Die Niederländerinnen sind gewarnt: WM-Finalfavorit USA sind fulminante Schnellstarterinnen

Die Amerikanerinnen steigen am Sonntag als Favoritinnen in den WM-Final gegen die Niederlande. Und in jedem Spiel dieses Turniers trafen sie bereits in der Startviertelstunde.

Raphael Gutzwiller
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Wenn am Sonntag der WM-Final zwischen den USA und den Niederlande startet, lohnt es sich gleich von Beginn an den TV einzuschalten. Denn die Amerikanerinnen starten jeweils fulminant. In jedem ihrer bisherigen WM-Spiele erzielten sie in der Startviertelstunde das Führungstor und legten so den Grundstein zum Sieg.

Die frühen Führungen sind sinnbildlich für die Rolle der USA im Frauenfussball . Anders als bei den Männern zählten die Amerikanerinnen bereits früh zu den Topteams. 1991 wurden sie die ersten Weltmeisterinnen, 1999 und 2015 doppelten sie nach.

Stars

Der «Teejubel» von Alex Morgan gegen England sorgte für Entrüstung. (Bild: Srdjan Suki/EPA (Lyon, 2 Juli 2019))

Der «Teejubel» von Alex Morgan gegen England sorgte für Entrüstung. (Bild: Srdjan Suki/EPA (Lyon, 2 Juli 2019))

Alex Morgan schoss ihr Team mit dem 2:1-Siegtor gegen England in den Final. An ihrem 30. Geburtstag war es bereits ihr sechstes Turniertor. Das Tor gegen England bejubelte Morgan mit einer Geste, mit der sie englisches Teetrinken imitierte. Auch abseits vom Fussballplatz macht die Stürmerin von sich reden. Sie ist Autorin von Kinderbücher und spielte im Teenager-Film «Alex and me» sich selber. Auch dank ihres Aussehens hat sie auf Instagram 7,2 Millionen Follower und damit eine Million mehr als Roger Federer.

Megan Rapinoe nach ihrem 1:0 gegen Frankreich. (Bild: Christophe Petit Tesson (Paris, 28. Juni 2019)

Megan Rapinoe nach ihrem 1:0 gegen Frankreich. (Bild: Christophe Petit Tesson (Paris, 28. Juni 2019)

Der andere grosse Star ist Megan Rapinoe, die gestern ihren 34. Geburtstag feierte. Sportlich macht sie von sich reden, weil sie bei den beiden 2:1-Siege im Achtelfinal gegen Spanien und im Viertelfinal gegen Frankreich jeweils doppelt traf. Im Halbfinal fehlte sie wegen einer Verletzung im Oberschenkel, im Final soll sie voraussichtlich wieder spielen können.

Neben dem Platz steht Rapinoe wegen ihrer Haltung im Zentrum. Sie setzt sich für Rechte der Homosexuellen ein und lehnt sich gegen US-Präsident Donald Trump auf. 2016 nahm sie sich ein Vorbild von Footballstar Colin Kaepernick und kniete bei der Nationalhymne nieder gegen Polizeigewalt gegen Schwarze. Zwar steht Rapinoe inzwischen wieder, sie singt die Hymne aber nicht mehr. Gemeinsam mit Morgan und weiteren Mitspielerinnen verklagt sie den Verband, weil sie schlechter bezahlt werden als die Männer.

Trainerin

Jill Ellis. (Bild: Alessandra Tarantino/AP (Le Harve, 20. Juni 2019))

Jill Ellis. (Bild: Alessandra Tarantino/AP (Le Harve, 20. Juni 2019))

Jill Ellis (52) könnte Geschichte zu schreiben. Mit der Titelverteidigung könnte sie die erste Trainerin werden, die zweimal den Weltmeistertitel holt. Selbst bei den Männern hatte das nur Vittorio Pozzo 1934 und 1938 mit Italien geschafft. Es wäre dennoch nicht so, dass der brittisch-amerikanischen Doppelbürgerin für ihre Arbeit nur Lob entgegenschlägt. Nicht nur die ehemalige Star-Torhüterin Hope Solo kritisierte sie öffentlich, dafür, dass in der gesamte K.-o.-Phase Mittelfeldstar Lindesy Horan nur auf die Bank setzte.

Taktik

Auch gegen die Niederländerinnen werden die Amerikanerinnen wieder von erster Sekunde Vollgas geben wollen. In jeder Partie haben sie in den ersten 15 Minuten bereits das Führungstor erzielt. Falls dies im Final nicht gelingt, wird es spannend sein, wie sie damit umgehen.

Auf dem Papier organisieren sich die US-Frauen in einem 4-3-3-System. Im Viertelfinal und im Halbfinal glich die Formation aber teilweise einem 5-4-1-System. Trainerin Ellis weiss, dass das Prunkstück die Offensive ist, mit mehr Spielerinnen hinter dem Ball will sie die Defensive stärken.

Fans

Wer derzeit in Lyon spaziert, der sieht sie überall: Die amerikanischen Fans. Alleine der Trikotverkauf zeigt, wie gross die Begeisterung ist. Das Frauen-US-Dress ist in diesem Jahr das meistverkaufte Nike-Trikot überhaupt. Und auch auf den Rängen machen die amerikanischen Fans einen Grossteil aus. Mehrere Zehntausend Zuschauer sollen für das Halbfinal und Final angereist sein.