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Fünf Gründe, warum Belinda Bencic reif ist für ihren ersten Grand-Slam-Final

Belinda Bencic steht nach ihrem Sieg gegen die Kroatin Donna Vekic im Halbfinal der US Open. Diese Gründe zeigen, warum die Zeit reif für ihren ersten Grand-Slam-Titel ist.
Philipp Reich/watson.ch
Belinda Bencic jubelt: Erstmals steht sie in einem Major-Halbfinal. (Bild: Keystone)

Belinda Bencic jubelt: Erstmals steht sie in einem Major-Halbfinal. (Bild: Keystone)

1. Spielerisch in Topform

So stark wie in den letzten Tage hat Belinda Bencic schon lange nicht mehr aufgespielt. Bei der 22-jährigen Ostschweizerin stimmt endlich das Gesamtpaket wieder. Das hat vor allem mit dem Aufschlag zu tun, den Bencic seit Saisonbeginn extrem verbessert hat.

War der erste im Feld, machte Bencic im Achtelfinal gegen Naomi Osaka und im Viertelfinal gegen Donna Vekic zu über als 80 Prozent auch den Punkt. Auch am zweiten Aufschlag, der sicherer und variantenreicher geworden ist, hat die Weltnummer 13 hart gearbeitet: Dennoch bleibt dieser angreifbar und immer wieder schleicht sich auch der eine oder andere Doppelfehler ein.

SRF-Experte Günthardt über Bencics Aufschlag:

«Es hat viel mit Selbstvertrauen zu tun und der Einstellung, die sie zu ihrem Aufschlag hat. Sie versteht diesen Schlag jetzt als Waffe. Zuvor wurde er nur genutzt, um den Punkt zu beginnen.»

Von der Grundlinie gehört Bencic seit längerem zu den Besten auf der Tour. Zwar schlägt sie nicht mit der gleichen Power wie die Konkurrenz, doch sie kann die Bälle so früh nehmen wie kaum eine andere, weil sie deutlich besser antizipiert. Bencic steht wie einst Martina Hingis fast immer am richtigen Ort und hat dann Zeit, sich für den richtigen Schlag zu entscheiden.

Bencic über ihre Antizipation:

«Es ist vielleicht ein bisschen eine Gabe. Aber wenn es heute so natürlich aussieht, dann nur wegen des harten Trainings mit Melanie Molitor. Von klein auf lehrte sie mich, die Spielsituation zu lesen, zu begreifen, welchen Ball die Gegnerin wann wohl spielt. Davon profitiere ich enorm. Das geht heute automatisch.»

Die Highlights des Viertelfinals gegen Vekic:

2. Die Emotionen im Griff

Belinda Bencic und die Emotionen – einerseits braucht sie ihr manchmal aufbrausendes Temperament als Antrieb, andererseits standen sie ihr immer wieder im Weg. Des öfteren scheiterte sie gegen unterklassige Gegnerinnen vor allem an sich selbst. Weil sie ihre Emotionen nicht in den Griff bekam und sich davon runterziehen liess, wenn es nicht lief.

«Es ist schwer für mich, das in mir drin zu behalten. Das macht mich krank und muss raus», sagte Bencic nach dem Drittenrunden-Aus in Wimbledon. Wichtig ist, dass sie die Balance findet, dass sie auf dem schmalen Grat zwischen Ansporn und Destabilisierung wandeln kann.

Bencic hadert gerne mal mit sich selbst. (Bild: AP)

Bencic hadert gerne mal mit sich selbst. (Bild: AP)

An den US Open klappt das bisher ganz gut: Im Viertelfinal gegen Vekic verwarf sie nach dem Break der Kroatin im ersten Satz zum 4:5 zwar ein paar Mal die Hände, schaffte es aber die nötige Konzentration aufrecht zu halten. Bencic breakte umgehend zurück und holt sich den wichtigen ersten Durchgang mit dem vierten Satzball.

Bencic über ihre Emotionen:

«Manchmal muss ich den Frust rauslassen. Ich fühle mich danach etwas besser, beginne besser zu spielen und bin mehr aufgepumpt. Es passiert halt manchmal. Aber ich versuche daran zu arbeiten, während den Matches emotional etwas ruhiger werden.»

Positive Emotionen: Bencic im Platzinterview nach dem Sieg gegen Vekic:

3. Der Körper macht mit

Handgelenk, Adduktoren, Steissbein, Rücken, Zeh und Knöchel – Bencic hatte in ihren jungen Karriere schon mit so mancher Verletzung zu kämpfen. Zwischendurch bangte die einstige Weltnummer 7 gar um ihre Karriere. Im Frühling 2017 liess sie sich am Handgelenk operieren und verpasste rund fünf Monate auf der Tour. Mühsam kämpfte sie sich über Turniere der dritthöchsten Stufe zurück.

