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Präsident des Innerschweizerischen Fussballverbands: «Früher war der Verein wie ein Zuhause»

Der Innerschweizerische Fussballverband (IFV) feiert sein 100-jähriges Bestehen. Urs Dickerhof (65), der aktuelle Präsident, spricht über Festivitäten und über die nicht immer nur erfreuliche Entwicklung im Regionalfussball.
Interview René Barmettler
Noch ohne Videobeweis, aber wahrscheinlich ein Tor: Misslungene Goalieparade 1920 auf der Luzerner Tribschen. (Bilder: Archiv IFV)

Noch ohne Videobeweis, aber wahrscheinlich ein Tor: Misslungene Goalieparade 1920 auf der Luzerner Tribschen. (Bilder: Archiv IFV)

Urs Dickerhof, Sie dürfen 100 Jahre Innerschweizerischer Fussballverband feiern. Wieviel Zeit opfern Sie für diese Feierlichkeiten?

Das ist schwierig zu beantworten. Das Jahresprogramm, das wir vor zwei Jahren an der Delegiertenversammlung in Altdorf präsentierten, wollten die Mitglieder nicht. Also beschränkten wir uns auf sechs so genannte Hotspots, wie etwa den Kickoff-Tag auf dem Pilatus, den IFV-Cupfinaltag und die Schifffahrt mit allen Vereinen. Die DV an diesem Freitag wird demnach mein vierter Anlass sein. Die Organisation dieses 100-Jahr-Jubiläums dauert indes seit zwei Jahren an.

Urs Dickerhof, Präsident IFV. (Bild: PD)

Urs Dickerhof, Präsident IFV. (Bild: PD)

Zu diesem Anlass gibt der Verband auch eine Chronik heraus, in der alle IFV-Vereine vorkommen. Im Moment sind es 89 IFV-Klubs. Das Ziel sollen aber dereinst 100 wein. Wie kommen Sie auf diese Zahl?

Es gibt in der Zentralschweiz noch immer Gemeinden, die keinen Fussballverein haben, die sich aber gerne einen wünschen. Grundsätzlich sind wir aber zufrieden. Dies, weil wir viele Fussballklubs mit zahlreichen Juniorenmannschaften stellen. In der Nordwestschweiz gibt es vergleichbar viele Klubs, die aber weniger Mannschaften stellen. Wir sind stolz auf unsere Vereine, die möglichst viele Junioren ausbilden.

Der Breitenfussball scheint gut aufgestellt, warum hat der Spitzenfussball in unserer Region einen solch schweren Stand?

Ich interpretiere das etwas anders. Mit dem FC Luzern in der Super League, dem SC Kriens in der Challenge League und dem SC Cham in der Promotion League haben wir eine gute Abdeckung. Das sind alles starke Vereine. Das Problem, das wir haben: Früher gingen die Spieler mit rund 17 Jahren zum FC Luzern. Heute werden die Talente bereits mit 10 oder 11 Jahren abgeholt. Weil die Spieler ihre Stammvereine so früh verlassen, geht die Identifikation verloren.

Im chicen Zweiteiler: Der FC Malters 1946.

Im chicen Zweiteiler: Der FC Malters 1946.

Viele Klubs haben Wartelisten von Junioren, die gerne «tschutten» möchten. Stösst der Fussball an ihre Kapazitätsgrenzen?

Das ist gesamtschweizerisch gesehen korrekt, bei uns punktuell. Die allermeisten Betreuer und Juniorentrainer arbeiten ehrenamtlich und der Verband stellt hohe Anforderungen an sie. Ein Vorteil den wir haben: Dank vieler Kunstrasen könnte man theoretisch während 24 Stunden darauf trainieren. Die Realität ist aber, dass die Leute in der Regel unter der Woche nur zwischen 16 und 22 Uhr zur Verfügung stehen.

Die Trainerarbeit im Juniorenbereich hat sich im Laufe der Jahre massiv geändert. Sie ist, wie sie sagten, inzwischen sehr anspruchsvoll geworden. Ist es auch deshalb schwieriger geworden, in diesem Bereich genügend Leute zu finden?

