FLORIAN STOFER: «Die Qualifikation haben wir noch nicht geholt!»

Der 27-jährige Sempacher Florian Stofer hat mit seinem gleichaltrigen Bootspartner Sefan Sax aus Rotkreuz am Ruder-Weltcup in München für eine kleine Sensation gesorgt. Die beiden Innerschweizer belegten in ihrem ersten internationalen Rennen im Zweier-ohne Platz 2.

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Florian Stofer (rechts) und Stefan Sax posieren in München mit ihren Silbermedaillen. (Bild Keystone)

Florian Stofer (rechts) und Stefan Sax posieren in München mit ihren Silbermedaillen. (Bild Keystone)

Es ist der erste Schweizer Podestplatz im Weltcup §seit sieben Jahren, als der legendäre Skiffier Xeno Müller in Princeton (USA) Zweiter wurde.

Florian Stofer, Sie und Stefan Sax haben die Erwartungen mit Platz 2 mehr als erfüllt. Was ging in Ihnen nach dem entscheidenden Rennen vor?
Florian Stofer:
Für uns kam dieser Erfolg auch überraschend. Nüchtern betrachtet waren wir vor dem A-Final sogar die Favoriten. In einem guten Rennen haben wir den Sieg knapp verpasst. Das vorgenommene gute Rennen sind wir aber gefahren - und vielleicht ist es besser, dass wir nicht gleich Erste geworden sind.

Letztmals ist im Jahr 2001 ein Schweizer Boot auf ein Weltcup-Podest gefahren. Xeno Müller im Einer gelang dies in Princeton. Was bedeutet es Ihnen, quasi Schweizer Ruder-Geschichte geschrieben zu haben?

Stofer: Wir wissen, dass wir eine siebenjährige Durststrecke beendet haben. Doch es löst nichts aus in uns. Es ist ein gutes Ergebnis, aber nicht schon die Olympia-Qualifikation. Jetzt heisst es, mit Basis-Training weiterzuarbeiten. Die Gegner wissen nun, dass wir schnell sind. Sie werden ebenso hart arbeiten. Wir müssen alles daran setzen, damit wir in fünf Wochen bei der Qualifikations-Regatta in Poznan nicht plötzlich eine böse Überraschung erleben.

Damit Sie sich auf die genannte Qualifikations-Regatta in Polen optimal vorbereiten können, verzichten Sie Ende Mai auf den Start beim Heim-Weltcup in Luzern. Ist dies nicht schade, jetzt wo Sie das Schweizer Boot der Stunde sind?
Stofer: Natürlich ist es immer schön vor vielen Fans bei der Heim-Weltcup-Regatta am Start zu stehen. Wir mussten abwägen, was mehr Sinn macht. Das Team um Nationalcoach Tim Foster entschied sich mit uns zugunsten einer optimalen Vorbereitung auf die Qualifikations-Regatta, auf den Start auf dem Rotsee zu verzichten. Obwohl es uns natürlich fuxt.

In diesem alles entscheidenden Rennen in Poznan müsst Ihr Mitte Juni Erste oder Zweite werden, um Euch das Ticket für die Olympischen Spiele zu sichern. Wie stehen die Chancen nach Platz 2 in München?
Stofer: In München waren wir das schnellste Boot, das sich die Qualifikation noch nicht gesichert hat. Sechs bis sieben Boote haben noch die Chance, nach Peking zu gehen. Wir dürfen uns nichts vormachen, die Qualifikation für die Spiele haben wir noch nicht geholt! Wir müssen jetzt das Maximum aus den verbleibenden fünf Wochen bis Poznan herausholen. Zurücklehnen wäre kontraproduktiv. In Polen beginnt alles bei Null.

Aber die Gewissheit, vorne mitzuhalten, gibt sicher Auftrieb.

Stofer: Es stimmt, wir wissen jetzt, dass wir mit den Besten mithalten können. Doch wie gesagt: Wir haben noch viel Potenzial. Sowohl im technischen Bereich wie bei der Physis gibt es noch einiges zu verbessern.

Von der Weltspitze im Zweier-ohne fehlten in München lediglich die Australier und Neuseeländer. Liegt in Peking gar eine Medaille für Sie und Stefan Sax drin?
Stofer:
Zuerst müssen wir jetzt das Peking-Ticket holen, bevor wir zu träumen beginnen. Als erstes wollen wir zählbare Ergebnisse zeigen, erst dann reissen wir den Mund auf.

Trotzdem: Einen schönen Erfolg habt Ihr bereits realisiert. Was könnte er für den Schweizer Rudersport bedeuten?
Stofer: Wir sind glücklich, in München das Blech (Silber; die Red.) geholt zu haben. Mit dem Peak hoffen wir, im Schweizer Rudersport wieder neues Feuer entfacht zu haben. Damit sich wieder vermehrt junge Leute in diesem brutal trainingsintensiven Sport engagieren.

Daniel Wyrsch/Neue Luzerner Zeitung