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FORMEL 1: Crash-Kid statt Wunderknabe

Vor zwei Jahren gewann Max Verstappen für Red Bull sein Debütrennen in Barcelona. Vor dem Rennen in Spanien (SRF zwei, Sonntag, 15.10 Uhr) hat der Ruf des Wunderknaben gehörig gelitten.
Sascha Reuter
Max Verstappen bereitet sich in der Box auf das Training vor. (Bild: Mark Thompson/Getty (Montmeló, 11. Mai 2018))

Max Verstappen bereitet sich in der Box auf das Training vor. (Bild: Mark Thompson/Getty (Montmeló, 11. Mai 2018))

Es war eine Sensation, als der damals 18-jährige Max Verstappen am 15. Mai 2016 das Rennen in Barcelona gewann und sich als jüngster Grand-Prix-Sieger in die Geschichtsbücher der Formel 1 eintrug. Der Holländer wurde gefeiert – und es schien nur eine Frage der Zeit, bis er Sebastian Vettel als jüngsten Weltmeister ablösen würde. Dafür müsste er den Titel spätestens 2019 holen. Sagen wir es so: Daran glauben nicht mehr viele Experten. Und überschwängliches Lob hat er auch schon länger nicht mehr gehört.

Jüngst kritisierte Formel-1-Legende Niki Lauda den 20-Jährigen deutlich: «Normalerweise wächst man mit seinen Fehlern. Er wird nur kleiner. Das scheint mir auch eine Intelligenzfrage zu sein.» Ursprung der harten Worte: ein Crash mit Vettel beim Grand Prix von China vor vier Wochen. Und Lauda stand mit seiner Kritik nicht alleine da. Ex-Weltmeister Nico Rosberg blies ins gleiche Horn, Verstappen müsse sich nun mal hinterfragen: «Ich meine, es waren jetzt drei Rennen, und er hat ungefähr fünf kapitale Böcke geschossen.» Selbst Papa Jos Verstappen, seines Zeichens Ex-Formel-1-Fahrer, kam nicht umhin festzustellen: «In manchen Situationen muss Max einfach mehr nachdenken.» Danach bekannte der Junior kleinlaut: «Das war scheisse. Natürlich war es meine Schuld.»

Die Verwandlung von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde

Das war nach drei Rennen. Dann kam der Grosse Preis von Aserbaidschan vor zwei Wochen in Baku – und das Hoffen auf den Lerneffekt. Doch Fehlanzeige. Verstappen zeigte mal wieder seine zwei Gesichter. Mit abgenutzten Reifen legte er vor seinem Boxenstopp eine Fabelrunde hin und kam so an Teamkollege Daniel Ricciardo vorbei. Es folgte die in dieser Saison schon gewohnte Verwandlung des Niederländers von Dr. Jekyll zu Mr. Hyde. Der nun hinter ihm liegende Ricciardo wollte seinen Teamkollegen überholen, doch Verstappen machte die Tür zu. Crash auf der Geraden und das Aus für beide – der Worst Case. Die ungeschriebene Regel gebrochen, sich wenigstens gegenüber dem Teamkollegen clever zu verhalten, und mindestens 22 WM-Punkte für das Team weggeworfen – und das nur, weil der Jungbulle mal wieder rot gesehen hatte. Auch wenn Verstappen das anders zu sehen scheint: Die Formel 1 ist nun mal keine Kontaktsportart.

Vor harten Duellen scheut der junge Holländer prinzipiell nicht zurück. Er sei nicht in der Formel 1, um Freunde zu finden, liess er schon mal wissen: «Man ist nicht hier, um am Ende als der nette Junge in Erinnerung zu bleiben, der angenehm ist und mit dem man gerne zu Abend isst, wenn man keine Ergebnisse hatte.» Seine Einstellung hat womöglich ihren Ursprung im Umgang von Vater Jos mit seinem Sprössling. Der hat ihm zu Jugendzeiten bei einem Kartrennen mit Wucht auf den Helm gehauen, als er der Meinung war, der Junior wäre nicht bei der Sache. Das zeigte nach eigenen Aussagen des heute 20-Jährigen Wirkung. An dem Wochenende habe er jedes Rennen gewonnen, einschliesslich des Finals. Sein Ehrgeiz ist riesig, weshalb Verstappen auch in der Formel 1 jede (nicht) vorhandene Lücke nutzen will.

