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FORMEL 1: Der Stern glänzt nicht mehr so hell

Drei Rennen, kein Sieg. Ein Novum für Mercedes. So lange musste das Team seit 2014 nie mehr auf einen Sieg warten. Der Druck beim Rennen in Baku am Sonntag (14.10 Uhr, SRF zwei) ist gross.
Sascha Reuter
Der Funken sprühende Mercedes-Formel-1-Bolide von Weltmeister Lewis Hamilton beim Grand Prix von China in Schanghai. (Bild: Charles Coates/Getty Images (13. April 2018))

Der Funken sprühende Mercedes-Formel-1-Bolide von Weltmeister Lewis Hamilton beim Grand Prix von China in Schanghai. (Bild: Charles Coates/Getty Images (13. April 2018))

Sascha Reuter

sport@luzernerzeitung.ch

Den Mercedes-Jägern war es vor dem Saisonauftakt der Formel 1 angst und bange. Schliesslich ­hatte Weltmeister Lewis Hamilton vollmundig angekündigt, das Auto verfüge über einen Motoren­modus, der so viel Leistung freigebe, dass man ihn «Partymodus» nennen müsse. Doch die Korken knallen bisher woanders. Sebastian Vettel feierte im Ferrari bereits zwei Siege, und Daniel Ricciardo gelang im Red Bull in China ein Coup. Der Australier feierte seinen Erfolg auf die für ihn typische Art: Er verschmähte die Cham­pagnerflasche – und nahm lieber einen kräftigen Schluck aus seinem Schuh.

Für Hamilton blieb nur der Griff zur Wasserflasche. Mit jeweils einem zweiten, einem dritten und einem vierten Platz zu starten, das hatte sich der Brite gewiss anders vorgestellt. An diese Bilanz müssen sich Hamilton und Mercedes erst mal gewöhnen. Und Teamkollege Valteri Bottas wurde zwar zweimal Zweiter, aber das konnte bei den Silberpfeilen auch niemanden trösten. Der Anspruch ist ein anderer, bei Mercedes hat man sich an das Seriensiegen gewöhnt, zuletzt stellte das Team viermal in Folge den Weltmeister.

Die Alarmglocken schrillen

Und eigentlich deutete sehr vieles darauf hin, dass sich daran auch heuer nichts ändern würde. Poleposition in Melbourne, fast sieben Zehntelsekunden vor der Konkurrenz – eine Ewigkeit in der Formel 1. Ricciardo sprach nach dem Qualifying deshalb von einem «Schlag in die Magen­grube für alle anderen». Und auch im Rennen sah Hamilton lange wie der sichere Sieger aus. Doch dann ging der Griff in die Taktikkiste mächtig daneben, weil man von einer Safety-Car-Phase überrascht wurde. Vettel zog noch an Hamilton vorbei und feierte einen unerwarteten Sieg. So weit, so un­spektakulär. Kann mal passieren. Doch dann kam Bahrain – und auf einmal war Ferrari schneller. Im Qualifying. Und vor allem: im Rennen. Wieder nicht schön, aber auch nicht dramatisch, im nächsten Rennen sehe es wieder anders aus. So der Tenor bei den Silbernen. Nun werde alles gut. Es wurde noch viel schlimmer.

Denn seit dem dritten Rennen vor zwei Wochen schrillen bei der Truppe aus Brackley die Alarmglocken so schrill, dass man fast schon einen Gehörschutz benötigt. Eine halbe Sekunde im Quali­fying hinter Ferrari – und noch schlimmer: im Rennen chancenlos. Selbst die Red Bull waren schneller. Danach war Hamilton restlos bedient: «Momentan sind wir nur noch das zweit- oder das drittschnellste Team.» Auch Damon Hill, Weltmeister der Saison 1996, sieht Mercedes auf dem ­absteigenden Ast: «Es sieht so aus, als habe sich das Blatt erstmals in der Turbo-Hybrid-Ära ­gewendet.» Der Stern glänzt nicht mehr ganz so hell am Formel-1-Himmel.

Die Konkurrenz profitiert von Fehlentscheidungen

Aber geschlagen ist Mercedes natürlich noch lange nicht. Um das zu erkennen, reicht ein Blick auf die Konstrukteurenwertung der WM. Denn trotz des vermeintlich schlechten Saisonstarts thront das Weltmeisterteam dort auf Platz eins, wenn auch nur mit einem Punkt Vorsprung vor ­Ferrari. Ausserdem lag es bisher nicht nur am Auto, dass man noch keinen Sieg verbuchten konnte – siehe Melbourne. Auch in Bahrain profitierte die Konkurrenz von einer Startplatzstrafe für Hamilton wegen eines Getriebewechsels. Hinzu kam das zu ­späte Kommando an Bottas, den führenden Vettel zu attackieren. Und in China liess Mercedes in der ­Safety-Car-Phase die Chance ­liegen, Hamilton an die Box zu holen und so mit frischen Reifen angreifen zu können – der nächste taktische Fehler. Der zu diesem Zeitpunkt hinter ihm platzierte Ricciardo kam in die Box und fuhr mit neuen Reifen souverän zum Sieg. Bisher haben Ferrari und Red Bull also auch von Fehlentscheidungen in der Mercedes-Box profitiert.

Aber Fakt ist auch: Die Jahre, in denen es nur darum ging, welcher Mercedes-Pilot den Titel holt, sind vorbei. Schon in der letzten Saison konnte Vettel im Ferrari lange Paroli bieten und führte die WM zwischenzeitlich mit 25 Punkten Vorsprung an. Ein erstes Anzeichen, dass die Konkurrenz herangerückt war. Diese Entwicklung scheint sich nun noch verstärkt zu haben. Denn neben der Scuderia hat auch Red Bull mächtig aufgeholt. Schon kleinere Fehler der Silbernen reichen nun, um sie schlagen zu können.

Den grossen Favoriten mag das ärgern. Aber es sorgt endlich für die lang ersehnte Spannung in der Formel 1.

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