Der Anspruch ist die eine Seite, da müssen wir aufpassen, dass wir das Fuder nicht überladen. Der gesellschaftliche Wandel ist die andere Seite. Früher war der Fussballverein wie ein Zuhause, heute nur noch eine Freizeitbeschäftigung, zu dieser man sich zwei- bis drei Mal wöchentlich zur Verfügung stellt.

FCL-Legende: Paul Wolfisberg 1972 ohne Bart in Buochs.

FCL-Legende: Paul Wolfisberg 1972 ohne Bart in Buochs.

Gewisse Zeiterscheinungen, wie etwa Gewaltausbrüche auf den Fussballplätzen beschäftigen den IFV in den letzten Jahren immer wieder. Haben die getroffenen Präventivmassnahmen inzwischen Früchte getragen?

Ich denke, es ist durchgedrungen, dass dies keine Kavaliersdelikt sind. Gewisse Korrekturen sind aber schon noch nötig. Noch immer passieren Sachen, die aus meiner Sicht nicht gehen. Diese Ernsthaftigkeit bei der Ausübung eines Hobbys? Natürlich gehören Emotionen im Fussball dazu, die müssen raus, das ist nur gesund.

Gehen wir 100 Jahre zurück. Die Gründung erfolgte rund ein halbes Jahr vor Ende des Ersten Weltkrieges. Was waren damals die grössten Herausforderungen?

Die grösste ist auch heute noch aktuell: Die Organisation des Spielbetriebs. Ab diesem Zeitpunkt wurden Spiele zwischen Teams aus der ganzen Innerschweiz ausgetragen. Vorher spielten immer die gleichen Mannschaften gegeneinander. Man muss sich vorstellen: Für den SC Buochs, der damals Avanti Buochs hiess, etwa war ein Auswärtsspiel in Altdorf eine halbe Weltreise um den ganzen Vierwaldstättersee.

Die damaligen Pioniere konnten sicher nicht ahnen, dass dieser Verband eine derartige Erfolgsgeschichte schreiben würde?

Das denke ich auch. Eine solche Erfolgsgeschichte konnten die Leute damals nicht ahnen. Die wären sicher überrascht, wieviele – und vor allem so zahlreich die Kinder – diesen Sport inzwischen ausüben. Zu meiner Zeit gab es unterhalb der C-Junioren nichts.

1917 auf dem Weg über die Axenstrasse: Der FC Altdorf fährt zum Freundschaftsspiel nach Brunnen.

1917 auf dem Weg über die Axenstrasse: Der FC Altdorf fährt zum Freundschaftsspiel nach Brunnen.

Als Sie auf die Welt kamen, gab es den Verband seit 35 Jahren. Stammen Sie aus einer Fussballerfamilie?

Nein, ich bin der Exot in meiner Familie. Meine Brüder waren musisch veranlagt, ich war mehr der Bewegungsmensch. Ich stamme aus einer Künstlerfamilie. Während eines Engagements in Basel fing ich beim FC Black Stars mit Fussball an, wechselte dann aber bald in die IFV-Region zu den C-Junioren des FC Alpnach.

Sie waren früher Präsident beim FC Emmenbrücke und haben danach gesehen, wie schnell es im Fussball abwärts gehen kann. Weshalb werden im Fussball immer wieder dieselben Fehler – meist finanzieller Natur – begangen?

Das ist eine Spezialität der Innerschweiz. Da hat auch die lokale Presse eine Mitschuld. In den 1980er-Jahren, als noch drei Zeitungen über den FC Luzern berichteten, entdeckte das Luzerner Tagblatt den Regionalfussball. Die mediale Aufmerksamkeit führte dazu, dass im Regionalfussball immer mehr Geld floss. Das ist heute teilweise immer noch so. Deshalb ist die Gefahr gross, dass Vereine von Einzelpersonen oder Sponsoren abhängig sind. Inzwischen haben wir aber auch vorbildliche Vereine wie Kriens oder Cham, die viel in die Junioren investieren. Bei beiden wäre ein Abstieg der ersten Mannschaften inzwischen kein Weltuntergang mehr.

In jeder Liga sind wir mindestens ein Mal vertreten. Warum schaffen es aber keine Zentralschweizer mehr bis in die Nationalmannschaft?

