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Foulspiel auf Facebook: Wenn es sich Spitzensportler mit ihren Clubs verscherzen

Kritik am eigenen Verein, pikante Schnappschüsse aus dem Privatleben, umstrittene Wortmeldungen: Facebook, Instagram & Co. können für Profisportler zur Falle werden. Was liegt noch drin, was nicht? Ostschweizer Sportvereine nehmen Stellung.
Daniel Walt
Ärger im Netz: St.Gallens Tranquillo Barnetta nutzt die Sozialen Medien sehr zurückhaltend. Trotzdem sorgte ein Posting auf seinem Facebook-Profil in seiner Schalke-Zeit für Aufregung. (Montage: mar)

Ärger im Netz: St.Gallens Tranquillo Barnetta nutzt die Sozialen Medien sehr zurückhaltend. Trotzdem sorgte ein Posting auf seinem Facebook-Profil in seiner Schalke-Zeit für Aufregung. (Montage: mar)

«Das geht nicht. So eine Meinungsäusserung nach aussen, das ist nicht zu akzeptieren.» So liess sich Ralf Becker, Sportvorstand des Hamburger Sportvereins, dieser Tage in der «Bild» zitieren. Auslöser: HSV-Stürmer Jann-Fiete Arp hatte auf Instagram ein Bild hochgeladen, das ihn mit dem soeben entlassenen Trainer Christian Titz zeigt. Dazu setzte er drei Smileys – einen, dem der Kopf platzt, einen wütenden und einen schimpfenden:

(Bild: Screenshot Instagram-Account Jann-Fiete Arp)

(Bild: Screenshot Instagram-Account Jann-Fiete Arp)

Arp ruderte später zwar zurück und sagte, er habe mit dem Post nicht gegen Titz’ Entlassung protestieren, sondern bloss die Gefühle über das Ende der Zusammenarbeit ausdrücken wollen. Die Beschwichtigungsversuche blieben bei den Clubbossen aber ohne grosse Wirkung.

Der pikante Eintrag auf Barnettas Facebook-Seite

Spitzensportler und Facebook, Instagram & Co. – eine spezielle Beziehung. Witzig ist es, wenn ein Trainer wie Giorgio Contini wenige Stunden nach seiner Entlassung beim FC St.Gallen unter dem Motto «Niemals aufgeben» folgenden Cartoon postet:

(Bild: Screenshot Facebook-Profil Giorgio Contini)

(Bild: Screenshot Facebook-Profil Giorgio Contini)

Wesentlich pikanter war da der Vorfall rund um Tranquillo Barnetta in dessen Zeit bei Schalke 04. Als Barnetta in einem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach partout nicht eingewechselt wurde, erschien auf seinem offiziellen Facebook-Account noch während der Partie folgender Post:

Barnetta löschte den Eintrag später und bat um Entschuldigung: Ein Freund, der seinen Account betreue, habe den Beitrag aus der Emotion heraus veröffentlicht, ohne dass er selbst davon gewusst habe.

Zum damaligen Vorfall mag sich Barnetta nicht mehr äussern. Genauso wenig nimmt er Stellung zum Posting des HSV-Stürmers. Generell stellt Barnetta fest:

«Ein Klick, und dann ist etwas veröffentlicht – alleine schon deshalb sind Soziale Medien gefährlich.»

Es würden aus der Emotion heraus Dinge gepostet, die man ansonsten wohl anders formulieren würde. Deshalb und weil man als Spitzensportler ohnehin schon genug durchleuchtet werde, nutze er einzig Facebook, und das zurückhaltend.

FCSG-Sprecher Last: «Ein sensibler Punkt»

Würde ein Posting wie jenes des HSV-Stürmers beim FC St.Gallen toleriert, oder gehen solche Äusserungen über das hinaus, was aus Sicht des Clubs zulässig ist? Mediensprecher Daniel Last antwortet, aus der Ferne sei kaum nachzuvollziehen, aus welchen Gründen und mit welcher Absicht das Posting des Hamburgers entstanden sei.

«Generell ist es aber sicherlich ein sensibler Punkt, Entscheidungen des Vereins als Spieler oder Staffmitglied öffentlich zu kommentieren.»

Beim FC St.Gallen ist gemäss Last alles erlaubt, was nicht gegen die Grundwerte des Vereins verstösst. «Rechtsverletzende, rassistische, diskriminierende, sexistische, beleidigende, gewaltverherrlichende oder unethische Beiträge werden selbstredend nicht toleriert», sagt Last, laut dem es beim Verein bisher praktisch keine negativen Vorkommnisse gegeben hat.

St.Gallen verfolgt, was seine Spieler posten

Der FC St.Gallen verfolgt die Internet-Aktivitäten der Spieler laut Last in einem «völlig normalen Rahmen, der in der heutigen Zeit für jeden Verein unabdingbar sein sollte». Der Club gibt den Spielern auch Rückmeldungen auf Postings. Auch Schulungen müssten künftig erwogen werden, da der Umgang mit den Sozialen Medien immer bedeutsamer werde.

Daniel Last, Mediensprecher des FC St.Gallen. (Bild: Michel Canonica)

Daniel Last, Mediensprecher des FC St.Gallen. (Bild: Michel Canonica)

Ein Blick auf Facebook- beziehungsweise Instagram-Accounts von Spielern des FC St.Gallen zeigt: Es gibt Akteure, die tiefe Einblicke in ihre Tagesabläufe geben – zu sehen sind beispielsweise Fotos mit Gamekonsolen oder für Sportler fragwürdigen Nahrungsmitteln wie Nutella, Bueno-Schnitten oder Chips. Inwieweit findet der FCSG solche Postings sinnvoll? Daniel Last:

«Über Sinn oder Unsinn von Postings zu diskutieren ist kaum zielführend.»