Doch auch in dieser bislang so erfolgreichen Saison blieb sie nicht von körperlichen Rückschlägen verschont. Im Frühling wurde sie von einer Stressfraktur im Knöchel ausser Gefecht gesetzt, vor dem US Open zog sie sich eine schmerzhafte Fersenprellung zu.

Bencic über ihre Verletzungen:

«Ich habe profitiert von jenen schweren Zeiten. Ich zweifelte da schon, ob ich je wieder gesund Tennis spielen könnte. Wenn es nur aufwärts geht, denkt man, alles sei selbstverständlich. Jetzt geniesse ich es umso mehr.

Doch die kleinen Blessuren steckt Bencic mittlerweile locker weg. Auch weil ihr Körper optimal austrainiert ist. Doch das war nicht immer so: Als Teenagerin war sie zu schmächtig, später legte sie beim Versuch, die Wucht in ihrer Schlägen zu erhöhen, etwas gar viel zu und so fehlte plötzlich die Spritzigkeit. Nun hat sie die perfekte Balance gefunden.

4. Das Umfeld stimmt

Im Herbst 2017 erfolgte der grosse Knall: Belinda Bencic hatte in der sportlichen Krise das Gefühl, etwas ändern zu müssen und trennte sich von ihrem Manager Marcel Niederer und von ihren Vater Ivan als Coach. Selbst die Trainingsstunden bei Melanie Molitor liess sie sausen. Innerhalb eines Jahres «verbrauchte» sie dann aber drei Trainer, bis sie merkte, was sie an Vater Ivan hatte.

«Die neuen Trainer wollten meine Schläge umstellen, doch so gingen auch meine Stärken verloren. Mein Vater kennt mich und das Tennis, das ich spiele, am besten. Mein Stil ist eben sehr eigen, etwas speziell», erklärte sie später. Seit Herbst 2018 ist Ivan Bencic wieder allein für seine Tochter verantwortlich. Die Abnabelung sei wichtig gewesen: «Wir haben uns beide weiterentwickelt. Er musste als Vater ein wenig zurückgehen aus meinem Leben. Wir können Tennis und Privates jetzt viel besser trennen.»

Privat stimmt bei Bencic auch alles: Seit einigen Monaten ist sie mit ihrem Fitnesscoach Martin Hromkovic zusammen, der das Vater-Tochter-Gespann auf der Tour ständig begleitet. Vater Bencic hat kein Problem damit, im Gegenteil: «Martin ist anständig und hat einen ähnlichen Humor wie ich. Und er tut Belinda gut.»

Bencic und ihre neue Devise:

«Ich muss im Moment bleiben, darf nicht zu weit vorausdenken. Im ganzen Team pflegen wir diese Mentalität. Auf keinen Fall abheben, wenn ich zwei-, dreimal gewinne!»

5. Keine übermächtige Gegnerin

Im Halbfinal trifft Bencic in der Nacht auf Freitag (02.30 Uhr) erstmals auf Bianca Andreescu. Die 19-jährige Kanadierin ist die grosse Aufsteigerin der Saison, dank ihren Turniersiegen in Indian Wells und in Toronto verbesserte sie sich in der Weltrangliste im Verlauf des Jahres von Rang 152 auf Position 15. Mit 39:4 hatte sie vor dem US Open gar die beste Bilanz von allen Spielerinnen auf der WTA-Tour.

Wie Bencic wird auch Andreescu oft mit Hingis verglichen. Die Rechtshänderin variiert geschickt beim Tempo, spielt die verrücktesten Winkel und überrascht immer wieder mit ihrer Schlagwahl. Anders als die ehemalige Weltnummer 1 aus der Schweiz kann sie aber auch von Grundlinie extrem hart auf den Ball schlagen. Die Teenagerin mit rumänischen Wurzeln dürfte Bencic aber sicher besser liegen als eine reine Hard-Hitterin.

Nur zwei Sätze gab Andreescu auf dem Weg in den Halbfinal ab. (Bild: EPA)

Nur zwei Sätze gab Andreescu auf dem Weg in den Halbfinal ab. (Bild: EPA)

Bencic über ihre Gegnerin:

«Andreescu spielt sehr variantenreich. Sie kann alle Schläge gut und versucht, ihre Gegnerin so aus dem Rhythmus zu bringen. Ich habe einmal mit ihr trainiert, aber sonst kenne ich sie nicht gross. Ich werde sie sicher noch etwas studieren müssen.»

Auf dem Platz wirkt Andreescu zuweilen etwas übermotiviert und verbissen. Das braucht sie, um sich nach vorne zu peitschen. Doch das kommt nicht überall gut an: Nach ihrem Drittrunden-Sieg gegen Angelique Kerber in Miami wurde die junge Kanadierin von ihrer Gegnerin als «grösste Drama-Queen überhaupt» beschimpft, weil sie trotz mehrerer Verletzungspausen am Ende den Sieg errang.

Der «Drama-Queen»-Vorfall mit Kerber in Miami:

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