Interview

Für die Schweizer Curlerinnen ist eine Welt zusammengebrochen

Die Curling-WM wurde vorletzte Woche kurzfristig abgesagt. Das Team mit der Zugerin Briar Hürlimann muss nun umdisponieren.

René Barmettler
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Schweizer Meisterinnen 2020: Team Oberwallis mit Céline Koller, Briar Hürlimann, Skip Elena Stern und Lisa Gisler (von links).

Schweizer Meisterinnen 2020: Team Oberwallis mit Céline Koller, Briar Hürlimann, Skip Elena Stern und Lisa Gisler (von links).

Céline Stucky Photography / Aargauer Zeitung

Statt die Weltmeisterschaften vom 14. bis zum 22. März zu spielen, mussten die Schweizer Curlerinnen unverrichteter Dinge wieder nach Hause fliegen. Wegen drohender Grenzschliessungen musste in Vancouver der Rückflug praktisch in einer Nacht- und Nebelaktion organisiert werden. Das Team um Skip Elena Stern kam am letzten Samstag wohl behütet in der Schweiz an. Briar Hürlimann, die 26-jährige Chamerin im Schweizer Team, gibt Einblicke in die abenteuerlichen Tage der Hoffnungen, ehe die WM abgesagt wurde.

Wann haben Sie von der Absage erfahren?

Briar Hürlimann: Wir absolvierten am Donnerstagmorgen, 12. März das letzte Training in der Curlinghalle. Wir erfuhren vom Eismeister, dass am Mittag wohl über eine mögliche Absage entschieden würde. Wir fuhren dann zum Flughafen. Der Flieger, der uns nach Prince George bringen sollte, wäre um 14 Uhr gestartet. Die Etiketten befanden sich bereits an den Koffern. Fünf Minuten, ehe der letzte Termin für deren Aufgabe gewesen wäre, erfuhren wir vom Weltcurlingverband WCF über die Absage Bescheid.

Wie hat Ihr Team auf diesen negativen Bescheid reagiert?

Wir vermuteten es, weil am Vorabend die Basketballliga NBA und die Eishockeyliga NHL unterbrochen wurden. Trotzdem hatten wir bis zum Schluss noch einen Funken Hoffnung, dass die WM möglicherweise ohne Publikum stattfinden würden. Wir haben aber den Entscheid vom WCF zu 100 Prozent verstanden und unterstützen diesen.

Wie ist denn die Stimmung in Kanada, wo sich Premierminister Justin Trudeau inzwischen wegen der Corona-Erkrankung seiner Frau in Selbstquarantäne begeben hat?

Es war eigentlich sehr ruhig, ehe am Donnerstag die Erkrankung seiner Frau bekannt wurde. Erst danach erfolgten Massnahmen. Plötzlich hatte es Desinfektionsmittel im Hotel und in den Läden. Sonst aber hatten wir nicht viel mitbekommen.

Ist die WM nun definitiv abgesagt oder wird sie in den Herbst hinein verschoben?

Im Moment ist sie abgesagt, die WCF berät sich im Moment. Die WM hat Einfluss auf die Vergabe der Quotenplätze für Olympia 2022. Deshalb wird gemunkelt, sie könnte doch noch im Herbst stattfinden. Allerdings wären im Oktober/November die Europameisterschaften vorgesehen, keine angenehme Lage also.

Wie sieht nun Ihr Trainingsalltag aus?

Eiskontakt haben wir keinen, die Hallen sind schweizweit geschlossen. Es ist eine grosse Herausforderung, da wir auch nicht in die Migros-Fitnesszentren gehen können, mit denen Swiss Olympic eine Partnerschaft pflegt. Es kann noch Wochen oder Monate dauern, ehe wir unser Sommertraining aufnehmen werden können.

Als Primarlehrerin haben Sie wohl im Moment alle Hände voll zu tun.

Vorletzten Samstag kam ich heim, am letzten Montag ging ich in die Schule, wo Sitzungen über das weitere Vorgehen stattfanden. Wir haben ein Fernschul- und Betreuungsprogramm auf die Beine gestellt, solche Pläne konnten wir nicht einfach so aus einer Schublade ziehen.

Ist Ihre Karriere als Spitzencurlerin wegen der ganzen Geschichte in Gefahr geraten?

Das nicht, aber die Voraussetzungen sind schwieriger geworden. Die Sponsorensuche dürfte sich harzig gestalten, da viele Unternehmen durch diese Pandemie in Schieflage geraten sind. Doch unser Ziel lautet, in dieser Zusammensetzung bis 2022 weiter zu machen. Wie, das werden wir in den nächsten Tagen im Team besprechen.

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