschlagen», erklärt der Geschäftsführer. Nach zwei schwierigen Jahren in der höchsten Liga steht die Mannschaft nun vor einem Wiederaufbau in der zweithöchsten Spielklasse. «Die primären Ziele der Seniors sind wieder Spiele zu gewinnen und die Freude am Spiel zurückzugewinnen», sagt Beljean. Der sofortige Aufstieg sei kein Thema. «Wir wollen erst wieder in die NLA, wenn wir um den Meistertitel in der NLB spielen können, ohne Amerikaner und Europäer als Verstärkung», betont Beljean. Nebst dem sportlichen Erfolg spricht er weitere Ziele an, wie etwa die Geschäftsstelle. «Wir haben diese im letzten Jahr eingerichtet – sie organisiert unser Tagesgeschäft. Ziel ist es, diese zu festigen und weiter auszubauen.»

Während die Löwen wieder versuchen auf die Pfoten zu kommen, gründet der ehemalige Hauptsponsor der Lions einen neuen Verein – die Dragons (siehe Box). Mehrere ehemalige Footballer der Lions wirken bei den Dragons mit. Die Freude darüber hält sich bei den Lions in Grenzen, sagt Michel Beljean. «Zwei Vereine auf so kleinem Raum sind für eine Randsportart, wie wir es sind, sicher nicht ideal. Uns ist es trotz allem ein Anliegen, ein gutes Verhältnis zueinander aufzubauen. Wir wünschen den Dragons eine erfolgreiche Vereinsentwicklung.»