Ich denke, Jonas Omlin wird der nächste sein. Nur bin ich mir nicht sicher, ob er es schon im FC-Basel- oder dann halt im FC-Bayern-Dress schaffen wird (lacht). Viele Innerschweizer gehen halt früh weg, und zählen später dann nicht mehr als solche. Aber ich sehe sowieso keine Region in der Schweiz, die diesbezüglich ein Übergewicht hätte.

Schweizer NLA-Meistertitel 1989: Der FC Luzern feiert.

Schweizer NLA-Meistertitel 1989: Der FC Luzern feiert.

Folgen auf Ref Urs Schnyder bald weitere Zentralschweizer Schiedsrichter mit nationalem beziehungsweise Fifa-Niveau?

Das Potenzial ist vorhanden, wir sind da gut unterwegs. Entscheidend wird sein, wie viele ins Halbprofitum übertreten können. Das ist eine Voraussetzung dafür, eines Tages die Kriterien eines Fifa-Schiedsrichters erfüllen zu können. Ich wünschte mir aber, dass zur Qualität auch mehr Quantität hinzukommt. Das ergäbe mehr Auswahl für die Weiterentwicklung. Nachschub und diese Schiedsrichter bei der Stange zu halten, sind die grössten Herausforderungen.

Der IFV feierte vor rund einem Monat auf der MS Diamant seinen Geburtstag. Was ist in diesem Jahr sonst noch geplant?

Am 30. September kommt’s zum «IFV meets FCL». Wir geben 5000 Tickets für das Super-League-Heimspiel gegen den FC Sion an die Vereine weiter. Somit bekennt sich auch der FCL-Spitzenfussball zum Breitenfussball. Wir werden in der Swisspor-Arena mit Choreos und Fahnen den Innerschweizer Fussball feiern. Mit diesem Anlass sorgen wir dafür, dass auch viele Junioren etwas von dieser Feier haben.

Seit letzter Saison müssen – nicht nur zur Freude der Klubs – Spiele der Promotion League live ins Internet übertragen werden. Der IFV plant nun ebenfalls Livespiele. Wie soll das vonstatten gehen?

Die Klubs haben die Möglichkeit, Spiele über eine App hochzuladen. Es besteht aber kein Zwang unsererseits. Die Vereine können so ihre Spiele weitertransportieren und so möglicherweise auch ihre Werbung besser verkaufen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?

Ich sähe es gerne, wenn der Fussball eine noch breitere Akzeptanz als Teamsport erreichen könnte. Auch habe ich das Gefühl, dass der Respekt gegenüber Schiedsrichtern grösser sein darf.

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Zahlen zum IFV

1918 wurde der IFV am 7. April 1918 im Hotel Engel in Schwyz gegründet.

13 nationale Titel holten IFV-Teams:

  • 1960 Cupsieg FCL
  • 1975: Meister FC Alpnach Frauen
  • 1989: Meister FCL Männer
  • 1992: Cupsieg FC
  • 2002: Meister FC Sursee Frauen (heute FC Luzern Frauen)
  • 2002: CupsiegFC Sursee Frauen
  • 2003: Meister FC Sursee Frauen
  • 2004: Meister FC Sursee Frauen
  • 2004: Cupsieg FC Sursee Frauen
  • 2005: Meister SC LUwin.ch Frauen (heute FC Luzern Frauen)
  • 2005: Cupsieg SC LUwin.ch Frauen
  • 2006: Meister SC LUwin.ch Frauen
  • 2006: Cupsieg SC LUwin.ch Frauen

89 Klubs gehören dem IFV an – darunter auch die beiden Aargauer Klubs Dietwil und Sins.

Rund 700 Spiele pro Wochenende finden im Meisterschaftsbetrieb statt.

1317 Teams stellen die Mannschaften des IFV.

Über 1400 Schiedsrichterinnen hat der IFV in seinen Reihen.

Fast 14000 Juniorinnen und Junioren sind beim IFV lizenziert.

Über 23 000 lizenzierte Fussballerinnen und Fussballer spielen im Verbandsgebiet des Verbandes.

1,678 Millionen Zuschauer locken die Partien im Verbandsgebiet pro Saison an den Spielfeldrand.

181 000 Zuschauer zählt allein der FC Luzern (Saison 2017/18).

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