Jeder Spieler sei für sein Handeln verantwortlich, und Junkfood auf dem Foto bedeute nicht automatisch, dass der Spieler diesen auch selbst verzehre. «Aber hier wäre ein solcher Fall, bei dem man den Spieler bezüglich solcher Postings sensibilisieren würde.»

HC Thurgau: «Spieler muss loyal sein»

Für Patrick Bloch, Geschäftsführer des HC Thurgau, steht fest: Er würde einschreiten, wenn sich ein HCT-Spieler im Internet negativ zu einer Trainerentlassung äussern würde. Bloch sagt:

«Das geht gar nicht. Als Angestellter des Clubs muss ein Spieler loyal sein.»

Das Abwägen zwischen dem Recht auf freie Meinungsäusserung und Clubinteressen sei eine Gratwanderung, bekennt Bloch. Er findet diesbezüglich: «Seine Meinung haben darf jeder Angestellte eines Clubs. Er muss aber auch dessen Geschäftsinteressen vertreten.»

Patrick Bloch, Geschäftsführer des HC Thurgau. (Bild: pd)

Patrick Bloch, Geschäftsführer des HC Thurgau. (Bild: pd)

Beim HC Thurgau gibt es laut Bloch Richtlinien im Umgang mit der Öffentlichkeit, die auch für das Verhalten auf Facebook, Instagram & Co. gelten. Sie sind Teil der Arbeitsverträge und besagen, dass sich Akteure nicht negativ über den Club, dessen Entscheidungen oder auch Sponsoren äussern dürfen. Aktiv kontrolliert der HC Thurgau die Accounts seiner Spieler nicht. «Wir haben Vertrauen. Die Akteure sollten selbst wissen, was zulässig ist und was nicht», sagt Bloch. Zudem schade sich ein Spieler, der öffentlich Kritik an seinem Club übe, selbst: Die Vereine wollten Spieler in ihren Reihen haben, die nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich stark seien. Über Schulungen hingegen habe man sich schon Gedanken gemacht, sie seien für die Zukunft ein Thema.

Anders präsentiert sich die Situation beim Handballclub St.Otmar St.Gallen. «Wir stecken selbst noch in den Kinderschuhen, was unsere Social-Media-Kanäle angeht», sagt die Medienverantwortliche Barbara Jungclaus. Missliebige Vorfälle habe es bisher noch nicht gegeben, und auch Richtlinien für die Spieler existierten nicht. Jungclaus:

«Wir appellieren an die Vernunft. Die Spieler sollten wissen, wie man sich gegenüber jenem Club verhält, für den man spielt.»

SC Brühl: «Öffentliche Kritik ist immer schlecht»

Christoph Zoller, Präsident des SC Brühl, hat diese Woche seinen Trainer entlassen. Was würde er tun, wenn sich ein Spieler im Internet kritisch dazu äussern würde? «Persönlich bin ich der Meinung, dass ein Spieler eine Trainerentlassung nicht negativ zu kommentieren hat», antwortet er. Öffentliche Kritik sei immer schlecht, fügt er an.

Christoph Zoller, Präsident des SC Brühl. (Bild: Daniel Dorrer)

Christoph Zoller, Präsident des SC Brühl. (Bild: Daniel Dorrer)

Wenn es nach Zoller ginge, würde ein Akteur im entsprechenden Fall wohl verwarnt. Weil der SC Brühl diesbezüglich aber über keine Richtlinien verfügt, will Zoller den Wirbel um den HSV-Stürmer zum Anlass nehmen, im Vorstand baldmöglichst eine Haltung zu definieren. «Damit wir bereit sind, wenn sich etwas Ähnliches bei uns ereignen sollte.»

Das sagt Arbeitsrechtler Thomas Geiser

«Der gesunde Menschenverstand ist gefragt»: Laut Thomas Geiser, Arbeitsrechtler an der Universität St.Gallen (HSG), gibt es keine kohärente Rechtsprechung zu öffentlicher Kritik von Angestellten an ihren Arbeitgebern – egal ob es sich bei letzteren um Sportvereine oder Firmen handelt. Jeder Einzelfall müsse im entsprechenden Kontext betrachtet werden. «In der Baubranche beispielsweise müssen Sie sich als Arbeitgeber mehr von Ihren Angestellten gefallen lassen, als wenn Sie eine Anwaltskanzlei führen», sagt Geiser.

Angestellten jegliche Aktivitäten auf den Sozialen Medien zu verbieten sei nicht sinnvoll, findet er. Hingegen könnten Unternehmen durchaus Richtlinien erlassen, was zulässig sei und was nicht. «So wird es im Bankenbereich sicher nicht gehen, das eigene Unternehmen schlechtzureden und dazu aufzufordern, es als Kunde zu boykottieren.»

Das kritische Posting des Hamburger Spielers zur Trainerentlassung beim HSV beurteilt Geiser aus arbeitsrechtlicher Sicht als harmlos – vor allem dann, wenn der Club keine Weisungen erlassen habe, wie man sich zu Clubthemen äussern dürfe. Das seinerzeitige Posting auf der Facebook-Seite von Tranquillo Barnetta hingegen sei heikler. «Dort wurde zur Unterstützung des Gegners aufgerufen, weil Barnetta nicht zum Einsatz kam». (dwa)

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