FREESKI: Ausbildungsjahr kostet 37 000 Franken

Sie haben es dem Slopestyle-WM-Titel des Engelbergers Fabian Bösch (17) zu verdanken: Die Freeskier stehen im Rampenlicht.

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Der Engelberger Fabian Bösch springt an der WM in Österreich durch die Luft. (Bild: Keystone / Barbara Gindl)

Der Engelberger Fabian Bösch springt an der WM in Österreich durch die Luft. (Bild: Keystone / Barbara Gindl)

claudio Zanini

Als Fabian Bösch 2011 Schweizer Meister bei den Slalom-Junioren wurde, deponierte er nach dem Rennen seine Ski-Tasche in der Garage seines Elternhauses. Eine Woche später fand Vater Markus das Edelmetall in der Tasche. Das Interesse an der Goldmedaille im Slalom hielt sich bei Fabian Bösch gelinde gesagt – in Grenzen.

Im selben Jahr wechselte Bösch also die Disziplin: Weg vom alpinen Skifahren, hin zum Freeski. Unverändert blieb aber Böschs Erfolg: An der Freestyle-WM holte sich der Engelberger im Slopestyle den Weltmeistertitel.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu einer Sportart, die noch in den Kinderschuhen steckt.

Was bedeutet «Freeski» eigentlich?

Beim Schweizerischen Skiverband ist Freeski eine von vier Disziplinen innerhalb der übergeordneten Kategorie Freestyle. Die übrigen drei sind: Skicross, Buckelpiste und Aerials (Skiakrobatik).

Freeski wird wiederum in drei Unterdisziplinen eingeteilt: Slopestyle, Halfpipe und Big Air. Erst seit Sommer 2010 gehört die Sportart Swiss-Ski an. In der Disziplin von Fabian Bösch (Slopestyle) führt der internationale Skiverband FIS seit 2012 einen Weltcup durch. 2011 wurde Slopestyle ins Programm der Freestyle-WM im Deer Valley Resort (USA) aufgenommen.

Welche Voraussetzungen muss ein Athlet mitbringen?

«Die Fähigkeiten auf den Skiern sind Grundbasis und Voraussetzung für den Freeskier», sagt Dominik Furrer, Trainer des Swiss Freeski Teams. Der gebürtige Einsiedler betont: «Viele Freeski-Athleten haben mit alpinem Skifahren angefangen.» Hinzu kommt eine zweite wichtige Komponente: «Es ist wünschenswert, dass Anfänger bereits akrobatische Fähigkeiten haben.» Denn: Schrauben und Salti sind das kleine Einmaleins des Freeskiers. Eskil Läubli, Geschäftsführer der Sportmittelschule Engelberg fasst zusammen: « Ein guter Freeskier muss auf einer soliden Alpinbasis sowie hohen koordinativen Fertigkeiten aufbauen können.» Für das Training abseits des Schnees sei es empfehlenswert, Skateboard oder Inline-Skating auszuüben, so Läubli.

Wo kann in der Region trainiert werden?

Ist die Veranlagung erst einmal vorhanden, sollte sich der zukünftige Athlet einem Verein eines Skiverbandes anschliessen. «So kann man an Wettkämpfen auf sich aufmerksam machen», erklärt Furrer. Der Zentralschweizer Schneesportverband (ZSSV) selbst bietet die Disziplin nicht an: «Bisher war die Nachfrage noch nicht so gross», erklärt ZSSV-Präsident Fidé Fässler. Sobald man aber eine gewisse Quantität an Fahrern habe, würde so schnell wie möglich ein Team auf die Beine gestellt werden. Einer der wenigen Vereine mit einem Freeski-Team ist der Skiclub Ibergeregg. Lokale Freestyle-Parks für das Training existieren nebst der Mythenregion auch in Engelberg oder auf Melchsee-Frutt.

Wie kommt man ins Nationale Leistungszentrum?

«Nach Leistungen an Wettkämpfen kann ein talentierter Athlet an einer Sportschule aufgenommen werden», sagt Dominik Furrer. An der Sportmittelschule Engelberg etwa muss ein Freeskier eine Trainerempfehlung und eine sportmedizinische Beurteilung vorweisen können. Weiter hat er sich während einer Woche einer sportlichen Aufnahmeprüfung zu unterziehen. Da die Sportmittelschule gleichzeitig das Nationale Leistungszentrum der Freeskier ist, kann der Athlet in Engelberg in das Swiss Freeski Team aufgenommen werden sofern die Leistungen stimmen. Das Kader ist in drei Klassen eingeteilt: Challenger (Sichtungskader), A-Team und Nationalteam.

Welche Kosten fallen für den Freeskier an?

Zu Beginn halten sich die Kosten noch in Grenzen. Freestyle-Skis sind inklusive Bindung bereits ab 500 Franken zu haben. Der Kostenpunkt für die gesamte Ausrüstung (Stöcke, Schuhe, Rückenpanzer, Helm, Kleider) und die Saisonkarte in einem Skigebiet liegt zwischen 2000 und 3000 Franken.

Finanziell aufwendiger wird es schliesslich, wenn ein Freeskier eine Sportschule besucht. In Engelberg belaufen sich die Kosten eines Ausbildungsplatzes auf jährlich 37 000 Franken. In diesem Betrag enthalten sind etwa: Unterbringung im Internat, schulische und sportliche Ausbildung, Trainerkosten, Beförderung zu Trainingsplätzen. Der Athlet selber beziehungsweise dessen Eltern bezahlen 13 980 Franken der Löwenanteil wird durch Beiträge der öffentlichen Hand, Gönner und Sponsoren bereitgestellt. Ein Kader-Athlet bezahlt zu­dem (im Sinne eines Mitgliederbeitrags) einen Fixbetrag von 4000 bis 5000 Franken.

Wer bezahlt bei einem schweren Unfall?

Das Ausüben der Sportart ist mit einem gewissen Risiko verbunden. Eskil Läubli stuft die Gefahren beim Freeski und bei Ski alpin in etwa gleich hoch ein. «Die Freestyle-Parks werden heutzutage aufgrund von physikalischen Berechnungen gebaut, welche die Gefahren für Athleten möglichst minimieren. Die athletischen Voraussetzungen an die Fahrer sind jedoch gestiegen.» Die Athleten müssen trotz grossen Risiken nicht speziell versichert sein. «Eine normale Grundversicherung reicht da völlig aus», sagt Dominik Furrer, der während acht Jahren selbst professioneller Freeskier war. Gehören die Athleten einem Kader von Swiss-Ski an, sind sie via Verband versichert.