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Remo Freuler ist endlich im Nationalteam angekommen

Zwar überwog nach dem 3:3 gegen auch bei Remo Freuler der Frust. Dennoch dürfte ihm die Partie gegen Dänemark mit ein wenig Abstand auch positiv in Erinnerung bleiben. Denn zum ersten Mal überhaupt hat der Ex-FCL-Spieler im Nationalteam getroffen – und damit seine Position gefestigt.
Raphael Gutzwiller
Jubelt zum 1:0 gegen Dänemark: Remo Freuler (Mitte). (Bild: Toto Marti/Freshfocus (Basel, 26. März 2019))

Jubelt zum 1:0 gegen Dänemark: Remo Freuler (Mitte). (Bild: Toto Marti/Freshfocus (Basel, 26. März 2019))

Auch Remo Freuler machte nach dem 3:3 gegen Dänemark einen geknickten Eindruck, als er den Journalisten Red und Antwort stand. «Die letzten zehn Minuten überwiegen natürlich», sagte er mit leiser Stimme. Soeben hatte die Schweiz nach einer 3:0-Führung innert zehn Minuten noch drei Tore kassiert und einen perfekten Start in die EM-Qualifikation verspielt.

Für Freuler selber aber war die Partie gegen Dänemark auch eine gewesen, in der es viel Positives gegeben hatte. Endlich erzielte er sein erstes Tor im 16. Länderspiel. Er traf mit einem satten Schuss zum 1:0, nachdem Albian Ajeti für ihn aufgelegt hatte. Später bereitet er den dritten Schweizer Treffer per Eckball vor. «Im Moment und in den nächsten Tagen kann ich das nicht geniessen», meinte Freuler. «Aber mit ein wenig Abstand werde ich auch Positives in diesen Länderspielen sehen.» Schon gegen Georgien hatte er zu den besten gezählt. Im zentralen Mittelfeld zusammen mit Granit Xhaka und Denis Zakaria fiel Freuler als aufmerksamer Balleroberer auf.

Es waren die wohl zwei besten Länderspielen für den 26-Jährigen, der lange nie richtig angekommen war. Bei Atalanta Bergamo in der Serie A spielt er seit Jahren konstant gut, für die Schweiz brachte er dies aber kaum auf den Platz. Vielleicht liegt das auch an seiner Spielweise: Er ist kein Lautsprecher wie Granit Xhaka, kein Krieger wie Valon Behrami, kein Künstler wie Xherdan Shaqiri.

Der Inbegriff des modernen Mittelfeldspielers

Im Verein jedoch, da zeigt Freuler regelmässig, was er drauf hat. «Ich habe gegen Georgien und Dänemark ähnliche Leistungen gezeigt wie jeweils in Italien in der Serie A», stellte er fest. Anfang 2016 ist er von Luzern zu Atalanta Bergamo gewechselt, dort ist er aus dem Team nicht mehr wegzudenken. Gemeinsam mit dem holländischen Nationalspieler Marten de Roon bildet er das Herzstück einer Mannschaft, die seit Jahren positiv überrascht. Der ehemalige Atalanta-Spieler Massimo Donati und heutige Fernsehkommentator für den Sender «Dazn» lobte Freuler öffentlich: «Er ist der Inbegriff des modernen Mittelfeldspielers.» Freuler ist ungemein ballsicher, hat gutes Gespür für Spielsituationen und zeichnet sich durch hohe Spielintelligenz aus. Oder wie es Donati sagt: «Er weiss immer, was zu tun ist.»

Eigentlich ist Freuler für den kleinen Europa-League-Kandidaten schon zu gut geworden. Dennoch wollen ihn die Norditaliener mit allen Mitteln halten. Die Ligakonkurrenten Lazio Rom, AC Milan, sowie die Bundesliga-Vereine Gladbach, Dortmund und Leverkusen sollen die Fühler ausgestreckt haben. Doch unter 20 Millionen Euro dürfte Bergamo Freuler, der einen Vertrag bis 2022 besitzt, nicht ziehen lassen.

Einst hatte der Mittelfeldspieler sich bei den Grasshoppers nicht durchsetzen können, spielte in der Folge für seinen Stammklub Winterthur in der Challenge League. Im Winter 2014 folgte der Wechsel zu Luzern, wo er mit starken Auftritten schnell das Interesse aus dem Ausland weckte. Für 1,5 Millionen Euro wechselte er schliesslich in die Lombardei. Dort setzte er sich bei Atalanta rasch durch. Ähnlich schnell ging es für Freuler nach seinem Debüt am 25.März 2017 im Nationalteam derweil nicht. Wirklich durchsetzen konnte er sich lange nicht, kam an der letzten Weltmeisterschaft zu keiner einzigen Spielminute. Und wenn er die Chance erhielt, nutzte er sie nicht: Negativ in Erinnerung blieb insbesondere sein schwacher Auftritt während der WM-Qualifikation in Portugal (0:2), wo er zur Pause ausgewechselt wurde. Ein halbes Jahr später entgegnete er dem Reporter:

«Alle kommen immer wieder mit diesem einen schlechten Spiel gegen Portugal, sonst habe ich die Leistungen für das Nationalteam aber ja immer gebracht. Das vergisst man irgendwie immer wieder.»

Da spürte man, dass Freuler in der Heimat die Wertschätzung für seine Leistungen vermisst. Viele Schweizer schauen die deutsche Bundesliga, die englische Premier League oder die spanische La Liga, nur die wenigsten beschäftigen sich mit der italienischen Serie A. Doch jetzt, wo Remo Freuler auch für die Schweiz aufblüht, dürfte er endlich die gewünschte Wertschätzung erhalten – doch freuen darüber kann er sich nach dem 3:3 gegen Dänemark noch nicht.

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