Frauenfussball
Lara Dickenmann, die Beste der Geschichte, tritt ab: «Ich freue mich auf die Zeit danach»

Lara Dickenmann ist die erfolgreichste Schweizer Fussballerin aller Zeiten. Im Sommer beendet sie ihre Karriere. Uns verrät sie ihre Zukunftspläne.

Raphael Gutzwiller
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Lara Dickenmann tritt zurück.

Lara Dickenmann tritt zurück.

Bild: Instagram

Das neue Leben muss warten. Am Tag, an dem Lara Dickenmann ihren Rücktritt bekannt gibt, hat die 35-Jährige eigentlich wichtigeres zu tun. Sie ist mitten in ihren Vorbereitungen zur Verteidigung ihrer Masterarbeit, die heute ansteht. Währendessen gibt ihr Klub Wolfsburg in den sozialen Medien und sie selbst auf ihrem privaten Kanal bekannt: Im Sommer ist Schluss mit der Profikarriere.

«Der Entscheid fühlt sich richtig an», erzählt Dickenmann am Telefon. «Noch immer liebe ich das Fussballspielen. Aber das werde ich wohl auch in fünf Jahren noch. Ich freue mich aber auch auf die Zeit nach der Fussballkarriere.»

In einer Videonachricht verabschiedet sie sich von den Fans von Wolfsburg

Eine Pionierin tritt zurück

Lara Dickenmann ist eine Pionierin des Schweizer Frauenfussball. Sie ist der erste Star und verändert die Wahrnehmung nachhaltig. «Mit 15 habe ich zum ersten Mal gesagt, dass ich Profi werden möchte. Danach habe ich mich geschämt. Eigentlich war dies ein utopischer Traum», erzählt sie.

Die Karriere von Dickenmann in Bildern

Lara Dickenmann (rechts) im Dress des FC Sursee.
12 Bilder
Neues Abenteuer: Lara Dickenmann wechselt in die USA.
Während ihrer Zeit in den USA porträtierte unsere Zeitung Lara Dickenmann bei ihren Eltern zu Hause in Kriens.
Lara Dickenmann im Training der Nationalmannschaft.
Lara Dickenmann ist rasch Nationalspielerin und trägt die Rückennummer 10.
Der erste Champions-League-Titel bleibt Lara Dickenmann als Highlight in Erinnerung.
Zweimal holt Dickenmann mit Lyon den Titel der Champions League.
Insgesamt achtmal wird Dickenmann als beste Schweizer Fussballerin des Jahres ausgezeichnet.
Dickenmann ist jahrelang der Star der Schweizer Nationalmannschaft.
Lara Dickenmann (vorne) im Dress von Wolfsburg.
Lara Dickenmann beendete im Sommer 2019 ihre lange Nationalmannschaftskarriere.
Spielt noch bis im Sommer bei Wolfsburg: Lara Dickenmann.

Lara Dickenmann (rechts) im Dress des FC Sursee.

Bild: Beat Blaettler (Sursee, 8. Mai 2004)

Gleichwohl blickt sie heute auf eine lange Profikarriere zurück. Mit dem FC Sursee dominiert sie mit 18 die Schweizer Liga, wechselt danach in Richtung USA. An der Ohio-State-University in Columbus kann sie unter fast professionellen Bedingungen Fussball spielen. Als sie nach Europa zurückkehrt, ist der Frauenfussball einen Schritt weiter – zumindest in den Top-Ligen. Bei Olympique Lyon spielt sie bei einem Verein, der in seine Frauenabteilung investiert. In sieben Jahren bei Lyon gewinnt Dickenmann sieben Mal die französische Meisterschaft und zweimal die Champions League. «Der erste Gewinn der Königsklasse, 2011, war ein riesiges Highlight. Es war so speziell, weil es der erste Triumph war.»

2015 entscheidet sich Dickenmann für den Wechsel nach Wolfsburg. Die Bundesliga ist ein weiteres Ziel der Krienserin. Auch bei Wolfsburg feiert sie grosse Triumphe, holt viermal den deutschen Meistertitel und fünfmal den Cupsieg.

Schwierige Zeit mit Verletzungen

Viele Erfolge prägen die Karriere von Lara Dickenmann. Es gibt aber auch schwierige Phasen. 2018 erleidet sie einen Kreuzbandriss. Kaum zurück, muss sie ihren Blinddarm operieren. «Ich hätte mir gewünscht, dass ich nach meiner Verletzung nochmals die Chance gekriegt hätte», sagt Lara Dickenmann. «Leider war dies nicht der Fall.»

Das Kapitel als Profifussballerin geht somit nur halb freiwillig zu Ende. Dickenmann hätte ihren Vertrag bei Wolfsburg gerne verlängert, konnte dies aber im Gegensatz zu ihrer Ehefrau Anna Blässe nicht. «Natürlich haben wir uns Gedanken gemacht, ob wir zusammen wechseln möchten. Aber für uns passt es. Ich habe mich mit dem Gedanken des Rücktritts anfreunden können», so Dickenmann. Das Paar bleibt demnach in Wolfsburg wohnhaft. Eine Rückkehr in die Schweiz war daher keine Option.

Es gibt noch viel zu tun im Schweizer Frauenfussball

Für Dickenmann ist es der zweite Rücktritt. Im Sommer 2019 ist sie schon aus dem Nationalteam zurückgetreten. Mit der Schweiz bestritt sie 135 Länderspiele und erzielte 53 Treffer, acht Mal ist sie die beste Schweizer Fussballerin des Jahres. Dickenmann bleibt als Gesicht einer Generation in Erinnerung, die sich 2015 zum ersten Mal für die WM qualifiziert. «Die WM war ein riesiges Erlebnis», sagt Dickenmann. 2017 führt sie als Captain die Schweiz an die EM.

Noch vier Monaten spielt Dickenmann professionell Fussball. Doch auch danach wird Dickenmann ihrer Passion erhalten bleiben. Ihre Masterarbeit widmet sich der Entwicklung des Frauenfussballs. Da sieht Dickenmann noch grosses Potenzial – und sie will helfen. «Ich nehme mir zunächst Zeit, die Profikarriere sacken zu lassen, bis ich genau weiss, was ich will. Aber ich möchte meine Erfahrungen bestimmt weitergeben.» Sie wird unter anderem mit dem Schweizerischen Fussballverband Kontakt suchen. «Denn es gibt noch viel zu tun.»