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FRAUENFUSSBALL: Müller: «Wir hinken 10 Jahre hinterher»

Die Akzeptanz ist gestiegen. Gegenüber Ländern wie Deutschland, Norwegen oder Schweden hat die Schweiz aber nach wie vor Nachholbedarf. Die Suche nach Gründen und Perspektiven.
Theres Bühlmann
Aushängeschild des Schweizer Nationalteams: die Krienserin Lara Dickenmann. (Bild: Keystone)

Aushängeschild des Schweizer Nationalteams: die Krienserin Lara Dickenmann. (Bild: Keystone)

Diese Zahlen sind beeindruckend: Der EM-Final zwischen Deutschland und Norwegen Ende Juli in Schweden bescherte der ARD eine exzellente Zuschauerquote: 8,91 Millionen Fans verfolgten den 1:0-Sieg der Deutschen. Mit mehr als 200 000 Besuchern in den Stadien wurde ein Rekord aufgestellt. «Diese EM hat bewiesen, dass der Frauenfussball die Menge bewegen kann», sagt Sonia Testaguzza (49), Leiterin Ressort Mädchen- und Frauenfussball beim Schweizerischen Verband (SFV). Und weiter: «Der Frauenfussball muss nicht mehr um Akzeptanz kämpfen.»

Auch René Müller (54), seit dreieinhalb Jahren bei Kriens als Trainer tätig, sagt: «Zu Beginn meiner Tätigkeit war ich etwas skeptisch. Aber die Frauen haben technische Fortschritte gemacht, und nach meiner Meinung ist Frauenfussball gut verankert und akzeptiert.» Auch in Kriens, wo es zu Beginn im Jahre 2008 doch einige Skeptiker gab. «Wir haben aber durch tolle Leistungen in den letzten zwei Jahren mit dem 2. Platz in der Meisterschaft und dem Einzug in den Cupfinal 2012 überzeugen können und gezeigt, dass Frauenfussball attraktiv sein kann.» Man dürfe aber nicht den Fehler machen, Männer- und Frauenfussball zu vergleichen, das macht man im Tennis oder im Skifahren auch nicht, weil die körperlichen Voraussetzungen in Sachen Kraft und Tempo verschieden seien.

Internationale Erfolge fehlen

Trotz aller Akzeptanz und Fortschritte: Das Schweizer A-Team konnte sich noch nie für einen internationalen Grossanlass qualifizieren. «Wir waren bis jetzt nicht bereit, wir waren zu wenig gut», sagt Sonia Testaguzza. Doch es gibt Lichtblicke: «Die Schweizerinnen haben sich in den letzten Jahren stark verbessert.» Auch die Ausbildung der Trainer werde immer besser, dies gelte auch für die Strukturen in den Vereinen. Auch die Zusammenarbeit mit den Vereinen sei gut, es gäbe Tagungen und Fortbildungskurse für Trainer. «Der gegenseitige Respekt ist vorhanden, und dies ist für mich die Basis für eine gute Zusammenarbeit.» Allerdings sagt René Müller: «Die Nationaltrainerin kommuniziert mit uns Trainern betreffend die Spielerinnen viel zu wenig.»

Deutschland zählt über eine Million lizenzierte Fussballspielerinnen, und in Norwegen ist jeder vierte Fussballer eine Frau. In der Schweiz sind rund 23 000 Lizenzierte registriert, und in der letzten Meisterschaft besuchten durchschnittlich 500 Zuschauer die Spiele. 280 000 Männer spielen in der Schweiz Fussball.

Der Grund, weshalb Deutschland der Schweiz voraus ist, sieht René Müller so: «Die Strukturen im Schweizer Frauenfussball sind gegenüber Deutschland amateurhaft, wir hinken zehn Jahre hinterher.» Um diese zu verbessern, müsste man die Frauenliga aus der technischen Abteilung beim Schweizerischen Verband auslagern und in die Swiss Football League integrieren. Und noch einen Wunsch hegt Müller: «Der Verband muss bei der Medienarbeit aktiver werden.» Und nennt ein Beispiel: Anspielzeiten der Meisterschafts- und Länderspiele sowie Resultate auf den Teletext-Seiten bekannt geben.

Die Ausbildung greift

Der SFV rief 2004 das Ausbildungszentrum für Mädchen in Huttwil ins Leben, welches kürzlich nach Biel dislozierte. «Die Ausbildung greift», so Testaguzza. «Wir haben bei den Jüngsten (U-13-/U-15-Regionalauswahlen) ein ausgeklügeltes Selektionsverfahren und eine sorgfältige erste Selektion für das Nationalteam.» Die SFV-Ausbildungsphilosophie habe auch im Ausland grosses Ansehen. Für diese Aussage spricht, dass viele Schweizerinnen in ausländischen Klubs engagiert sind. Die bekanntesten sind die Krienserin Lara Dickenmann (27), 2011 und 2012 Champions-League-Siegerin mit Olympique Lyon. Oder die aus Malters stammende Ramona Bachmann (22) bei Malmö, die in Schweden 2011 zur wertvollsten Spielerin gekürt wurde.

Frauen für den Frauenfussball

Um dem Frauenfussball in der Schweiz zu noch mehr Beachtung zu verhelfen, wurde 2007 der Frauenfussballrat Schweiz gegründet. Ein Gremium, dem Politikerinnen wie die langjährige Nationalrätin Hildegard Fässler, Nationalrätin Ursula Haller und die Entertainerin Monika Kaelin angehören. Dieser Rat unterstützt den Frauenfussball gezielt bei Anlässen, schickt zum Beispiel eine Vertretung zu Tagungen oder an den Cupfinal. Aber auch hinter den Kulissen ist dieser Rat aktiv, im Sponsoringbereich oder wenn es darum geht, für die Nationalspielerinnen eine möglichst ideale Arbeitssituation zu schaffen.

Trotzdem, der Weg der Schweizerinnen an die internationale Spitze ist steinig – und es gibt noch viel zu tun.

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