«Für uns ist das eine riesige Geschichte»: Die Vorfreude der Krienser Handballer vor dem Duell mit Skopje

Der HC Kriens-Luzern kann sich heute in Skopje dem grössten internationalen Erfolg der Klubgeschichte nähern.

Stephan Santschi
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«Das Weiterkommen bringt uns einen Imagegewinn. Wir sind in Europa angekommen.» So kommentierte vor drei Jahren der damalige Trainer Heiko Grimm den Coup im Europacup, als Kriens-Luzern in der Qualifikation zum EHF-Cup die höher eingestufte Konkurrenz von Saporoschje aus dem Wettbewerb gekegelt hatte. Grimm ist mittlerweile weitergezogen, auch im Kader sind nur noch drei Akteure übrig geblieben, die 2017 für dieses kleine Glanzstück auf internationalem Parkett gesorgt hatten: Goalie Paul Bar, Kreisläufer Gino Delchiappo und Flügel Adrian Blättler.

Werden die HCK-Fans bald noch mehr Grund zum Jubeln haben?

Werden die HCK-Fans bald noch mehr Grund zum Jubeln haben?

Andy Müller/Freshfocus

Letzterer ist in der Zwischenzeit zum Captain aufgestiegen und denkt mit einem Lächeln an Saporoschje zurück. «Das ist mein Highlight im Europacup. Wir hatten sehr viele Verletzte, gewannen zu Hause mit vier Toren Differenz und schafften es im Rückspiel mit letztem Kampf, den Vorsprung zu verteidigen», erzählt Blättler. Nun stehen die Zentralschweizer vor einer Herausforderung, die den Triumph in der Ukraine gar in den Schatten stellen kann. Wenn sie heute beim HC Metalurg (20.45 Uhr) in Skopje gastieren, können sie den zweitletzten Schritt zum grössten europäischen Erfolg der Klubgeschichte machen.

Im gleichen Wettbewerb wie Andy Schmid

Die Nordmazedonier sind nämlich der Gegner in der zweiten und letzten Qualifikationsrunde zur neu geschaffenen European League, deren Gruppenphase dank der Redimensionierung der Champions League hochkarätige Gegnerschaft garantieren wird – so möglicherweise die Rhein-Neckar Löwen mit dem Luzerner Weltklasse-Handballer Andy Schmid. Heute steht in Skopje (20.45 Uhr) das Hinspiel auf dem Programm, in einer Woche kommt es in der Zürcher Saalsporthalle zur Reprise. «Für uns ist das eine riesige Geschichte, ein Erlebnis für alle», betont Blättler. Nur schon die Anreise hatte es in sich: Über Wien flog die Mannschaft am Montag nach Pristina, von wo es im Bus weiter nach Skopje ging.

Wie damals Saporoschje, so ist auch der HC Metalurg ein Verein mit einem klingenden Namen, der zuletzt allerdings in etwas raueren Seegang geraten ist, im Kader kam es zu einem Umbruch. Klingende Namen, wie etwa jener des kroatischen Neuzuzugs Zlatko Horvat sind darin zwar noch immer enthalten. Hinter Dominator Vardar Skopje und Pelister aus Bitola war Metalurg zuletzt aber nur die Nummer drei des Landes. «Wir sind nicht der Favorit», sagt Geschäftsführer Nick Christen. Hoffnungen auf ein Weiterkommen machen sich die Krienser aber durchaus, zumal Metalurg nicht von mehreren tausend heissblütigen Fans unterstützt wird. «Das Spiel findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt», weiss Christen.

Captain Blättler hofft auf persönliche Steigerung

Dass die Krienser mit breiter Brust nach Skopje reisen, liegt am guten Saisonstart. In der NLA stehen sie nach vier Spieltagen auf dem zweiten Platz, im Schweizer Cup gelang der souveräne Einzug in den Achtelfinal und in der Qualifikation zur European League schalteten sie in der ersten Runde den RK Dubrava aus. «Wir möchten unser Spiel machen und etwas Zählbares aus Skopje nach Hause nehmen», sagt Blättler. Dazu brauche es in erster Linie einen starken Goalie und eine sehr gute Leistung in der Deckung.

Und im Angriff die Tore des pfeilschnellen Blättlers? «Noch bin ich mit meiner Chancenauswertung in dieser Saison nicht zufrieden, ich hatte mir mehr vorgenommen. Ich hoffe, es kommt besser», erläutert der bald 26-Jährige. In Skopje wäre der Zeitpunkt für eine Steigerung kein ungünstiger. In den beiden Partien gegen Saporoschje war er vor drei Jahren mit zwölf Treffern ein massgebender Erfolgsfaktor gewesen.