Familie mit grosser Rennsport-Erfahrung

Dabei hat gerade er die Möglichkeit, sich Rat zu holen, wann man überholt und wann man es besser lässt. Schliesslich stammt er aus einer Rennfahrerfamilie. Neben Vater Jos war auch Mutter Sophie Kumpen als Kartfahrerin aktiv, Schwester Victoria sucht ihr Glück ebenfalls im Motorsport. Genug familiäre Erfahrung ist also vorhanden. Zumal sich bei Verstappen eh alles um das Rennfahren dreht. Schon in der Schule habe er nur Rennstrecken in seine Hefte gemalt, sagte er mal. Selbst in der Freizeit steht der Motorsport im Vordergrund: «Nach einem Formel-1-Wochenende gehe ich meistens ganz schnell wieder Go-Kart fahren, oder ich arbeite im Simulator.»

Ein Leben für die Formel 1. Ein Leben für das Ziel, Weltmeister zu werden. Es müsse auch nicht als jüngster Fahrer der Geschichte sein. «Entscheidend ist, dass ich überhaupt irgendwann Weltmeister werde», sagt Verstappen. So viel Gelassenheit wäre zuweilen auch auf der Strecke hilfreich. Denn auf dem Weg zum Titelgewinn ist die Ungeduld sein grösster Gegner. Eine neue Chance zur Wiedergutmachung hat er schon heute (15.10, SRF zwei, ab 15.35 SRF info). Es wird spannend zu sehen sein, welches Gesicht er dieses Mal zeigt.

Sascha Reuter

GP Spanien

Montmeló. Grand Prix von Spanien, Startaufstellung: 1 Hamilton (GBR), Mercedes, 1:16,173 (219,998 km/h). 2 Bottas (FIN), Mercedes, 0,040 zurück. 3 Vettel (GER), Ferrari, 0,132. 4 Räikkönen (FIN), Ferrari, 0,439. 5 Verstappen (NED), Red Bull-Renault, 0,643. 6 Ricciardo (AUS), Red Bull, 0,645. 7 Magnussen (DEN), Haas-Ferrari, 1,503. 8 Alonso (ESP), McLaren-Renault, 1,548. 9 Sainz (ESP), Renault, 1,617. 10 Grosjean (FRA/SUI), Haas, 1,662. – Nach dem zweiten Teil des Qualifyings ausgeschieden: 11 Vandoorne (BEL), McLaren. 12 Gasly (FRA), Toro Rosso-Honda. 13 Ocon (FRA), Force India-Mercedes. 14 Le­clerc (MON), Alfa Romeo Sauber-Ferrari. 15 Perez (MEX), Force India. – Nach dem ersten Teil des Qualifyings ausgeschieden: 16 Hülkenberg (GER), Renault. 17 Ericsson (SWE), Alfa Romeo Sauber. 18 Stroll (CAN), Williams-Mercedes. 19 Hartley (NZL), Toro Rosso. 20* Sirotkin (RUS), Williams. – * = Rückversetzung um drei Startplätze (Kollision mit Perez im GP von Aserbaidschan).

WM-Stand (4/21), Fahrer: 1. Hamilton 70. 2.Vettel 66. 3. Räikkönen 48. 4. Bottas 40. 5. Ricciardo 37. 6. Alonso 28. 7. Hülkenberg 22. 8. Verstappen 18. 9. Perez 15. 10.Sainz 13. 11. Gasly 12. 12. Magnussen 11. 13. Leclerc 8. 14. Vandoorne 8. 15. Stroll 4. 16.Ericsson 2. 17. Ocon 1. 18. Hartley 1.

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